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11. März 2010
Mehr als nur ein Jugendtreff
Das neu geführte Jugendzentrum will mehr Breitenwirkung.
MARCH. Die Jugendarbeit in March soll ein neues Konzept bekommen. Zwei neue Gesichter hat sie schon: Thomas Bayer und Swetlana Tittes leiten seit einem halben Jahr das Jugendzentrum in Buchheim. Sie wollen das Haus für neue Gruppen öffnen. "Meine Vision ist eine Kinder- und Jugendbegegnungsstätte", sagt Bayer.
Träger der Jugendzentrums ist nach wie vor der Verein Jugendarbeit March. Die Personalkosten werden aber von der Gemeinde als Zuschuss bezahlt. Der Stellenumfang wurde von 270 auf 200 Prozent zurückgefahren. "In gegenseitigem Einvernehmen", wie Martina Schweizer betont. Die Hugstetter Ortschaftsrätin kümmert sich im Jugendzentrum um die Verwaltung und ist Vorsitzende eines Fördervereins, der die Einrichtung mit Sachspenden und anderweitig unterstützt.Die Kinder- und Jugendarbeit in March soll von Grund auf neu aufgebaut werden. Dabei wird der Trägerverein vom Landratsamt und einem externen Berater unterstützt. Der Diplompädagoge Burkhard Fehrlen aus Tübingen werde die konzeptionelle Entwicklung ein Jahr lang begleiten, erklärt die Vorsitzende Carola Kirsch.
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Zunächst muss der Bedarf erfasst werden. Dafür hört sich Fehrlen im Rathaus, unter Gemeinderäten und bei Bürgern um. Unterdessen haben Thomas Bayer und seine Kollegin eine Umfrage unter den Elf- bis 18-Jährigen gemacht. Knapp 200 Fragebögen sind laut Bayer zurückgekommen. Unter allen Teilnehmern wurde ein iPod verlost. Der Gewinner Dennis Preininger nahm den Preis kürzlich im Jugendzentrum entgegen. Der 14-Jährige war früher häufiger hier, doch dann sei er immer von anderen Jugendlichen geärgert worden, erzählt er. Der Hugstetter wünscht sich deshalb strengere Regeln für das Jugendzentrum. "Dass man mehr eingreift", meint Preininger.
Damit liegt er ganz auf der Linie von Thomas Bayer und Swetlana Tittes. Sie hätten als Erstes mal die Hausordnung ausgehängt, erzählt die Sozialarbeiterin und gibt zu: "Es war schwierig, die Regeln durchzusetzen." Doch sie wollen das Haus für andere, vor allem jüngere Jugendliche öffnen. Irgendwann sollen hier sogar Mutter-Kind-Gruppen und Senioren ein- und ausgehen. "Da gibt es Millionen Ideen", sagt Bayer. Dafür aber müssen die Räume gemütlich und sauber sein, "so dass sich die Jugendlichen hier wohl fühlen", sagt Tittes.
Der Gemeinderat hat erstmals einen Sachkostenzuschuss bewilligt; von den Kirchengemeinden wird der Trägerverein schon seit Jahren finanziell unterstützt. Weil das Geld trotzdem nicht reicht, sammelt der Förderverein Spenden. Davon konnte ein Tischkicker gekauft werden, der Billardtisch wird repariert. Die Mädchengruppe hat ihr Zimmer neu gestrichen. Räumlich seien sie sehr gut ausgestattet, weiß Bayer. Es gibt sogar einen Diskoraum mit Musik- und Lichtanlage, wo Hiphop-Kurse stattfinden.
Den Computerraum hat das neue Team allerdings vorerst geschlossen. Auch das so genannte Wohnzimmer, wo früher oft Jugendliche vor dem Fernseher saßen und Bier tranken, gibt es nicht mehr. Haupttreffpunkt ist jetzt das Foyer. "Wir wollen die Jugendlichen einfach im Blick haben", erklärt Tittes. Bier wird nicht mehr verkauft, rauchfrei ist das Jugendzentrum schon länger. Vor dem Neuanfang wurde es hauptsächlich von "alten Herren" (Bayer) zwischen 16 und 22 Jahren besucht. Jetzt sollen alle Altersgruppen von allen Schularten angesprochen werden. Angedacht ist auch ein Bereich für Kinder ab sechs Jahren.
Wie das Konzept letztlich aussehen wird, hängt auch vom Ergebnis der Umfrage ab. Die Fragebögen werden derzeit ausgewertet. Wenn alles fertig ist, soll es einen Tag der offenen Tür geben. Auf Bayer und Tittes lastet ein hoher Erwartungsdruck, aus dem Rathaus, aber auch von der Werkrealschule und den Bürgern.
Ein Problem ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen. Das aber könnten sie alleine nicht lösen, "das wäre ein Trugschluss", sagt Bayer und schiebt nach: "Wir sind nicht die Jugendpolizei." Zu ihren Aufgaben gehöre zwar die aufsuchende Jugendarbeit – vor dem Winter waren sie jeden Freitagabend an den Treffpunkten der Jugendlichen in Holzhausen und anderswo – aber sie seien keine Streetworker, betont Bayer. Wer auf betrunkene oder randalierende Jugendliche stößt, sollte die Polizei rufen, empfiehlt der Jugend- und Heimerzieher, der 20 Jahre Berufserfahrung vorweisen kann.
Viele Jugendliche, weiß Bayer, hätten nichts zu tun, weder eine Arbeit noch berufsvorbereitende Kurse. Sie fühlten sich nicht Wert geschätzt. Ihre Eltern seien überfordert. Um dieses Problem zu lösen, müssten alle in der Gemeinde zusammenarbeiten. Das Jugendzentrum könne und solle "kein Auffangbecken für gestrandete Jugendliche" sein, betont Bayer. Stattdessen sollen hier viele freizeitpädagogische Angebote stattfinden, auch Musik- oder Theaterprojekte. Es gibt schon einen offenen Treff, Sportangebote, Bewerbungstraining, Beratung für Eltern und ein Soziales-Kompetenzen-Training für Fünftklässler. Bayer will mit den Vereinen Hand in Hand arbeiten und auch mit Jugendzentren in den Nachbargemeinden. "Wir haben alle eine gemeinsame Verantwortung", sagt der 46-Jährige.
Autor: Barbara Schmidt
