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30. März 2010
Hunde hetzen Schafherde in den Tod
Herde flüchtet nachts aus Panik vor wildernden Hunden aus ihrem Pferch und gerät bei March vor Güterlok / Hunde werden getötet.
MARCH/UMKIRCH. Mindestens 67 Schafe sind gestern am frühen Morgen auf der Bahnstrecke zwischen Gottenheim und Hugstetten bei der Kollision mit einer Güterlok getötet worden. Die Tiere waren auf der Flucht vor zwei wildernden Hunden aus ihrem Pferch ausgebrochen und kurz vor halb fünf Uhr auf das Bahngleis geraten. Die beiden Hunde aus Umkirch sollten laut Polizei eingeschläfert werden.
Es war ein entsetzlicher Anblick, der sich den Einsatzkräften der Polizei, der Deutschen Bahn sowie den 13 Mann der um 5.16 Uhr alarmierten Hugstetter Feuerwehr und zwei Tierärzten am Einsatzort bot. Auf und neben dem Gleis lagen zerfetzte Tierkörper, große Schafe und noch winzige Lämmer. Dazwischen irrten verletzte und verstörte Tiere umher oder saßen unter Schock auf und neben dem Gleis. Unter den getöteten Tieren waren auch hochträchtige Muttertiere, so dass selbst Körper ungeborener Lämmer gefunden wurden. Um die Mittagszeit meldete die Polizei zunächst 23 getötete Schafe und 22 Lämmer. Doch da noch verletzte Tiere verendeten, erhöhte sich die Zahl auf 67 getöteten Tiere, über die Hälfte der Herde.Werbung
Noch während Feuerwehr und Mitarbeiter des von Bürgermeister Josef Hügele angeforderten Marcher Bauhofs in über zweistündiger Arbeit daran ging, die Tierkörper einzusammeln, nahmen Beamte der Bahnpolizei und des Polizeireviers Breisach bereits eine heiße Spur auf: An der Unfallstelle waren auch zwei Hunde gesichtet worden. Sie hatten, wie sich herausstellte, die am Marcher Steinbuckweiher eingepferchte Schafherde angegriffen. So wurde auch ein totgebissenes Schaf gefunden. Die Schafherde hatte demnach in Panik die Absperrungen durchbrochen und war nach Nordwesten en, in Richtung auf ein Waldstück und das Bahngleis geflüchtet. Dort kam um 4.29 Uhr eine Güterlok der SWEG aus Endingen angefahren, auf ihrem Weg zum Freiburger Güterbahnhof. Der Lokführer leitete noch eine Schnellbremsung ein, konnte aber den Aufprall auf die ihm entgegenlaufende Herde nicht verhindern. Die Lok konnte zwar weiterfahren, aber die Bahnstrecke musste darauf für die Bergungsarbeiten gesperrt werden. Die ersten sechs Züge der Breisgau S-Bahn zwischen Gottenheim und Freiburg konnten nicht fahren. Dafür wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Erst kurz vor sieben Uhr fuhr wieder die erste S-Bahn von Gottenheim nach Freiburg.
Die beiden Hunde konnten zunächst nicht eingefangen werden, waren aber schnell identifiziert: Ein Husky und ein spanischer Mischlingshund, die schon im Januar ertappt worden waren, als sie zwei von drei Schafen auf einem Grundstück in March gerissen hatten. Danach ergingen strenge Auflagen an die Umkircher Hundehalter. Doch offenbar konnten die Besitzer ihnen nicht gerecht werden, so dass die als sehr scheu und zugleich gefährlich eingeschätzten Tiere sich in der Nacht wieder selbstständig gemacht hatten und so auf die Schafherde stießen. Im Laufe des Tages wurden mehrere nicht durch die Lok, sondern durch die Hunde verletzte Schafe entdeckt. Die Hunde sollen nach Mitteilung der Bundespolizeiinspektion eingeschläfert werden.
Auf die Umkircher Besitzer kommen nun neben den polizeilichen Ermittlungen hohe Schadenersatzforderungen von an die 10 000 Euro zu. So ist über die halbe Herde des Wanderschäfers, der zur Zeit in Neuershausen Quartier bezogen hat, ausgelöscht worden. Der Mann sei in Tränen ausgebrochen, als er die auf einen Lastwagen des Marcher Bauhofs geladenen Tierkörper am frühen Morgen gesehen habe, schilderte Bürgermeister Hügele. Die Tiere und ihre Überreste wurden mit einem Fahrzeug des Schlachthofs Freiburg zur Tierkörperbeseitigungsanlage Orsingen im Hegau gebracht.
Autor: Manfred Frietsch
