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02. Dezember 2010
Bedarfspläne für die Feuerwehren
MARCH/BÖTZINGEN. Die Feuerwehren sind eine Einrichtung der Gemeinden. Bei ihrer Ausstattung stehen die Kommunen aber nicht alleine, da sie dafür auf Zuschüsse des Landes zurückgreifen können und teilweise, wenn eine Feuerwehr überörtliche Aufgaben wahrnimmt, auch auf Gelder des Kreises. Erstmals werden jetzt flächendeckend Bedarfspläne aufgestellt. Sie brauchen, bevor sie die Kreisbrandmeister auswerten, die Genehmigung der Gemeinderäte, wie jetzt in March oder drei Wochen zuvor in Bötzingen.
Viele kleine Wehren haben das Problem, dass sie tagsüber an Werktagen im Alarmfall keine einsatzfähige Gruppe mehr zusammen bekommen. Denn zu viele Feuerwehrmitglieder arbeiten auswärts und schaffen es nicht, binnen fünf Minuten bei ihrem Feuerwehrgerätehaus zu sein um dann weitere fünf Minuten später – so die vorgegebene Hilfeleistungsfrist – am Einsatzort einzutreffen. Die Feuerwehren haben darauf schon reagiert, indem sie neben der normalen Gruppenstärke von neun Mann auch den Einsatz von nur sechs Mann üben. In March konnte so im Jahr 2009 eine zweite, sechsköpfige Einsatzgruppe wenigstens in 80 Prozent der Alarmfälle binnen 15 Minuten am Einsatzort sein, während nur in 20 Prozent der Fälle diese Gruppe die normale Gruppenstärke von 9 Mann erreichte.Werbung
In March erreicht nur noch die Feuerwehrabteilung von Hugstetten an Werktagen tagsüber mit durchschnittlich zwölf Mann die Antrittsstärke, um eine Einsatzgruppe in der Hilfeleistungsfrist ausrücken zu lassen. Die Abteilungswehren von Buchheim, Holzhausen und Neuershausen kommen nur auf vier oder drei Mann. Das, so erläuterte Gesamtkommandant Dieter Kremp im Gemeinderat, sei mit ein Grund für den für 2012 beschlossenen Bau eines neuen zentralen Feuerwehrhauses. Denn dann könne man aus den insgesamt 95 aktiven Feuerwehrkräften in der geforderten Zeit jederzeit Einsatzgruppen bilden.
In Bötzingen gibt es diese Probleme nicht, da hier viele Feuerwehrleute in örtlichen Betrieben arbeiten. Kommandant Horst Höfflin nannte darum im Gemeinderat eine durchschnittliche Antrittsstärke im Alarmfall von 19 Mann und bei der zweiten Gruppe von 25 Mann. Die Bötzinger Wehr wird darum auch oft mitalarmiert, wenn im benachbarten Gottenheim, dessen Feuerwehr an Werktagen stark ausgedünnt ist, ein Alarm anfällt.
Die Bötzinger Wehr hat wegen der Industrie am Ort eine vom Landkreis wesentlich mitfinanzierte Drehleiter. Mit diesem Fahrzeug unterstützen die Bötzinger auch die Nachbarwehren in Gottenheim, Eichstetten und Umkirch, im Bedarfsfall auch in March und Wasenweiler. Dabei hat der Anteil der Einsätze, bei denen die Drehleiter zur Personenbergung aus Gebäuden ausrücken muss, zugenommen. Das sind oft Personen, die wegen gesundheitlicher Risiken oder weil sie schlicht zu schwer seien nicht durch enge Treppenhäuser getragen werden können.
Die Bötzinger Drehleiter müsste 2016 durch ein Neufahrzeug ersetzt werden, wofür der Kreis aber nur noch einen Zuschuss gewähren wird. Darum, so meinte Kommandant Höfflin auf eine Frage von Bernd Belle (Freie Wähler), müsse man überlegen, ob die Nachbargemeinden an den Kosten beteiligt werden könnten.
Die überörtliche Zusammenarbeit dürfte ohnehin bei der Auswertung der Bedarfspläne der einzelnen Gemeinden an Gewicht gewinnen. So sprach in March Kommandant Kremp von Kooperationen mit den einzelnen Nachbarwehren für Einsätze auf die in andere Gemeinden führenden Durchgangsstraßen. "Es wird zu rechtlich verpflichtenden Vereinbarungen kommen, auch was die Kosten betrifft", meinte Kremp.
Auch beim Material- und Fahrzeugbestand spiegeln die Bedarfspläne einen Wandel im Feuerwehrwesen wieder. So ist die Zeit der schweren Tanklöschfahrzeuge abgelaufen, sie werden in Bötzingen wie in March nicht mehr ersetzt werden. In March soll durch die Zusammenlegung der Ortsteilwehren auch ein Löschfahrzeug LF 8/6 ausgemustert werden. Der mögliche Verkaufserlös soll in die Beschaffung eines vielseitig einsetzbaren Gerätewagens investiert werden.
Gemeinderäte haben es früher oft so erlebt, "dass nach ein paar Jahren die Feuerwehr dasteht und sagt, wir brauchen ein neues Auto", meinte Marchs Kommandant Kremp. Mit dem Bedarfsplan werde nun für alle Beteiligten transparent, was am Ort für ein Einsatzbedarf bestehe, was die eigene Feuerwehr leisten könne, und welche Lücken mit welchen Partnern abgedeckt werden müssen.
Autor: Manfred Frietsch


