Kleine Vögel, die zu großen Delikatessen werden

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mi, 18. Oktober 2017

March

Marcher Kleintierzüchter zeigen Besuchern ihr Federvieh.

MARCH. Alljährlich verwandelt sich die Außenanlage vor dem Clubheim des SC-Holzhausen in ein tierisches Ausstellungsgelände. Die Mitglieder des Kleintierzuchtvereins C 81 March und Holzhausen zeigen ihre schönsten Zuchtexemplare. Während die Kaninchensparte des Vereines derzeit wegen Züchtermangels ruht, freut man sich über Neuzugänge unter den Vögeln: Erstmals gab es Japanische Legewachteln zu bewundern. Die putzigen Winzlinge hatte Vereinsneuzugang Dimitrij Masson mitgebracht.

Unter dem Vordach des Clubheimes flattert’ s. Mit den vielen farbigen Vögeln – insbesondere den prächtigen Tauben – mithalten möchten offenbar etliche Kinder, die sich mit Hilfe bunter Schminke in Paradiesvögel verwandeln lassen. Zunächst eher unscheinbar kommen die Japanischen Legewachteln daher. Das liegt zum einen an ihrer Größe oder viel mehr Kleinheit, zum anderen an ihrem Gefieder. Was der Laie vielleicht am ehesten mit Graubraun umschreiben würde, nennt der Fachmann wildfarbig. Wildfarbig ist einer von drei anerkannten Farbschlägen, weiß, silber-wildfarbig und creme-wildfarbig stehen noch vor der Anerkennung.

Neuzugang im Verein mit 42 Zwergwachteln

Voller Anerkennung indes ist Berthold Möschle, Vorsitzender des C 81, für Neuzugang Dimitrij Masson. Der 41-jährige Buchheimer ist erst 2016 unter die Züchter gegangen und in den Verein eingetreten. Heuer konnten seine Wachteln bereits mit 95 Punkten, der Note "sehr gut", punkten.

"95 Punkte ist schon gut, aber an den 97 bin ich dran", sagt Masson. Diese Punktzahl entspreche dann der Bestnote "vorzüglich". Vorzüglich schmecken dem gebürtigen Kirgisen die Wachteleier. Der ovalen Delikatesse war es zunächst auch geschuldet, dass Masson mit dem Gedanken der Eigenproduktion zu liebäugeln begann. 2015 hatte er sich erstmals auf der Kleintierausstellung des Vereins umgesehen, schnell Kontakt und gute Beratung gefunden, schließlich Wachteln angeschafft und den Mitgliedsantrag ausgefüllt. Inzwischen besitzt Masson 42 Zwergwachteln, die er in einer Voliere in Freiburg-Opfingen hält. Zudem ist er jüngstes aktives Mitglied des Marcher Kleintierzuchtvereins. Sehr zur Freude von dessen Vorsitzendem, denn derzeit stehen rund 130 passiven Mitgliedern gerade einmal elf Aktive gegenüber. Und diese sind, von den Jungzüchtern, einmal abgesehen, alle weit älter als Masson.

Ganz zum Erliegen gekommen sei im Verein die Kaninchenzucht, bedauert Möschle, der sich eine wieder erstarkende Begeisterung für das tierische Hobby wünscht. In Grenzen halte sich derzeit noch die Begeisterung seiner Frau, gesteht Dimitrij Masson schmunzelnd. "Sie sagt zum Thema nicht viel, aber die Eier weiß sie zu schätzen", sagt er lachend. Die Legewachteln sind – wie der Name nahelegt – emsige Eierproduzenten. Bis zu sieben Jahre alt kann so ein Winzling werden. Bei Dimitrij Masson gibt es jedoch keine Wachtelgreise: Lässt die Legeleistung nach, wird der Vogel verspeist, denn auch das Fleisch ist bekanntermaßen eine Delikatesse. "Besonders, wenn man die Vögel räuchert", weiß der Gourmet in Masson – das Räuchern übernimmt er selbstverständlich selbst.

Wachteln, zumindest drei ihrer Farbschläge, wurden übrigens erst im vergangenen Jahr vom Bundes-Zucht- und Anerkennungsausschuss (BZA) anerkannt, das heißt: Ihre Rassemerkmale wurden katalogisiert, so dass die Tierchen offiziell an Ausstellungen teilnehmen und bewertet werden können.

Zum Besttier oder gar zur Vereinsmeisterschaft hat es für Dimitrij Masson noch nicht gelangt. Hier punkteten drei Tauben (Giertaube gemöncht von Berthold Möschle, Deutsche Schautaube von Manfred Bergelt und Schirastümmler von Horst Dolle) mit jeweils 96 Punkten sowie ein Huhn (Zwerg-Wyandotte von Jaques Meyer vom Partnerverein im Elsass) mit 95 Punkten. Den Titel Vereinsmeister ergatterten Manfred Bergelts Tauben mit insgesamt 377 Punkten.

Wer Dimitrij Masson kennengelernt hat, ahnt jedoch, dass sich Tauben und Hühner im kommenden Jahr warm anziehen müssen.