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11. Januar 2017 15:01 Uhr

Landgericht Freiburg

Mann wegen sexuellen Missbrauchs in 450 Fällen angeklagt

Insgesamt 450 Fälle von sexuellem Missbrauch an einem Mädchen legen die Ermittler einem Maschinisten zur Last. Der 58-Jährige weist die Vorwürfe von sich. Er befindet sich auf freiem Fuß.

  1. Was ist an den Vorwürfen dran? Foto: dpa

Zwischen 2001 und 2010 soll er die heute 22-jährige Frau, Tochter seiner langjährigen Lebensgefährtin in Breisach, laut Anklage nahezu wöchentlich in der gemeinsamen Wohnung sexuell missbraucht haben. Zu Beginn des Prozesses am Dienstag am Landgericht Freiburg bezeichnete der Angeklagte alle Vorwürfe als falsch und verlogen.

Trotz der schweren Vorwürfe ist der Angeklagte auf freiem Fuß. Er ist seit Jahren in einem Betrieb fest angestellt und lebt seit einem Jahr mit einer Frau zusammen. Eine Psychologin als Sachverständige für die Glaubwürdigkeit von Aussagen hat offensichtlich ein Gutachten über die bisherigen Aussagen der Belastungszeugin angefertigt. Sie nimmt am Prozess teil.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sagte die 22-jährige Frau, vertreten von einer Rechtsanwältin, am Dienstag aus. Nach dem Verlesen der Anklageschrift wies der Vorsitzende Richter Arne Wiemann darauf hin, dass eine ehemalige Vorstrafe des Angeklagten, in der er zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden war, seit 2016 aus dem Bundeszentralregister getilgt sei. Seither gelte der Angeklagte als nicht vorbestraft, die Tat und die Verurteilung dürften ihm nicht mehr vorgehalten werden.

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Doch das schien in der Praxis schwer umsetzbar. Aufgrund von Fragen der Richter und des Verteidigers wurde klar, dass es um eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs eines siebenjährigen Mädchens gegangen sein, der Angeklagte damals die Vorwürfe bestritten haben muss und die Richter ihm nicht geglaubt haben. Im Rahmen einer Weihnachtsamnestie war der Angeklagte 1994 aus der Haft entlassen worden.

Ermittlung wegen Zwangsprostitution

Während seines damaligen Prozesses hatte er die Frau kennengelernt, zu der er nach seiner Entlassung 1994 nach Breisach gezogen war. Damals war ihre Tochter erst wenige Monate alt. Die Beziehung hielt 20 Jahre. Dann trennte sich der Angeklagte von ihr und zog nach Frankreich. Am Dienstag vermutete der Angeklagte, dass sich die Ziehtochter, für deren Erziehung er mitverantwortlich gewesen sei, wohl aus Rache über seinen Auszug aus der Familie mit unwahren Vorwürfen gerächt habe.

So habe deren Mutter bis zum Auszug stets seine Kontokarte gehabt und über sein Einkommen verfügen können. Bei seinem Auszug habe er die Karte zurückerhalten und damit hätte die Mutter nicht mehr die Rechnungen ihrer Tochter bezahlen können. Er vermutete auch Eifersucht als Falschbelastungsmotiv, denn er habe nie eine andere Frau als ihre Mutter angucken dürfen.

Bei der Polizei hatte er zudem angegeben, dass der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von der Ziehtochter schon mal erhoben worden sei, als sie sieben Jahre alt gewesen sei. Damals habe es ein Gespräch zwischen Mutter, Tochter und ihm gegeben. Die Siebenjährige hätte damals zugegeben, dass sie sich die Vorwürfe ausgedacht habe. Der Angeklagte meinte auch, dass die Ziehtochter zeitweise als Prostituierte gearbeitet habe.

Im Juni 2015 erfolgte die Anzeige des sexuellen Missbrauchs. Aber nicht direkt von der Tochter selbst. Die war im Rahmen von Ermittlungen gegen Menschenhändler und Zwangsprostitution als Zeugin vernommen worden. Die Polizei hatte damals Telefone abgehört. Während ihrer Vernehmungen sollen sich die Hinweise verdichtet haben, dass sie vom Lebensgefährten ihrer Mutter sexuell missbraucht worden sei. Der Prozess wird fortgesetzt.

Autor: ka