Emotionale Bilder, poetische Fotografie

Karin Wortelkamp

Von Karin Wortelkamp

Do, 16. August 2018

March

Ausstellung von Silke Gerfen und Ulli Obrecht in Hugstetten.

MARCH-HUGSTETTEN. Fotografien von Pflanzen und Bilder zum Thema Mensch hängen im "Gleis 1" am Bahnhof in Hugstetten. Am Montagabend fand die Vernissage der Ausstellung von Silke Gerfen und Ulli Obrecht statt. Im vorderen Teil des Restaurants hängen die Bilder von Gerfen aus der Serie "Mensch", im ruhigeren Nebenraum die Fotografien von Obrecht.

Damit passen sie stilistisch in ihre Umgebung. Die Bilder von Silke Gerfen sind größer, plakativer und lauter als die ihrer Kollegin Obrecht. Die erstere, in Freiburg lebende Künstlerin, malt mit Acryl auf Leinwand. Die Themen sind emotional, aber deren Darstellung bleibt distanziert. Die Bilder sind kubistisch verfremdet, kühl auch in der Farbgebung, Grau-, Braun- und Blautöne überwiegen. Die Körper sind fragmentierte Versatzstücke, gefangen in geometrischen Formen und Linien. "Doch mir geben diese Linien Halt, ähnlich wie ein Geländer", sagt die Künstlerin über sich selbst. Manchmal gibt es ein verletzliches Gesicht oder eine Rundung, etwa bei der "Opulencia". Aber die weiblichen Körper wirken wie Objekte, ihre Sinnlichkeit hat etwas Prostituierendes.

Große Augen schauen die Betrachter an, aber viele Gesichter sind augenlos oder tragen Masken. Die Menschen wirken einsam in einer kalten, künstlichen Welt, sind scheinbar selbst kalt geworden. Silke Gerfen ist im Glottertal aufgewachsen. Ein Katalog lag aus, in dem Werke mit dem Titel "Projekt Schwarzwald" zu sehen waren. Hier dominiert die Farbe Rot, fokussiert auf den Bollenhut, das Sinnbild des Schwarzwaldes. Auch in den Schwarzwaldbildern herrscht die Fragmentierung, die den Schwarzwald und seine Bewohner als sinnentleertes Klischee entlarvt.

Einen ganz anderen Eindruck hinterlassen die Fotografien von Ulli Obrecht, die zunächst wie zarte Aquarelle wirken. Erst bei genauerem Hinschauen wird erkennbar, dass es sich nicht um solche handelt. Das Fotografieren ist eine von vielen Techniken, mit denen Obrecht arbeitet, wie ein Blick auf ihre Homepage verrät. Nach vielem Experimentieren erwecken ihre Fotos von Blumen und Pflanzen einen irrealen, verwunschenen Eindruck. Durch die Unschärfe ist manches nur schemenhaft erkennbar. "Poetische Naturfotografie" nennt Obrecht das. Die kleinformatigen Bilder verdeutlichen die zauberhafte, eigene Welt der lebendigen Pflanzen. Die Strukturen der Zweige oder die Schatten, die die Pflanzen werfen, erinnern zuweilen an östliche Kalligraphie. Bei den Blumen zeigt die in Au lebende Künstlerin ein Faible für die Farbe Rot: Mohn, Tulpen, Gladiolen führen wie alle Pflanzen auf ihren Bilder ein Eigenleben, sie stellen starke Persönlichkeiten mit einem individuellen Charakter dar.

Die Ausstellung im "Gleis 1" in March-Hugstetten ist bis zum 1. Oktober 2018 zu sehen.