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14. Dezember 2008 15:40 Uhr

Beim Auftritt im Gloria-Theater

Mainzer Hofsänger ganz unkarnevalistisch

Die meisten kennen sie von der Fasnachtssendung "Mainz, wie es singt und lacht", wo sie in ihren bunten Bajazzo-Kostümen auftreten und längst ein Markenzeichen der Mainzer Fasnacht geworden sind. Doch die Mainzer Hofsänger können auch anders.

  1. Foto: Roswitha Frey

BAD SÄCKINGEN. Ganz unkarnevalistisch und unnärrisch präsentierten sich die "singenden Botschafter vom Rhein" bei ihrem Auftritt im Bad Säckinger Gloria-Theater als vielseitiger Konzertchor mit einem bunten Querschnitt aus populären Liedern, Musicalmelodien, Gospels und geistlichen Werken.

  In schmucken roten Jacketts betraten die Mainzer Hofsänger die Bühne und erwiesen sich gleich als rheinische "Frohnaturen" mit Liedern vom Rhein und Wein, von Lebensfreude und Frohsinn. "Ja, ja, der Chiantiwein", schallte es kraftvoll aus 16 Kehlen, und der künstlerische Leiter Michael Christ begleitete mit schmissiger Verve am Klavier. Der Männerchor, der auch außerhalb der Fasnachtszeit seine Fangemeinde hat, erwies sich beim Gastkonzert in der Gloria-Reihe "79713" vor allerdings nicht voll besetzten Zuhörerrängen als stimmkräftig quer durch die Tenor- und Bassreihen. Das hörte man an beliebten Titeln wie "Funiculi, Funicula", wo sich die jüngeren "Neuzugänge" solistisch so richtig mit Stimmschmelz und Temperament ins Zeug legten. Natürlich durften so bekannte Zugnummern wie das Lied des Milchmanns Tevje "Wenn ich einmal reich wär’" aus dem Musical Anatevka nicht fehlen. Bassist Ralf Marling sang es souverän im Stimmvolumen und mit der nötigen Portion verschmitztem Humor.

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Immer wieder trat auch der erste Tenor Stefan Zier mit seiner metallisch strahlkräftigen Stimme hervor, etwa im hell und durchdringend geschmetterten "Kalinka" – da machten die Hofsänger noch den Wolga Kosaken Konkurrenz.  Auch im Bereich der Populärmusik und Musicalhits bewegten sich die Sänger in guter Stimmlaune und brachten das flotte "Sing, Sang, Song" richtig swingend im Chorklang. Hans-Jürgen Schneider gab mit kernigem Bass Sinatras Hit "My Way" voller tiefer Inbrunst und Sentiment, und sein Basskollege Christoph Clemens sang den Evergreen "New York, New York" mit einigem Elan. Auch ganz "klassisch" gesungen, ohne Bühnenshow oder Choreografie, klangen diese Arrangements recht beschwingt. Und bei "Over the Rainbow" kam sogar eine richtig gefühlvolle Stimmung auf.   Natürlich war das Programm schön bunt gemischt, damit es auch einen breiten Publikumsgeschmack trifft.

Im zweiten Programmteil wurde es dann weihnachtlich-besinnlicher. Da kamen die Mainzer Hofsänger in schwarzen Jacketts auf die Bühne und boten unter dem Motto Weihnachtszauber Ausschnitte aus ihrem geistlichen Programm, das sie sonst eher in Kirchen singen. Jauchzend und festlich klang es in "Macht hoch die Tür" oder "Tochter Zion" und andächtig wurde es in dem wunderschön gesungenen "Maria durch ein Dornwald ging" – da konnte man einmal deutlich hören, zu welcher Stimmkultur und hervorragenden Chordisziplin dieser semiprofessionelle Chor fähig ist, dessen Mitglieder meist keine Berufssänger sind. Auch andere geistliche Lieder wie "Ehre sei Gott" oder das feierliche und bewegende Bass-Solo in "Ave Maria" ließen schon weihnachtliche Stimmung aufkommen.

Auch mitreißende Weihnchtsklänge

Dass Weihnachtsklänge aber auch fröhlich und mitreißend sein können, bewies das Medley aus internationalen Weihnachtsliedern vom spanischen "Feliz Navidad" bis zum englischen "Merry Christmas". Zum Schluss hatten die traditionsreichen Hofsänger – vor zwei Jahren feierte der Chor sein 80-jähriges Bestehen – auch noch einige bekannte Spirituals und Gospels im Repertoire. Und man höre und staune: In den stimmgewaltig gesungenen "Tell it on the Mountain" oder "Oh Happy Day" kam rhythmische Bewegung in den Chor, wurde mitgeklatscht wie bei einem veritablen Gospelchor. Und die Zugaberufe beim lebhaften Schlussbeifall blieben nicht ungehört. So klang etwa noch ein strahlendes, schwingendes "Gloria in Excelsis Deo" durchs Gloria-Theater.        

Autor: Roswitha Frey