Narren drehen den Spieß um

Rolf-Dieter Kanmacher, Norbert Sedlak u. Markus Maier  

Von Rolf-Dieter Kanmacher, Norbert Sedlak u. Markus Maier, & 160;

Sa, 21. Februar 2009

Malsburg-Marzell

Peter Echle Stockberggeist / Petra Bieg "Super-Glunggi"/ Daniela Meier stellt schwere Aufgabe.

KANDERTAL. Politik mit Humor verbinden – was im richtigen Leben nicht immer gelingen will, versuchen in der "fünften Jahreszeit" – einmal mehr – die Fasnächtler. Sie haben am "Schmutzige Dunschtig" die Macht übernommen.

Um der Amtsenthebung zu entgehen, lud in Rümmingen Bürgermeisterin Daniela Meier die vier Rümminger Fasnachtscliquen ("Dorfhäxe", "Harzwalcher", "Mattental Grabben"und die Zwerge) zum Umtrunk ein. Doch das beeindruckte die Narren um Simon Keller, den Boss der "Dorfhäxe" recht wenig. Kurzerhand überwältigten sie mit einem Seil erstmals die Rathauschefin und nahmen ihr den Rathausschlüssel ab – die Bürgermeisterin nutzte die Gunst der Stunde und übergab auch noch den leeren Geldsäckel: "Den möchte ich gut gefüllt am Aschermittwoch wieder zurückhaben", forderte sie. Um die Narren etwas zu beschäftigen, überließ Daniela Meier den neuen Machthabern noch ein "bad Projekt" zur Aufarbeitung: Die Ortsumfahrung in der Hochlage, die sie gerne in Tieflage wieder zurück haben möchte.  Bis Aschermittwoch sind nun "bilanglosi Gmeirotssitzige" und die Unsitte, das Volk durch "Abgabe un Rechnunge zu drangsaliere" strengstens untersagt, forderte Simon Keller.

 In Wollbach umrahmten die Birsfelder Guggemusiker "dii Unschlyssige" die "letzte" närrische Amtsenthebung von Ortsvorsteherin Monika Hurst durch "Chochlöffel"-Chef Karlheinz Gräßlin. Einfach viel zu bekannt ist Petra Bieg, die als "Super-Glunggi" von vielen Wollbachern schnell enttarnt wurde.

Trotz klirrender Kälte sorgten in Malsburg-Marzell die "Wälderchnorzi" und die "Grabedierer" wiederum für einen zünftigen Auftakt der Wälderfasnacht. Dabei wurden sie kräftig musikalisch unterstützt durch den Musikverein "Edelweiß" mit seinem Dirigenten  Gregor Heinrich.  Schon am Vormittag hatten die Kinder des evangelischen Kindergartens in Marzell mit einem "Glunkiumzug" für einen närrischen Farbtupfer gesorgt. Ohne größere Gegenwehr stellte auf dem Rathausplatz Bürgermeister Dieter Schwald den Narren Gemeindekasse und Rathausschlüssel zur Verfügung. "Chnorzi"-Boss Dietmar Osswald hatte zuvor darauf hingewiesen, dass mit der Einführung des Funk-DSL auf dem Rathaus die "ruhigen Tage" vorbei seien und gerufen "Yes we can – ins Internet!" Anschließend lud der entmachtete Wäldervogt zum Umtrunk vor dem Rathaus  ein. Weiter ging es  dann in die "Löschgasshalle" zum Hemdglunkiball. Für Stimmung sorgten dort der närrische Nachwuchs mit einer tollen Tanzeinlage und die Neuenburger Guggemusik "Ventilfäger", bis dann  die mit Spannung erwartete Demaskierung des Stockberggeistes vonstatten ging.  Als närrischer Schutzpatron der Wälderfasnacht entpuppte sich diesmal Peter Echle aus Malsburg.

In Kandern war es um einen sichtlich gut gelaunten Bürgermeister Bernhard Winterhalter schnell geschehen. "Brezele-Buebe"-Chef Johann Albrecht – im richtgen Leben echter Kommunalpolitiker und Bürgermeister-Stellvertreter – nahm die Rathausschlüssel an sich. Er hatte – neben anderem – Revolutionäres als Vorschlag: Um Kanderner Belange vorwärts zu bringen, sollte man den Spieß umdrehen, den Bürgermeister während der Fasnet regieren lassen und die Narren das ganze restliche Jahr über.