Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Juli 2012

Unterm Strich

Mainzelfrauchen-Quote: Kein Sex für Mainzelmännchen

Das ZDF sieht keinen Grund für eine Mainzelfrauchen-Quote / Von Alexander Dick.

Auch wenn wir uns im Vorabendprogramm befinden, also in der Zeit der Sandmännchen, Sokos und Soaps – die Frage sei erlaubt: Können Mainzelmännchen Sex haben? Interessiert jedenfalls die charmante Kollegin, deren Namen wir aus Datenschutzgründen verschweigen. Eine Antwort hierauf muss man wohl mit Verweis auf die normative Kraft des Faktischen geben: Offenbar nicht, sonst hätte es ja irgendwann mal Nachwuchs gegeben – etwa gar ein Mainzelfrauchen?

Womit wir mitten in der biologischen Kernproblematik gelandet wären, und es jetzt ganz heikel wird. Welches Geschlecht hat so ein Mainzelmännchen eigentlich? Offenbar doch Neutrum – das Männchen. So wie das ZDF. Intime Kenner der deutschen Sprache wissen es: Das Neutrum wird von ihr gerne dann strapaziert, wenn eine Sache nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Und sie sich um eine Geschlechterzuordnung drückt.

Andererseits hat Mainzelmännchen-Erfinder Wolf Gerlach seinen Geschöpfen vor fast 50 Jahren – 1963 – Namen gegeben: der schlaue Det, Anton, Berti, Conni, Edi und Fritzchen. Klingt irgendwie nach Buben, also zumindest mit der Option auf Männlichkeit. Und genau das scheint den Mainzer Programmmachern nun ein halbes Jahrhundert später ganz wichtig. Das "Erfolgsmodell" (schon wieder Neutrum) Mainzelmännchen wird kein Quotenfrauchen bekommen – allen GleichstellungsbeauftragtInnen im Lande zum Trotz. Warum? Weil ZDF-Werbefernsehchef Hans-Joachim Strauch keinen Grund für eine Änderung sieht. Punktum. Was Strauch nicht sagt, aber wohl denkt: So ein Frauchen (Neutrum) wäre auch bloß androgyn. Ergo reichen die sechs vorhandenen Zipfelmützenträger. Bei deren Akzeptanz sich Strauch im Einklang findet mit den rund 3,3 Millionen täglichen Zusehern. Welche, so fügt er hinzu, "allerdings auch eher älter und erfahren" seien. Und was sagt die Alterserfahrung? Dass, frei nach Loriot, Männchen und Frauchen nicht zusammenpassen? Pech für Det & Co. Und unsere Kollegin.

Werbung

Autor: adi