Fünf Taufen beim Bluesgottesdienst

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

Mo, 27. August 2018

Malsburg-Marzell

Die Feier beim Lipple war mit rund 250 Menschen sehr gut besucht / "The Acoustic Blues Drifters" gestalteten den Anlass mit.

MALSBURG-MARZELL. Es war eine Premiere und die Resonanz war überwältigend: Am Sonntag fand im Schwarzwald am Lipple der erste Bluesgottesdienst statt. Rund 250 Menschen kamen zu dem Gottesdienst, den die "Acoustic Blues Drifters" gestalteten. Vier Familien ließen in diesem besonderen Rahmen ihre Kinder taufen, darunter ein Zwillingspaar. Manuel und Silvia Grether baten Pfarrerin Ulrike Krumm außerdem um den Segen für ihre Ehe.

Schon seit Langem feiern die evangelischen Kirchengemeinden aus dem Kleinen Wiesental, vom Blauen und aus Kandern, auf einer Lichtung beim Wanderparkplatz Lipple viermal im Jahr gemeinsam Gottesdienst. Diesmal war die Feier auch Teil des Dreylandbluesfestivals, bei dem vier Tage lang namhafte Bluesbands in der Region auftraten. "Viele Bluesmusiker sind tiefgläubig. Viele beginnen im Gospelchor ihrer Kirchengemeinde." So erklärte Klaus Deuss vom Verein "Jazz und Blues Südbaden", der das Festival organisiert hatte, die Verbindung. Blues und Gospels sängen beide von der Liebe und den großen Fragen des Lebens.

Ulrike Krumm, Pfarrerin in Fahrnau/Kürnberg und Gersbach, predigte über die Geschichte von Kain und Abel – diese uralte Geschichte, in der die beiden Brüder Gott mit einem Opfer um Segen bitten. Als Gott Kains Opfer zurückweist, erschlägt er Abel. Pfarrerin Krumm erzählte von Kains Schuld und harter Arbeit, von Gottes Fluch, aber auch von seiner Liebe. Die "Acoustic Blues Drifters", ein bekanntes Bluesduo aus der Schweiz, spielte dazu. Walter Baumgartners schönes Gitarrenspiel, Joe Schwachs mal raue, mal melancholisch gedehnte Töne auf der Bluesharp, dazu die vollen Stimmen der beiden Männer mit ihrem bisweilen rauen Bluesfeeling – all das ging unter die Haut. So sangen die Beiden langsam, voll schwerer Melancholie, den "Coalmining Blues" vom Bergwerksarbeiter, den die Arbeit niederdrückt; oder mit Druck den Song "Can’t you see" vom Mann, der am liebsten vor seiner Frau und dem Leben davonlaufen wollte.

Unbekümmert und fröhlich klang dagegen das Lied "Don‘t shave your legs". Darin erklärt ein Mann seiner Liebsten, dass er sie mag, wie sie ist: Sie muss sich für ihn nicht die Beine rasieren oder in Schale werfen. In den Sound der "Acoustic Blues Drifters" mischten sich leichtfüßig und locker die Bongos der Band "Tri Continental". Die vier Musiker aus Kanada hatten am Samstag in Bad Säckingen gespielt und gaben nach dem Gottesdienst noch ein kleines Gratiskonzert. Doch schon während der Feier begannen sie irgendwann, einfach mitzuspielen. Eine angeregte, entspannte Stimmung breitete sich aus. Frauen und Männer wippten auf ihren Stühlen mit, manche mit Kindern auf ihren Knien. Ein Liebespaar lauschte eng aneinandergeschmiegt. Schließlich bat Krumm die Tauffamilien zum Altar und segnete die fünf Kinder. Eltern und Paten entzündeten die Taufkerzen.

Als "Tri Continental" nach dem Gottesdienst mit sattem Sound aus Blues, Folk und afrikanischen Wurzeln spielten, machten sich viele auf den Heimweg. Schade, die Band hätte mehr Zuhörer verdient.