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26. November 2009 22:59 Uhr
Diskussion im Audimax
Uni-Rektor: Gebühren nötig – Reform reformieren
Das erste Zusammentreffen von Uni-Leitung und Studierenden im besetzten und brechend vollen Audimax ist demonstrativ sachlich verlaufen. Rektor Hans-Jochen Schiewer nahm zu den zentralen Themen Studiengebühren, Mitbestimmung, Bachelor und Master Stellung.
"Schiewer kann's ja nimmer gehen", kalauerte ein Transparent an der Rückwand des Audimax. Doch Rektor Hans-Jochen Schiewer und Heiner Schanz, der Prorektor für Lehre, wurden von den Studierenden mit freundlichem Beifall empfangen. Schließlich hatten die Protestierenden erst am Vortag eine Reihe von Forderungen an das Rektorat übergeben – jetzt wollten sie ihre Meinung bekräftigen und Reaktionen hören.
In seinem zehn Minuten dauernden Eingangsstatement betonte Schiewer das "gemeinsame Projekt Universität", an dem Studierende und Lehrende arbeiteten. Die Finanzierung müsse verbessert werden, ebenso die neuen Studiengänge.
Entscheidend sei aber nicht, wie ein Studiengang heiße, "sondern was er enthält". Als ein Student dazwischen ruft: "Und was dabei rauskommt!", wird er von beiden Moderatoren und seinen Sitznachbarn zur Ruhe gerufen.
In der Debatte – drei Statements aus dem Auditorium, eine Antwort von Rektor oder Prorektor - wurde es dann konkret: Studiengebühren, Mitbestimmung und die Gestaltung von Bachelor und Master waren die großen Themen. Bei den Gebühren blieb Schiewer auch auf mehrmalige Nachfrage hart: "Die Uni hat zurzeit keine Möglichkeit, darauf zu verzichten". Den Appellen der Studierenden, beim Land für mehr Mittel zu kämpfen, schloss er sich aber vorsichtig an: "Bei Gesprächen kann es nur darum gehen, was wir zur bestehenden Grundversorgung noch dazu bekommen."
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Boden gut machte der Rektor, als er ankündigte, sich bei der Landesrektorenkonferenz für die Wiedereinführung einer verfassten Studierendenschaft einzusetzen. Als er aber "wegen der anderen Art der Verantwortung" auf der Mehrheitsposition der Professoren in den universitären Gremien besteht, ist die positive Stimmung schnell wieder dahin.
Konkret wurde es noch einmal bei der Frage nach der Ausgestaltung der neuen Bachelor- Und Masterstudiengänge, die zumindest teilweise in der Verantwortung der Universität liegt. "Zusammengeschusterte Studienordnungen", hektisch und ohne Beteiligung der Studierenden verabschiedet, seien eine "große Verantwortungslosigkeit", schimpfte eine Studentin. Studienleistungen würden nicht sinnvoll anerkannt, unsinnige Anwesenheitspflichten in Vorlesungen und Tutoraten erschwerten das eigenständige Studieren. Schiewer versprach eine "Reform der Reform" unter Mitwirkung der Lernenden.
Am Ende gab der Rektor den gestressten Studierenden noch einen Rat mit auf den Weg: Er selbst habe 13 Semester studiert, das sei "wunderbar" gewesen. "Sie zwingt ja auch keiner, in drei Jahren fertig zu sein." So endet die Diskussion so harmonisch, wie sie begonnen hatte – und mit einem großen Lacher, als Moderator Rüland dem Plenum im besetzten Hörsaal "einen guten Nachhauseweg" wünschte.
Nicht ganz so harmonisch ging es im Vorfeld der Diskussion zu. Einige diplomatische Depeschen mussten zwischen Studierenden und Universitätsleitung hin und her geschickt werden, bis alles zur beiderseitigen Zufriedenheit geregelt war. Der Rektor hatte zunächst in den nicht besetzten Hörsaal 2004 eingeladen, was bei den Besetzern des Audimax auf keine große Begeisterung stieß. Nachdem sich die Studierenden auf ein Eingangsstatement des Rektors und eine Diskussionsleitung durch den Politikprofessor Jürgen Rüland eingelassen hatten, war das Rektorat bereit, ins Audimax umzuziehen und Studierendenvertreter Hermann J. Schmeh als Co-Moderator zu akzeptieren.
Autor: Thomas Goebel
