Tourismuskonzept

Lokalverein Innenstadt will verhindern, dass Freiburg ein "Outdoor-Museum" wird

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 14. Juni 2018 um 12:22 Uhr

Freiburg

Der Lokalverein Innenstadt setzt auf Hanna Böhme. Von der neuen Geschäftsführerin der FWTM erhoffen sich die Vertreter der Innenstadt-Bewohner mehr Gehör in der Ausrichtung des Tourismus.

Der Lokalverein Innenstadt setzt auf Hanna Böhme. Von der neuen Geschäftsführerin der Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH (FWTM) erhoffen sich die Vertreter der Innenstadt-Bewohner mehr Gehör in der künftigen Ausrichtung des Tourismus. Bei der Mitgliederversammlung forderten sie die Verbannung der Reisebusse vom Karlsplatz und kritisierten neben der Vermüllung auch leerstehende Flächen wie in der Sportarena.
"Für uns sind die Gassen und Plätze hier unser Zuhause und Alltag." Anca Rosler-Koslar
"Wir wollen Klasse statt Masse und nicht zum Outdoor-Museum werden", sagte die Vorsitzende Anca Rosler-Koslar vor rund 50 Mitgliedern des Lokalvereins Innenstadt am Mittwochabend in der Alemannischen Bühne. Ein bewohntes Stadtzentrum sei ein Wert an sich: "Denn für uns sind die Gassen und Plätze hier unser Zuhause und Alltag." Eine ungelenkte Tourismusentwicklung werde zur Gefahr. "Wir sind dann die Hauptbetroffenen", fürchtet Rosler-Koslar.

Der Lokalverein fühlt sich beim Tourismuskonzept übergangen

Hintergrund der Sorge ist neben den steigenden Touristenzahlen auch ein geplantes Tourismuskonzept, bei dem sich der Lokalverein bisher übergangen fühlt.

"Wir wollen keine ungelenkten Tourismusströme und wir sind auch keine Rekordjäger, was die Besucherzahlen angeht", versicherte nun Hanna Böhme. Sie könne die Ängste der Menschen gut verstehen und auch ihr liege das historische Zentrum der mit seinen Bewohnern und Geschäften sehr am Herzen. Sie betonte, dass das städtische Leben an erster Stelle stehen müsse, und dann die Touristen. Dazu gehöre, dass in Zukunft mehr Übernachtungsäste und weniger Tagestouristen nach Freiburg kommen. "Ist es wirklich sinnvoll den Karlsplatz mit Bussen voll zu stellen?", fragte sie passend dazu in die Runde und erntete Applaus.

"Dieser hässliche Platz muss entrümpelt werden. Die Busse müssen weg, damit ein Umdenken stattfindet und die Bevölkerung den Platz zurückbekommt", forderte Rosler-Koslar. Ein Anwohner aus der Herrenstraße betonte, der Platz sei viel zu schön, "um ihn seit Jahren versauen zu lassen".

"Ich schäme mich als Freiburgerin für diesen Schandfleck." Maria Feierling-Rombach zur leerstehenden Ex-Sportarena
Zwar ist der Lokalverein bisher nicht in die Beratungen des Beirats zum 2017 vorgelegten und vom Gemeinderat bereits diskutierten Konzepts einbezogen. Böhme machte am Mittwoch jedoch deutlich, dass sie als FWTM-Chefin für die Anregungen und Wünsche der Bewohner ein offenes Ohr habe. Derzeit wird eine Prioritätenliste erstellt. Einer der wichtigsten Punkte ist dabei die Aufwertung des Schlossbergs. Das begrüßen die Mitglieder des Lokalvereins. Sie wünschen sich eine gute Mischung von Freiburgern und Besuchern auf dem kleinen Hausberg. Das Konzept sieht vor, dass unter anderem die Zugänge verbessert werden.

Weitere Kritikpunkte waren auf der Versammlung ein mangelndes Qualitätsbewusstsein in der Gastronomie, die Vermüllung der Plätze in den frühen Morgenstunden sowie leerstehende Flächen, die verwahrlosen. "Ich schäme mich als Freiburgerin für diesen Schandfleck", sagte Martina Feierling Rombach zur ehemaligen Sportarena zwischen Salzstraße und Grünwälderstraße. In der Debatte um die Folgen dürfe man aber nicht vergessen, dass der Tourismus auch eine wichtige Wirtschaftskraft sei, betonte die Geschäftsfrau.