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19. September 2009

Märchen und Meteoriten am Rhein

Ihre kreativen "Rhein-Geschichten" stellen fünf Teilnehmer einer Schreibwerkstatt in der Stadtbücherei vor

  1. Nach einer gelungenen Lesung stießen Kathrin Ebner, Peter Müller, Petra Gabriel, Angelika Weber-Wehrle, Susanne Rudolph und Anka Fricker (von links) in der Stadtbücherei miteinander an. Foto: Heike Armbruster

BAD SÄCKINGEN. "Stolz wie Graf Koks" stellte die Laufenburger Schriftstellerin Petra Gabriel die Teilnehmer ihrer Schreibwerkstatt vor: "Es ist eine Bereicherung, mit so kreativen, sympathischen und interessanten Menschen zusammen zu kommen." Wie talentiert die fünf Hobbyschriftsteller sind, davon konnten sich rund 30 Zuhörer in der Stadtbücherei bei der Lesung der "Rhein-Geschichten" überzeugen.

Der Rhein als Schauplatz war das verbindende Element der fünf Kurzgeschichten, die ansonsten nicht unterschiedlicher hätten sein können. Von Fantasy bis Kriegsdrama reichte die Bandbreite. Zum Einstieg in die Lesung präsentierte Kathrin Ebner ihre Erzählung "Altvater Rhein", die Geschichte des einnehmenden Zimmermannes Sebastian, der auf den mürrisch wirkenden Tagelöhner Anton trifft. Beide finden am Rhein Arbeit als Flößer. Nur, während Anton gewissenhaft seiner Arbeit nachgeht, baut sich Sebastian, Liebling der Stadtbewohner, einen Nebenerwerb als Dieb auf. Auf einer Flussfahrt nach Grenzach geraten die beiden in Streit und einer von ihnen kehrt nicht aus den Fluten des Altvaters Rhein zurück ans Ufer.

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Ebenso dramatisch, wenn auch auf eine ganz andere Weise, war "Neumond", die Geschichte von Angelika Weber-Wehrle. Aus der Sicht der 13-jährigen Klara erzählt, beschreibt sie zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges die Flucht des stummen und deshalb verfolgten Mädchens und seines jüngeren Bruders Max in die Schweiz. "Besonders schwierig war es, ein Telefon in der Handlung unterzubringen", nahm Angelika Weber-Wehrle eingangs Bezug auf die Vorgaben, die ihnen Petra Gabriel gemacht hatte. Der Schwierigkeiten, mit denen sie die Teilnehmer ihrer Schreibwerkstatt konfrontierte, ist sich Schriftstellerin bewusst. "Ich habe sie auch dazu gezwungen, die Geschichten anders zu schreiben als sie wollten", bestätigt Gabriel mit einem Augenzwinkern.

Der Fantasie hat Petra Gabriel natürlich keine Grenzen gesetzt. Das wurde besonders bei der Fantasy-Geschichte von Anka Fricker deutlich. In "Maike und der Märchenprinz" geht es um das Verschwinden der Grenzen zwischen der realen und der Märchenwelt, einen blauen Meteoritenblock und Abenteuer, von denen sicher noch nicht alle erzählt sind. Ihre Vorgabe "Colaflasche" nutzte die Autorin jedenfalls sehr einfallsreich, indem sie das Getränk ihrer Heldin als Waffe, sozusagen als modernes Weihwasser, gegen die bösen Fabelwesen in die Hand gab.

Susanne Rudolph hatte die Gelegenheit genutzt, für die Lesung eine ihrer ersten Geschichten zu vollenden, eine die selbst Petra Gabriel am Donnerstagabend zum ersten Mal hörte. "Rheinkiesel" beschreibt einen ganz alltäglichen Mutter-Tochter-Konflikt auf sehr einfühlsame Weise.

Eine humoristische Landschaftsbeschreibung war die Erzählung von Peter Christian Müllers, der als einziger männlicher Teilnehmer selbstverständlich die Rolle des Hahnes im Korbe inne hatte. Sein Spaziergang in "Der 27. Kalenderwoche" voll von "volksnahen" Enten, eingebildeten Schwänen und protzenden Weiden können Interessierte bald auf der Homepage von Petra Gabriel (http://www.petra-gabriel.de unter der Rubrik "Schreibwerkstatt" nachlesen.

Ein bisschen wird es allerdings noch dauern, denn derzeit arbeitet Petra Gabriel an ihrem neuen Fantasyroman und befindet sich dafür auf Recherche. Über ihre Erfahrungen auf der Fahrt vom Bodensee nach Frankreich will sie hin und wieder auf ihrer Homepage bloggen.

Autor: Heike Armbruster.