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06. Dezember 2011
Roger Tristao entschlüsselt Bachs Zahlenmystik
Der Konzertgitarrist begeistert in Malterdingen mit feinfühligen Interpretationen von Meisterwerken aus Barock und Renaissance.
MALTERDINGEN. Ausgesuchte Gitarrenmusik aus der Zeit des Barocks und der Renaissance präsentierte am Samstag in der Jakobskirche der Konzertgitarrist Roger Tristao Adao, der bisher unter seinem Geburtsnamen Roger Zimmermann bekannt war. Seinen neuen spanischen Namen verdankt der Künstler nicht allein seiner Frau, sondern ebenso der Liebe zur spanischen Musik des 16. und 17. Jahrhunderts, der er einige der einschlägigen Kompositionen für Gitarre und Laute von Johann Sebastian Bach zur Seite stellte.
Der Künstler beginnt mit dem Präludium aus Bachs Suite E-Dur BWV 1006a, einer Bearbeitung für Laute von Bachs Violinpartita BWV 1006. Mit zarter Hand bewegt sich Roger Tristao ruhig und konzentriert durch den Tonraum, lässt jede einzelne Note deutlich hervortreten.
Einem eher unbekannten Zeitgenossen Bachs entstammt das folgende Stück. Der Italiener Antonio Brescianello war mit Unterbrechungen Kapellmeister am Württembergischen Hof in Stuttgart. Als er zwischendurch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten am Hofe seine Stellung verlor, widmete er sich verstärkt der Komposition und so entstand eine Reihe von 18 Partiten für Laute, von denen Roger Tristao die Nr. 2 in A-Dur vorstellte. Das Werk beginnt mit einem beschwingten Allegro, das in ein elegant-erhabenes Andante mündet. Eine akzentuiert rhythmisierte Gigue beendet dieses Werk.
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Zu den folgenden beiden Gavotten und der Gigue aus Bachs a-Moll-Suite (BWV 995) gewährt der Gitarrist einleitend einen kleinen Einblick in den geistesgeschichtlichen Hintergrund vieler Kompositionen des Komponisten. Die in diesen Stücken stets wiederkehrende Tonfolge f-e-a (in der Transkription für Gitarre) entspricht auf der Laute die Folge es-d-g. Diese drei Töne finden sich oft als Initialen auf vielen Orgeln und stehen für "Soli Dei Gloria" – "Gott allein zur Ehre". "Das Schöne an Bach ist: Auch wenn man das alles nicht weiß, klingt es trotzdem schön", meinte der Gitarrist und führte mit seiner Interpretation gleich den schönsten Beweis für seine These.
Mit drei abwechslungsreichen Pavanen von Luys Milan führte der Musiker das Publikum in die spanische Musik des 16. Jahrhunderts ein, denen sich die Variationen über einen seinerzeit bekannten Gassenhauer mit dem schönen Titel "Guardame las vacas" ("Hüte mir die Kühe") von Milans Zeigenossen Luys de Narvaez anschloss.
Das "Präludium, Fuge, Allegro" BWV 998 beschloss die Reihe der Bachschen Lauten-/Gitarren-Kompositionen, die der Künstler vorstellte. Er weihte das Publikum auch hier ansatzweise in die Geheimnisse der Zahlenmystik ein, die sich in Bachs Kompositionen bei genauer Analyse finden lässt. So ließe sich anhand der Anzahl der Takte und der darin enthaltenen Achtelnoten formal wie inhaltlich ein dreiteiliges Altarbild vorstellen, auf dem von der Geburt bis zur Himmelfahrt der Werdegang Jesu dargestellt ist.
Leichtere und sinnlichere Kost bot der Künstler mit vier bekannten spanischen Lautenstücken von Gaspar Sanz: voller Zartheit und süßer Melancholie "Espanoletas", kraftvoll und energisch "Rujero y Paradetas". Im munteren Galopp stürmte in der "Passacalle de la Cavalleria de Napoles" die neapolitanische Kavallerie heran, der schwungvolle Tanz "Canarios" beschloss den Reigen.
Den anhaltenden Applaus der Zuhörer belohnte der Künstler mit einem Satz von Agostin Barrios und einem kubanischen Wiegenlied.
Autor: Hans Jürgen Kugler
