Ein Bergspezialist als Dreikampfsieger

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mo, 10. September 2018

Radsport

Beim Rennen in Mahlberg setzt Marcel Fischer für das Team Belle Stahlbau die Erfolgsserie der Racing Students fort / Beste Stimmung auf dem Stadtkurs.

RADSPORT. Mit dem Triumph beim Heimrennen in Mahlberg setzte das Team Belle Stahlbau, das früher unter dem Namen Racing Students auf schmalen Reifen unterwegs war, seine Erfolgsserie in der Heimat fort. Der Sieg von Marcel Fischer beim mitreißenden Rundstreckenrennen am Freitagabend war angesichts potenter Konkurrenz besonders bemerkenswert.

Der Sieger
"Eigentlich ist der Berg zu kurz für mich, der Anstieg müsste eigentlich drei Mal so lang sein", sagte Marcel Fischer eine halbe Stunde vorher grinsend beim Blick auf die Strecke in Mahlberg. "Denn ich bin ein echter Bergfahrer." Der 30 Jahre alte gebürtige Brandenburger bringt bei 1,85 Meter Körperlänge nach eigener Aussage "so 66, 67 Kilogramm" auf die Waage. Damit unterschiedet er sich durchaus von den meisten Konkurrenten, die kräftiger gebaut sind, und deshalb bei anspruchsvollen Bergauf-Fahrten flugs an Grenzen stoßen. Hinterher bekam der Sieger von Mahlberg das breite Grinsen fast nicht mehr aus dem Gesicht. Fischer, der in Stuttgart wohnt und im Vertriebsaußendienst für die Firma Hiller aus Kippenheim arbeitet, nahm im Kreis der fröhlichen Team-Entourage einen kräftigen Schluck aus der Bierflasche auf seinen couragierten Auftritt, mit dem er sich den Erfolg redlich verdient hatte. "Das war ein Pflichtsieg", sagte er noch, "der Erste in dieser Saison." Da mischte sich in die Freude auch ein Schuss Erleichterung.

Der Dreikampf
Sechs, sieben Fahrer waren vorher vom Fachpublikum als aussichtsreich ausgemacht worden, darunter auch jene Drei, die das Rennen prägten. "Bei der Rennhälfte trennt sich die Spreu vom Weizen", hatte Fischer vorher noch prognostiziert. Damit sollte er recht behalten. Er selbst hatte nach 20 von insgesamt 50 Runden eine mutige Solofahrt begonnen und das Feld gesprengt. Nach fünf Runden aber schlossen mit Dario Rapps (RSC Kempten) und dem Franzosen Simon Combes (VC Unité Schwenheim) zwei aussichtsreiche Kandidaten zu ihm auf. Das Team Belle Stahlbau stellte danach sicher, dass sich niemand mehr dieser Spitzengruppe anschloss. Fortan dominierten sie zu dritt das Geschehen, sie überrundeten konsequenterweise sogar die Konkurrenz. Da war klar, der Sieger konnte nur einer dieser Drei sein. Der ehrgeizige Franzose, der als Meister der Region Grand Est mit breiter Brust anreiste, sorgte für hohes Tempo. Racing-Students-Teamchef Christoph Kindle sagte hinterher ehrlich: "Dem Marcel hat es geholfen, dass der Franzose den Berg derart hochgebügelt ist und das Tempo hochgehalten hat. Hätten sie gebummelt und wäre es zu einem Sprint gekommen, wäre es für Fischer schwer geworden." So setzt sich Fischer in den letzten vier Runden etwas ab und verteidigte seinen Vorsprung bis ins Ziel. "Der Franzose war verdammt stark", stellte er hernach fest und verriet noch dies: "In den letzten Runden habe ich 1000 Watt getreten." Da staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich.

Der Mitfavorit
Jonas Tenbruck, Sieger von 2016, jubelte zwar mit dem siegreichen Mannschaftskameraden, war hinterher aber auch von gemischten Gefühlen bestimmt. Er hatte am Sonntag zuvor noch in Donaueschingen gesiegt, war hoch gehandelt worden und als einer von zwei Kapitänen des Teams Belle Stahlbau angetreten. Bei entsprechendem Rennverlauf hätte ihm die Loyalität der Teamkollegen gegolten. "Das Rennen liegt mir", sagte er vor dem Start am Teambus, "allerdings habe ich seit einigen Wochen Knieprobleme. Ich habe in der Vorbereitung nicht so optimal trainieren können." Während des Rennens wurde die Befürchtung, das Knie könnte Ärger machen, für den Mann, der in Stuttgart zu Hause ist und in der vierten Saison für die Racing Students und das Team Belle Stahlbau fährt, zur Gewissheit. Nach 15 Runden zeichnete sich ab, dass er mit dem Ausgang des Mahlberger Rennens nichts zu tun haben würde. "Das Knie" signalisierte er dem Beobachter am Straßenrand kopfschüttelnd. Da hatte er bereits den Anschluss an die Spitze verloren.

Der Lokalmatador
Die Startnummer eins war ganz gewiss nicht als Prognose des Rennverlaufs zu verstehen, sondern vielmehr als Referenz an den Lokalmatador, der nur einen Steinwurf von der Strecke entfernt in Mahlberg zu Hause ist. Der 25-jährige Pascal Husterer wusste aber, von Heimvorteil konnte für ihn angesichts von insgesamt 1300 Höhenmetern nicht die Rede sein. "Flache Strecken sind mir lieber", sagte er. Seine Rolle war klar: "Wir haben zwei Kapitäne. Für die leiste ich Helferdienste, solange ich kann." Irgendwann ging es für ihn nur noch darum, das Rennen vor den begeisterungsfähigen heimischen Fans mit Anstand zu Ende zu fahren. "Das ist total geil. Ein super Event, viele Zuschauer, eine tolle Atmosphäre. In der Pfalz stehen manchmal nur 30, 40 Leute an der Strecke. Hier ist richtig etwas los." Und am Ende prasselte vom Beifall der zahlreichen begeisterten Fans, welcher naturgemäß vor allem dem Sieger galt, auch ein bisschen auf ihn herab.