Eine Klausur mit dem Gemeinderat

Rolf-Dieter Kanmacher

Von Rolf-Dieter Kanmacher

Mi, 08. August 2018

Malsburg-Marzell

Bürgermeister Mario Thomas Singer leitet erstmals eine Sitzung des Gemeinderates und schlägt "abendliches Treffen" vor.

MALSBURG-MARZELL. Bürgermeister Mario Thomas Singer leitete am Montagabend im Rathaus Malsburg nach seinem Amtsantritt im Juli erstmals eine öffentliche Sitzung des Gemeinderates Malsburg-Marzell. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, die Besucherstühle im Sitzungssaal waren voll besetzt.

Dass dem neuen Mann an der Spitze an einer guten Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat gelegen ist, machte sein Vorschlag deutlich, den er unter Punkt "Verschiedenes" einbrachte: Singer brachte eine Klausur mit den Ratsmitgliedern ins Gespräch, die nach dem Ergebnis der Diskussion im Ratsrund als "verlängertes abendliches Treffen" wohl auch bald stattfinden wird und dem besseren Kennenlernen und auch dem Austausch über sachliche Standpunkte zu wesentlichen anstehenden Themen und Problemen dienen soll.

Eigentlich nur als Information angekündigt, zeigte sich der Gemeinderat beim Thema "Raumkonzept Kandertal" außerordentlich diskussionsfreudig. Bekanntlich wollen die Gemeinden Kandern, Binzen, Rümmingen, Schallbach, Wittlingen und Malsburg-Marzell ein Konzept zur künftigen Gestaltung und zukunftsträchtigen Entwicklung des Kandertals erarbeiten, eine entsprechende Erklärung haben die Bürgermeister bereits unterzeichnet. Das obere Kandertal dürfe aber auf keinen Fall von der Entwicklung abgehängt werden, unterstrichen mehrere Ratsmitglieder, man müsse "wachsam" sein, sagte dazu Hanspeter Osswald. Mehrfach angesprochen wurden Erschwernisse für Bauinteressenten, Helga Althauser wies auf dringend notwendige Verbesserungen im Nahverkehr und die Mobilität auch im Blick auf die Kliniken hin. In den letzten Jahren habe sich hier (zu) wenig bewegt, unterstrich Isabella Spittler. Auch dürfe die Gemeinde "nicht billiges Naherholungsgebiet" für die Raumschaft werden, sondern müsse auf Entwicklungsmöglichkeiten pochen.

Gemeinsame Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten

Aber "den Fuß drin zu haben" bei der gemeinsamen Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten, sei wichtig, diese Haltung von Bürgermeister Singer fand durchaus auch Unterstützung in den Reihen der Ratsmitglieder. Albert Gothe verwies in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeiten, die der künftige Flächennutzungsplan bringen könne.

Vertagt wurde nach ebenfalls längerer Diskussion der Punkt "Gewässerökologisches Gutachten" für die Kander und ihre Zuflüsse, da nach übereinstimmender Meinung brauchbare Entscheidungsgrundlagen fehlten. Das Land Baden-Württemberg macht laut der Sitzungsvorlage Vorgaben für die Erstellung von gewässerökologischen Gutachten und Zustandsbewertung der Kander und ihrer Zuflüsse auch mit Ziel, mögliche ökologische Verbesserungen aufzuzeigen. Die Vergabe des Gutachtens erfolgte über das Landratsamt Lörrach. Eine entsprechende Kostenbeteiligung der Gemeinde, die Rede war von rund 1000 Euro, ist vorgesehen.

Zu Beginn der Sitzung hatte Karlheinz Beyerle aus den Reihen der Zuhörer die Frage nach dem aktuellen Stand in Sachen des geplanten Windparks Wasen/Hohe Stückbäume gestellt und mangelnde Information seitens des planenden Unternehmens Windkraft Schonach bemängelt. Bürgermeister Singer sagte entsprechende Informationen auch für die Bevölkerung zu, sobald diese seitens der potenziellen Betreiber vorlägen. Auch würde er in Kürze Gespräche mit seinem Kleinwiesentäler Amtskollegen Schönbett führen und dabei die Thematik ansprechen.

Wie die Badische Zeitung bereits am 31. Juli meldete, kann der geplante Windmessmast vorerst nicht errichtet werden. Grund sei der Naturschutz und insbesondere zwei geschützte Greifvögel: Rotmilane und Wespenbussarde. Grundsätzlich halte die Windkraft Schonach aber am Vorhaben – möglicherweise in abgespeckter Form – fest.