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07. Oktober 2015 06:57 Uhr

Freiburg-Herdern

Luxuswohnungen auf der Pferdewiese sind nicht zu vermarkten

Im Freiburger Stadtteil Herdern sind Luxuswohnungen auf der Pferdewiese nicht zu vermarkten: Der eine Investor steigt aus, ein neuer ein. Warum rücken die Bagger nicht an?

  1. Nach Jahren der vergeblichen Vermarktung wird die Bebauung der Pferdewiese überarbeitet. Foto: Bamberger

Seit mehr als drei Jahren hat Investor Rudolf Lang von der Staufener Firma SBB auf der Pferdewiese – einem 4800 Quadratmeter großen Hanglagengrundstück mit bester Aussicht in Herdern – das Recht, zu bauen. Die Genehmigung hatte er sich trotz scharfer Proteste von Anwohnern und einer Bürgerinitiative, die auch mit einer Klage und Landtagspetition scheiterten. Doch die Bagger rückten nie an, denn die SBB konnte keine einzige der geplanten neun Luxuswohnungen verkaufen. Nun ist sie aus dem Projekt aus- und die Freiburger Treubau AG eingestiegen.

Seitdem die Stadtverwaltung Langs Unternehmen das Baurecht erteilt hatte, wartete man in Herdern auf den Beginn der Bauarbeiten. Schließlich hatte der Investor lange und beharrlich darum gekämpft, das Filetgrundstück an der Sonnhalde mit Blick auf Stadt und Vogesen zu bebauen. Fertige Pläne für die neun Luxuswohnungen in vier Häusern lagen in der Schublade. Doch vermarkten ließen sie sich nicht. Neben der strengen, in einem Vertrag mit der Stadt geregelten Vorgaben über Größe und Bauart der Häuser seien den Interessenten die Entwürfe zu normal und zu wenig modern gewesen, glaubt Makler Martin Ingold.

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Der Hauptgrund war jedoch die Erbpacht, die die Heiliggeistspitalstiftung als Grundstückseigentümerin von den Wohnungseigentümern bekommen sollte. Wer so teuren Wohnraum kauft, will auch das Grundstück dazu besitzen, sind sich alle Experten einig. Verkaufen wollte und konnte die Stiftung dieses jedoch nicht. Stiftungsdirektor Lothar Böhler verweist auf einen Grundsatzbeschluss der kommunalen Stiftungen aus den 1990er Jahren, wonach diese keine Grundstücke verkaufen können, da der Erbzins von zentraler Bedeutung für die Finanzierung ihrer sozialen Aufgaben ist – gerade in Zeiten niedriger Zinsen und angesichts der hohen Grundstückswerte in Freiburg. "Die Grundstücke sind die Herzstücke unserer finanziellen Situation", sagt Böhler und betont: "Wir dürfen unser Tafelsilber nicht verscherbeln."

Für Lang war das Problem, dass er seit der Baugenehmigung im Frühjahr 2012 den vollen Erbzins – jährlich vier Prozent des Grundstückswertes an die Stiftungsverwaltung zahlen musste: 82 000 Euro für das mit vier Häusern zu bebauende Grundstück. Als einzige Lösung blieb ihm, aus dem Projekt auszusteigen und das Feld einem anderen zu überlassen. So wendete sich der Staufener Investor an die Freiburger Treubau AG. "Für uns war klar, dass wir das Grundstück nur kaufen, wenn wir vom Erbbaurecht wegkommen", sagt Treubau-Geschäftsführer Bernd Rösch. Die Idee: Um sie verkaufen zu können, bekommt die Treubau die Pferdewiese im Tausch gegen ein anderes Grundstück mit vergleichbarem Wert, so dass für die Heiliggeistspitalstiftung die gleichen Erträge gesichert sind.

Stiftungsrat stimmt mit großer Mehrheit zu

Und anders als die SBB ist die Treubau in Freiburg im Besitz von lukrativen Grundstücken mit attraktiven Bauvorhaben. Der Stiftungsrat stimmte dem Tauschmodell mit großer Mehrheit zu. Einer, der dagegen stimmte, ist "Freiburg lebenswert"-Stadtrat Wolf-Dieter Winkler. "Es ist das letzte freie Grundstück, von dem aus man noch auf die Stadt schauen kann. Das sollte man unbebaut lassen. Als Stiftungsrat muss ich zufrieden sein, als Bürger von Herdern bin ich es nicht." Die Stiftung müsse aufpassen, dass sie es sich nicht mit der Bürgerschaft verscherze.

In einem ersten notariellen Schritt hat die Treubau der SBB die Erbbaurechte für einen nicht genannten Betrag abgekauft, in den nächsten Wochen will sie nun das Tauschgeschäft fix machen. Welches Grundstück mit welcher Immobilie für den Tausch vorgesehen ist, wollen die Treubau-Chefs Volker Homann und Bernd Rösch in einigen Wochen bekannt geben. Auch zur Art der Bebauung wollen sie sich noch nicht äußern, die Architektur solle auf jeden Fall zeitgemäßer werden. Fest steht, dass die Entwürfe geändert und die Wohnungen günstiger angeboten werden.

Investor Lang will sich zur Pferdewiese nicht mehr äußern. Während die einen sagen, er habe bei dem Projekt reichlich Verlust gemacht, glauben andere, dass das Geschäft für Lang durch den Verkauf der Erbbaurechte nochmal gut gegangen ist.

Autor: Frank Zimmermann