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24. Juli 2010
Marcher Neufeldpläne vor dem Aus?
Bund und Regierungspräsidium wollen Autobahnraststätte gegen Gewerbegebiet durchsetzen / Andreae bei Neufeld-Initiative.
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Sehr angeregt verlief die Diskussion von Gegnern, aber auch Befürwortern eines Marcher Gewerbegebiets Neufeld in Holzhausen. Einhellig abgelehnt wird eine Autobahnraststätte, von deren aktuellem Planungsstand die Grünen Abgeordneten Kerstin Andreae (hinten Mitte) und Edith Sitzmann (rechts) berichteten. Foto: mario schöneberg
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MARCH-HOLZHAUSEN. "Hochdorf kann sich freuen, der Standort für die geplante Rastanlage existiert nicht mehr – der Bund hat sich für die March entschieden", fasste die grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage ihrer Fraktion in Bezug auf die geplante Autobahnraststätte auf Höhe Holzhausen in einem Treffen mit der Bürgerinitiative gegen das Gewerbegebiet Neufeld zusammen.
Mehr als 40 Mitglieder der Bürgerinitiative, der Grünen und interessierte Bürger waren am Mittwochabend auf die Terrasse des Holzhauser Sportheims gekommen, um mit Kerstin Andreae und der grünen Landtagsabgeordneten Edith Sitzmann die Situation zu erörtern. Wobei besonders das Thema Gewerbegebiet sehr kontrovers und teilweise auch lautstark diskutiert wurde. Der Rasthof würde etwa die Hälfte des von March geplanten Gewerbegebiets Neufeld kosten.Vor einigen Wochen habe man bei einer Ortsbegehung mit einem Biologen erst den ökologischen Wert des Gebietes wirklich kennen gelernt, betonte die Landtagsabgeordnete Sitzmann. Sie sei auf ein Gutachten der Stadt Freiburg gestoßen, das diese 2004 für ihren neuen Flächennutzungsplan erarbeitet hatte. Darin werde eine Bebauung der Benzhauser Mühlmatte, der ursprünglich vorgesehenen Erweiterungsfläche für die dort bestehende Rastanlage "Schauinsland", abgelehnt. Die Kulturlandschaft zwischen Hochdorf und Holzhausen sei aus Sicht der Stadt Freiburg ein zusammenhängendes Ökosystem und könne naturschutzfachlich nicht nach Gemarkungsflächen getrennt betrachtet werden. Das Gebiet habe laut Freiburger Gutachten eine hohe Bedeutung für die Vögel, Fledermäuse, Libellen und Amphibien sowie für verschiedene Bodenfunktionen. In der relativ naturnahen Kulturlandschaft lebten unter anderem der Kiebitz, die Feldlerche und die Kreuzkröte, die alle empfindlich auf Störungen ihres Lebensraums reagierten. Sitzmann hielt das geplante Marcher Gewerbegebiet mit rund zehn Hektar für zu groß, ökologisch und aus Sicht des Regionalplans nicht vertretbar und für unnötigen Flächenverbrauch.
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Hubert Heidiri, Vorsitzender der Bürgerinitiative, verwies darauf, dass durch die geplante Rasthofzufahrt auch ein Teil des bestehenden Lärmschutzwalls Richtung Autobahn wegfallen würde. Letztlich seien der Ausbau der Autobahn, der Bau des dritten und vierten Gleises, der Rasthof oder das Gewerbegebiet zu viel Belastung für die Bürger von Holzhausen.
Die Standortermittlung für eine neue oder erweiterte Rastanlage "Schauinsland" sei abgeschlossen, zitierte Kerstin Andreae aus der Antwort auf ihre Anfrage an die Bundesregierung, die sie aber als eher dürftig bezeichnete. Das Ergebnis sei der neue Standort Betriebskilometer 748 auf Höhe Holzhausen. Der von Freiburg abgelehnte Ausbau der bestehenden Rastanlage Schauinsland bei Hochdorf, wo der Bund bisher auch Erweiterungsflächen eingeplant hat, ist demnach vom Tisch. Aktuell würde hierfür von der Straßenbauverwaltung im Regierungspräsidium das Standortkonzept erstellt, auf einen Zeitpunkt für den Planfeststellungsbeschluss wolle man sich aber noch nicht festlegen. Zudem werde geprüft, ob nach dem Bundesfernstraßengesetz die bereits genehmigte Flächennutzungsplanung für das Marcher Gewerbegebiet durch Bundesrecht geschlagen werden könne. Im Zuge der Planungen wolle der Bund dann einen eigenen landschaftspflegerischen Begleitplan erstellen, ohne Berücksichtigung des Freiburger Gutachtens.
Sie selbst, so Andreae, könne diesen Rastplatzstandort nicht unterstützen, die Probleme durch fehlende Stellplätze blieben aber, hier müsse man was tun. Sie verwies auf das Angebot des Autohofes in Herbolzheim, weitere Stellplätze anzubieten und hoffte, dass sich hier trotz Rahmenvertrag mit der Firma "Tank und Rast" etwas bewegen könne, schließlich habe Verkehrsminister Ramsauer "pragmatische Lösungen" zugesagt. Hierfür bräuchte man aber auch viel mehr Unterstützung aus der Region.
Auf die Frage, ob die Plätze in Herbolzheim denn ausreichten, erklärte die Abgeordnete, dass allein in Deutschland bis 2015 rund 30 000 LKW-Stellplätze fehlen würden. Der bis 2015 absehbare Bedarf sei schon weitaus größer als die bis 2025 vorgesehenen Lösungen. Daher könne es nur heißen, runter von der Straße auf die Schiene. Doch genieße die Rheintalbahn nicht die Priorität, die sie brauche.
Hier meldeten sich Mitglieder der Bürgerinitiative "IGEL" und forderten mehr Lärmschutz beim Bahnausbau. Die von Edith Sitzmann in die Diskussion gebrachten lärmabhängigen Trassenpreise gefielen nicht, das dauere zu lange. Holzhausen brauche einen wirksamen Lärmschutz ab der Stunde null, so Rolf Lorenz. Buchheims Ortsvorsteher Thomas Gers-pach wiederum betonte, dass die Gewerbegebietsplanungen schon genehmigt seien. Hier wisse wohl bei der Genehmigungsbehörde eine Abteilung nicht, was die andere mache, mutmaßte Sitzmann.
Die Planung des Gewerbegebiet habe doch gerade die Tür für die Rastanlage aufgemacht, kritisierte Hugstettens Ortsvorsteher Adalbert Faller die Gemeindepolitik. Da es sich aber hauptsächlich um gemeindeeigene Flächen handle, gehe es der Verwaltung wohl eher ums Geld. Gerspach verteidigte die Gemeindepolitik und betonte dass wegen mangelnder Gewerbeflächen schon Firmen aus der March weggezogen seien. Als Gerspach hinzufügte, beim Neufeld handle es sich um 83 Prozent intensiv bewirtschafteten Maisacker, erntete er laute Empörung.
Edith Sitzmann versuchte zu schlichten. Man erreiche doch nur was, rief sie den Neufeld-Gegnern zu, wenn man sachlich und fair diskutiere und dann gemeinsam an einem Strang ziehe.
Autor: Mario Schöneberg


