Wo die Qual Tradition hat

Eyüp Ertan

Von Eyüp Ertan

Mi, 22. August 2018

Triathlon

Beim 28. Breisgau-Triathlon in Malterdingen wird die Rekordzahl von 500 Teilnehmern fürsorglich betreut / Ein Tübinger gewinnt.

TRIATHLON. Knapp 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ebenso viele Helferinnen und Helfer und viele Zuschauer: Der Breisgau-Triathlon in Malterdingen feierte am Wochenende seine 28. Ausgabe. Die Streckenänderung konnte der ausgelassenen Stimmung bei den anfeuernden Zuschauerinnen und Zuschauern keinen Abbruch tun, auch die Athletinnen und Athleten genossen den Wettbewerb sichtlich.

Es herrscht Gedränge am Wasser, die Anspannung unter den Athletinnen und Athleten ist greifbar. Nur noch wenige Augenblicke, bis der Startschuss ertönen wird. Der letzte Check, ob Brille und Badekappe sitzen, ehe der Countdown läuft. Gemeinsam mit den Zuschauern zählt Sprecher Achim Seiter von zehn runter, bevor es für die Triathletinnen und Triathleten kein Halten mehr gibt.

Diejenigen, die sich für die Mitteldistanz angemeldet haben, schwimmen nun über zwei Kilometer durch den Müllersee von Riegel. Anschließend stehen gut 76 Kilometer auf dem Rad an, ehe die Laufstrecke von knapp 21 Kilometer angegangen werden muss. Die Jedermanndistanz ist kürzer, hat es aber auch in sich: 700 Meter Schwimmen, knapp 28 Kilometer Radfahren und am Ende sieben Kilometer Laufen stehen hier auf dem Programm.

Insgesamt fast 500 Sportlerinnen und Sportler aus knapp 20 Nationen – so viele wie noch nie zuvor – haben dieses Jahr teilgenommen. "Ich bin sehr zufrieden mit den Zahlen in diesem Jahr", sagt Martin Reichert. Der Organisationsteamleiter ist seit nunmehr zehn Jahren dabei und meint mit Blick auf das nächste Jahr: "Viel mehr Teilnehmer braucht es gar nicht." Genau so viele Helfer wie Teilnehmer waren mit dabei und haben an ihrem freien Sonntag für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. "Wenn man an die ganzen Leute von der Feuerwehr, der Polizei, vom Rettungsdienst und die sonstigen Helfer denkt, dann kann man schon von einer Einzelbetreuung reden", sagt Reichert mit einem Schmunzeln.

Mittlerweile sind die ersten Schwimmer aus dem Wasser gestiegen und joggen ihren Fahrrädern entgegen. Viele haben den Bewegungsablauf perfektioniert: Um so wenig Zeit wie möglich zu verschwenden, sind die Handgriffe so optimiert, dass es quasi in einem Fluss weitergeht. Auch beim Triathlon gibt es Regeln, das Windschattenfahren auf dem Rad ist beispielsweise verboten, es muss ein gewisser Abstand eingehalten werden. Der belgische Kreisel, eine Formation, bei der man immer im Schatten eines anderen fährt, ist dennoch immer wieder zu sehen. Auch trübt die Tatsache, dass einige Athleten sich nicht daran halten, dass auf der Strecke nicht überall Müll weggeschmissen werden darf, den Nachmittag ein wenig.

Auch Martin Lobstedt, Landestrainer des Baden-Württembergischen Triathlonverbands hat den Weg nach Malterdingen gefunden – "heute aber nur privat", wie er lachend sagt. "Man sieht hier hochmotivierte Athleten, es herrschen optimale Wetterverhältnisse – der Breisgau-Triathlon in Malterdingen ist eine Traditionsveranstaltung hier in der Ecke", sagt der 50-Jährige.

Missgeschicke können einige passieren beim Triathlon: Einer Athletin aus der Schweiz versagt direkt am Anfang das Fahrrad – sie holt sich auf dem Schotterweg einen Platten und muss das Rennen beenden. Ein andere biegt beim Laufen an der falschen Stelle ab und wird disqualifiziert – besonders ärgerlich, wenn man im Rennen um die vorderen Plätze dabei ist. Simon Schlichenmaier, Gewinner des Jedermannrennens, hatte sich extra noch mal vorbereitet: "Ich hab mir gestern mit meinem Team die neue Strecke angeschaut, damit sowas nicht passiert, das wäre ansonsten ärgerlich gewesen", sagt der Backnanger nach dem Rennen.

Wie beim Wechsel vom Wasser auf das Rad merkt man auch beim Wechsel vom Radfahren zum Laufen die Unterschiede zwischen den Hobbysportlern und den ambitionierteren Athletinnen und Athleten. Viele nehmen den Schwung aus den letzten Metern auf dem Rad mit ins Laufen, das Tempo wird auf den letzten Metern auf dem Fahrrad so gedrosselt, dass nach dem Anziehen der Schuhe die Sportlerinnen und Sportler quasi ohne merkliche Veränderung weitermachen können. Jetzt heißt es für die meisten noch einmal Zähne zusammenbeißen – die letzten Meter sind für Viele die anstrengendsten.

Der Sieger der Mitteldistanz, Simon Ostertag aus Tübingen (4:10:10 Stunden), konnte den Wettkampf direkt bei seiner ersten Teilnahme für sich entscheiden. "So beim letzten Wechsel hab ich gemerkt, dass das heute was werden kann", sagt er nach dem Rennen, "die Zeiten waren erstaunlich gut". Kurzfristig, eine Woche vor dem Startschuss hat er sich angemeldet – am Ende konnte er als strahlender Sieger nach Hause gehen. Bei den Frauen gewann die Schweizerin Désirée Germann in 4:40:46 Stunden.

Alle Ergebnisse unter http://mehr.bz/triathlon2018