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04. November 2012 18:42 Uhr

Bundesratsinitiative

Maklergebühren: Wer bestellt, soll bezahlen

Bisher zahlen meist die Mieter die Maklergebühr. Eine Bundesratsinitiative will das ändern und dem Vermieter die Kosten aufdrücken. In Freiburg stößt der Plan auf ein geteiltes Echo.

  1. Blick über den Stadtteil Stühlinger auf die Hochhäuser von Weingarten: Für 70 bis 80 Prozent der Freiburger Mietwohnungen muss eine Maklerprovision bezahlt werden. Foto: Ingo Schneider

In Städten mit Wohnungsknappheit wie in Freiburg ist die Ausgangslage klar: Um sich Werbung, Terminvereinbarungen, Wohnungsbesichtigung und Bonitätsprüfung zu ersparen, beauftragt der Vermieter einen Makler – und der Wohnungssuchende zahlt 2,38 Monatsmieten Provision. "Das ist der Regelfall", bestätigt der Makler und Immobiliensachverständige Hugo Sprenker, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD).

"Vermieter sind in der besseren Position", so Manfred Wolf, Vorsitzender des 10.000 Mitglieder zählenden Mietervereins Regio Freiburg. Lediglich bei Leerständen seien Vermieter bereit, für die Vermittlung ihrer Wohnung zu bezahlen. Hugo Sprenker würde die neue Regelung begrüßen, auch "als Verband werden wir uns ihr nicht entgegenstellen". Auch seine Kollegen Dirk Schemmer und Thomas Hertle plädieren dafür. Hertle fragt sich: "Wieso sollen nicht diejenigen zahlen, denen die Arbeit abgenommen wird?" Auch Manfred Wolf vom Mieterverein findet: "Es ist doch normal, dass derjenige bezahlt, der den Auftrag gibt." Schemmer verfährt bei Verkäufen längst nach dem Bestellerprinzip.

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Eine neue Marktkonstellation

"Den Vermietern wird das nicht gefallen", glaubt Sprenker. "Sie werden entweder bezahlen müssen oder selbst vermieten." Schemmer spricht von einer "völlig neuen" Marktkonstellation: Sicherlich würden einige Vermieter zunächst versuchen, ihre Wohnung selbst zu vermieten; viele würden – allein schon aus Zeitgründen – wohl bald wieder auf Makler zurückgreifen. Schemmer plädiert für ein neues Entlohnungsmodell: Warum sollten Makler nicht für einzelne Leistungen wie die Wohnungsübergabe oder die Hilfe bei Vertragsmodalitäten, bezahlt werden anstatt nur komplett bei Mietvertragsabschluss? "Ich kann der Sache sehr viel Positives abgewinnen."

Nach Ansicht der Makler werden Vermieter versuchen, einen Teil der Provision über eine Mieterhöhung wieder reinzuholen. Eine Miete bis zu 20 Prozent über dem Mietspiegel ist erlaubt. Denkbar ist auch, dass Vermieter versuchen werden, die Gebühr zu drücken. Hertle weist darauf hin, dass hinter einer Wohnungsvermittlung viel Arbeit stecke: "Da täuscht man sich, wenn man denkt, dass wir nur eine Wohnung zeigen." Wie viele Makler es in Freiburg gibt, weiß IVD-Vize Sprenker nicht. Hertle geht davon aus, dass sich 200 Kollegen auf dem Freiburger Wohnungsmarkt tummeln. Zu viele, sagen Branchenkenner und kritisieren schwarze Schafe.

Allzu viel lässt sich im Mietwohnungsgeschäft ohnehin nicht verdienen, denn die Fluktuation liegt bei lediglich sechs bis sieben Prozent. Die Menschen bleiben, wenn es geht, in ihren Wohnungen, auch wenn diese zu groß, zu klein oder zu teuer sind. Thomas Hertle hat derzeit viel mit Immobilienverkäufen und wenig mit Vermietungen zu tun. Recht gut sei der Umsatz allenfalls mit möblierten Mietwohnungen auf Zeit, wie sie seine Homecompany anbietet. Die Makler Michael und Erika Seidler können wegen der Wohnungsknappheit ihren Kunden keine Alternativen anbieten.

Hinter der anvisierten Änderung des Wohnungsvermittlungsgesetzes steckt die Idee, dass Wohnungssuchende aus einem breiteren Angebot auswählen können und ein Umzug finanzierbar werden soll. "Für Mieter wäre die Neuregelung eine Verbesserung, weil sie mit Kaution, Umzugs- und Anschaffungskosten schon genug Belastungen haben", sagt Wolf.

Peter-Dietmar Schnabel, Rechtsberater bei der Eigentümerschutzgemeinschaft "Haus und Grund", findet eine Neuregelung nicht besonders sinnvoll, sie greife in die Vertragsfreiheit ein. "Ich sehe darin keinen Sinn", sagt auch Maklerin Erika Seidler. "Das sind Dinge, die der Markt alleine regelt."

Größtes Problem ist der zu knappe Wohnraum

Zudem, findet Schnabel, nehme ja auch der Mieter eine Leistung vom Makler in Anspruch; und auch Michael Seidler sagt: Die Dienstleistung des Maklers ist keineswegs einseitig, die Maklergebühr komplett auf den Vermieter umzulegen sei nicht gerechtfertigt. Jurist Schnabel fände etwa eine Teilung der Kosten sinnvoll.

Sein Fazit zu einer möglichen Neuregelung: "Das lenkt nur davon ab, dass man es in der Vergangenheit verpasst hat, genügend Wohnraum zu schaffen. Auch Freiburg hat da seine Hausaufgaben nicht gemacht."

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Autor: Frank Zimmermann