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07. September 2009 07:49 Uhr
Jung unter Druck
Luftschlag in Kundus: Nato spricht von 125 Toten
Erfolgreicher Schlag gegen die Taliban oder folgenschwerer militärischer Fehler? Die Versionen über den von der Bundeswehr angeordneten verheerenden Bombenangriff auf zwei Tanklastwagen bei Kundus klaffen weit auseinander.
KABUL/BERLIN (dpa). Unbeirrt von internationaler Kritik und abweichenden Berichten der Nato blieb Verteidigungsminister Jung (CDU) bei seiner Darstellung, es seien bei dem Luftschlag wenig mehr als 50 Taliban gestorben, aber keine Zivilisten. Man habe Hinweise besessen, dass die "Taliban beide Tanklastzüge etwa sechs Kilometer von unserem Lager entfernt in ihre Gewalt gebracht haben, um einen Anschlag auf den Stützpunkt unserer Soldaten in Kundus zu verüben. Wäre ihnen das gelungen, hätte es einen Anschlag mit entsetzlichen Folgen für unsere Soldaten gegeben."
Kanzlerin Merkel (CDU) versprach am Sonntagabend, man werde so schnell wie möglich klären, ob es auch zivile Opfer gegeben haben. Falls dies so sei, bedauere sie das zutiefst. Sie fügte aber hinzu: "Mir ist es sehr wichtig, dass die Soldaten wissen, dass wir hinter ihnen stehen und sie unsere politische Unterstützung haben."
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In der afghanischen Bevölkerung wurde die Militäroperation unterschiedlich bewertet. Dorfbewohner beteuerten, sie seien von den Taliban teils mit Waffen gezwungen worden, ihnen bei der Befreiung der im Kundus-Fluss festgefahrenen Tanklastzüge zu helfen. Andere begrüßten dagegen die Militäroperation. Die Nato sei bisher nicht mit ausreichender Härte gegen die Taliban vorgegangen.
JUNG GERÄT UNTER DRUCK
Bei einem Selbstmordanschlag der Taliban auf die Bundeswehr nahe Kundus am Samstagmorgen wurden fünf Soldaten und ein Dolmetscher leicht verletzt.
Aus dem Ausland hagelte es Kritik an dem Einsatz in der Nacht zum Freitag. Schwedens Außenminister Bildt sagte für die EU-Ratspräsidentschaft: "Wir gewinnen diesen Krieg nicht, indem wir töten." Frankreichs Außenminister Kouchner sprach von einem großen Fehler.
Auch innenpolitisch geriet Jung massiv unter Druck. Außenminister Steinmeier (SPD) forderte eine rückhaltlose Aufklärung. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin forderte Kanzlerin Merkel auf, im Bundestag eine Regierungserklärung abzugeben.
- Reportage: Ein Rückschlag mitten im Fluss
- Chronologie: Todesnacht bei Kundus
Autor: dpa
