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09. März 2010

"Der ländliche Raum darf nicht geschwächt werden"

Der neue SPD-Landtagsabgeordnete Walter Krögner im BZ-Redaktionsgespräch / "Steiniger Weg" im vergrößerten Wahlkreis.

  1. Krögner Foto: Andrea Steinhart

TITISEE-NEUSTADT. "Wer Qualität in Hotellerie und Gastronomie haben will, muss dies auch die Jugendlichen in der Ausbildung am eigenen Leib erleben lassen", meint der SPD-Landtagsabgeordnete Walter Krögner und mahnt, die jungen Menschen in den Hoga-Berufen nicht nur als billige Arbeitskräfte zu verbrauchen. Die Qualitätssicherung im Tourismus ist für den Landespolitiker, der sich zur Zeit den 26 Bürgermeistern in seinem Wahlkreis vorstellt, "ein großes Thema". Die Auszubildenden-Quelle aus den neuen Bundesländern versiege zunehmend, daher müsse man selbstkritisch genau beobachten, welche Betriebe noch Auszubildende finden.

In einem Redaktionsgespräch in der Badischen Zeitung in Neustadt umriss Krögner die Themen, denen er sich in dem Wahlkreis, den er im November des vergangenen Jahres von Gustav Adolf Haas übernommen hat, besonders widmen will. Gerade für den ländlichen Raum wolle er sich stark machen, erklärt der Abgeordnete. Dieser dürfe zum Beispiel nicht durch den Wegfall der Schulen und durch unzureichenden Nahverkehr geschwächt werden. "Mein Ziel ist es, dass junge Familien auch im ländlichen Raum leben und arbeiten können", betont Krögner. Positiv wertet er unter anderem die Bemühungen im Hochschwarzwald, regionale Kreisläufe zu schaffen und in einer genossenschaftlichen Organisation das Erlebnisbad in Titisee mit Hackschnitzeln zu versorgen. Im Bereich Landwirtschaft gelte es, Verbraucher und Anbieter zusammenzubringen, das gegenseitige Verständnis zu wecken. Er sei solidarisch, so Krögner, mit den Milchbauern im Kampf um einen fairen Preis für ihr Produkt: "Gute Arbeit braucht einen fairen Lohn, das gilt auch für die Bäuerinnen und Bauern in unserer Region." Er will sich im Fachausschuss des Landtags verstärkt für die Interessen des Ländlichen Raums einsetzen. "Angesichts des demografischen Wandels ist es die größte Herausforderung, die Attraktivität des ländlichen Raums zu sichern beziehungsweise zu fördern", meint der SPD-Politiker. Durch eine gemischte Wirtschaftsstruktur, guten ÖPNV und ein gutes Angebot an Infrastruktur-Einrichtungen insbesondere im Bereich der Kinderversorgung, des Bildungsangebots und der Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarfs könne der drohende Aderlass des ländlichen Raums aufgehalten werden.

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Die Schulsozialarbeit muss ausgebaut werden

Der Diplomforstingenieur und Nebenerwerbsbetreiber einer biologisch-dynamischen Himbeer-Plantage im Dreisamtal ist Mitglied im Land- und Forstwirtschaftsausschuss und im Wirtschaftsausschuss. Geprägt von seinem Mandat als Stadtrat in Freiburg, engagiert er sich zudem als wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Stuttgarter Landtag und meint, die Wohnraumförderung müsse auch im ländlichen Raum wirken.

Als ein Ergebnis seiner bisherigen Besuche in den Rathäusern im Hochschwarzwald will er sich für klare Zuständigkeiten in der Vielfalt der Fördertöpfe einsetzen, von der manche Gemeinde schlichtweg überfordert sei. Ein anderes Thema, das an ihn immer wieder herangetragen wurde, ist die Forderung der Gemeinden nach einem Kostenausgleich für die zunehmenden Aufgaben, die auf die Kommunen abgewälzt werden. Dies gelte vor allem auch für den Bereich der Kinderbetreuung. In den Schulen fordert er einen Ausbau der Schulsozialarbeit und kritisiert Äußerungen der neuen Kultusministerin, die dies vor allem auch als Aufgabe der Lehrer sieht.

In einer Zusammenkunft mit den Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine unterstützte Krögner unter anderem die Pläne für den Bau eines Parkhauses auf dem Feldberg. Dies alleine reiche jedoch nicht aus, um die Probleme zu lösen, zudem habe das Skigebiet nur eine begrenzte Kapazität. Der Abgeordnete tritt für ergänzende Lösungen und attraktive Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs ein, die den Feldberg entlasten könnten. Als "sehr positiv" bezeichnete er nach einem Gespräch mit HTG-Geschäftsführer Thorsten Rudolph die Bemühungen um die Einführung einer Hochschwarzwald-Card. Angesichts der Überalterung der Gästestruktur, sei das "all inklusive-Angebot" ein beachtliches Alleinstellungsmerkmal des Hochschwarzwaldes, könne mit jungen Familien neue Gästeschichten erschließen und unter anderem auch die stärkere Verknüpfung zwischen der Stadt Freiburg und dem Umland im Bereich des Tourismus fördern.

Als einen "steinigen Weg" bis zur Landtagswahl im kommenden Jahr bezeichnete der SPD-Abgeordnete seine Arbeit in dem erweiterten Wahlkreis, der nun vom Osten Freiburgs bis nach Bonndorf und zum Dachsberg reicht. Die extremen Gegensätze in Struktur, Bevölkerung und Problemfeldern seien andererseits für ihn als Politiker eine spannende Herausforderung.

Autor: Thomas Winckelmann