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29. Juni 2011

Ressourcen für Störche sind ausgeschöpft

Im Breisgau sind zurzeit 66 Nester besetzt mit insgesamt 133 Jungvögeln / Trockenheit und Maisanbau schmälern das Futterangebot / Zufüttern nur in Ausnahmen.

  1. Die fünfköpfige Jungschar auf dem Hugstetter Kirchturm wartet auf’s flügge Werden. In Holzhausen hält Storchenpapa „Karli“ Wacht. Foto: sos weißstorch

  2. Die fünfköpfige Jungschar auf dem Hugstetter Kirchturm wartet auf’s flügge Werden. In Holzhausen hält Storchenpapa „Karli“ Wacht. Foto: sos weißstorch

  3. Foto: privat

BREISGAU. Viele Gefahren lauern auf einen jungen Storch, bevor er im Alter von zwei bis drei Jahren in seine Heimat zurückkehren und selber für Nachwuchs sorgen kann. In der Region wurden in den zurückliegenden Wochen die Jungstörche des aktuellen Jahrgangs beringt. Gustav Bickel vom Verein SOS Weißstorch spricht trotz Verlusten von einem guten Jahrgang.

Rund 133 frisch geschlüpfte Jungstörche gibt es derzeit im Raum Freiburg sowie rund um Emmendingen, um die sich der 1995 gegründete Verein SOS Weißstorch Breisgau kümmert. 129 von ihnen wurden vom Vereinsvorsitzenden Gustav Bickel und den ehrenamtlichen Störchenbetreuern vor Ort beringt. An die restlichen kämen die Helfer nicht ran, weil es zu gefährlich wäre, sich den Nestern zu nähern, erläutert Bickel. Verständlich, suchen sich die Vögel doch immer den möglichst höchsten Punkt um ein Nest zu bauen. Und dies sind oftmals Kirchtürme, Dächer hoher Häuser und allein stehende große Bäume. Immer mehr Störche nisten mittlerweile auch auf Strommasten, allein neun solcher Nester gibt es hiervon derzeit im Breisgau, insgesamt sind 66 Nester in der Region belegt. Bei 133 Jungtieren ergibt das eine Quote von etwa zwei Jungen pro Nest.

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Dabei gibt es aber auch Ausnahmen. So sitzen derzeit gleich fünf Jungtiere auf dem Hugstetter Kirchturm, während im Raum Emmendingen ein Nest den Sturm vom vergangenen Mittwoch nicht überstand und auch andernorts Storchenpaare kein Glück bei der Aufzucht des Nachwuchses hatte. In Neuershausen fiel am Pfingstmontag ein Storchennest von einer großen Pappel. Hier war ein tragender Ast unter der Last des Nestes abgebrochen. Die zwei Jungstörche wurden dabei erheblich verletzt. Während einer von beiden vom herbeigerufenen Tierarzt nicht mehr gerettet werden konnte, befindet sich das andere Jungtier in der Obhut der Vogel-Aufzuchtstation in Reute und ist laut Bickel, der im März 2010 den Vorsitz des SOS Weißstorch vom legendären Storchenvater Hagen Späth übernommen hat, auf dem Weg der Besserung.

Das warme Wetter sei in diesem Frühjahr gut für die Entwicklung der Jungstörche gewesen, erläutert Bickel. Helmut Kanzinger, Gründungsmitglied von SOS Weißstorch und Storchenbetreuer in Bötzingen, gibt aber auch zu bedenken, dass es die Alttiere durch die Trockenheit schwerer hatten, Futter zu finden. Generell fehlten in der Region Wiesen, Feuchtgebiete und Biotope, in den die Störche nach Mäusen und Würmern jagen könnten. Ein Jungstorch brauche am Tag etwa zehn Mäuse, um zu überleben. Daher werde an einigen Stellen hinzugefüttert, erläutert Gustav Bickel, auch wenn er sich mit Helmut Kanzinger einig ist, dass es eigentlich besser wäre, der Natur die Auslese zu überlassen. In Bötzingen habe man vor zwei Jahren mit dem Zufüttern aufgehört, erläutert der Feuerwehr-Ehrenkommandant.

Nur jeder zehnte Jungstorch wird später selbst zum Elterntier

Futter gibt es zum Beispiel aber noch in Umkirch und Hugstetten. Und die Störche, nicht dumm, kämen auch von außerhalb zu diesen Futterplätzen, berichtet Kanzinger. So flögen die Gottenheimer Altstörche gerne mal nach Umkirch, um sich aus dem Futtereimer zu bedienen. In Hugstetten seien auch schon Buchheimer Störche gesichtet worden, ergänzt Hans Müller, der sich mit weiteren Helfern um die Marcher Störche kümmert.

Zehn neue Nester habe der SOS Weißstorch in der Region aufgestellt, berichtet der in Freiburg- Opfingen wohnende Gustav Bickel. Besonders die Jungstörche, die im Gegensatz zu den Alttieren gen Süden flögen und nach zwei bis drei Jahren in ihre Heimat zurückkehrten, nähmen dieses Angebot gerne auf. Auch wenn nur acht bis zehn Prozent der Ende August aufbrechenden Jungtiere diese strapaziöse Reise überhaupt überstehen würden, sei man nun wahrscheinlich am Limit angekommen. Das Futterangebot in der Region würde nicht ausreichen, um noch mehr Storchenpaare samt Nachwuchs zu ernähren, meint Bickel. Und die Zufütterung solle nur noch in Notfällen erfolgen.

Eine weitere Gefahr für die Tiere sieht Helmut Kanzinger in den Mais-Monokulturen in der Gegend und dem damit verbundenen Pflanzenschutz. Zum einen fielen so Jagdgebiete weg, weil Störche nur dort nach Futter suchten, wo die Pflanzen nicht höher als ihre Beine wüchsen. Zum anderen vergifteten sich durch den umweltschädlichen Pflanzenschutz auf den Maisfeldern auch viele Tiere.

Neu seit dem Führungswechsel beim SOS-Weißstorch sei, dass man die Gemeinden zur Storchenbetreuung mit ins Boot geholt habe, erläutert Kanzinger. Sie seien vor zwei Jahren vom Verein angeschrieben worden und fast überall kümmerten sich seitdem der Bauhof, die Feuerwehr oder private Storchenbetreuer um die Nester am Ort.

In Bötzingen selber betreut die Feuerwehr das 24 Meter hohe Nest auf dem Katholischen Kirchturm schon seit vielen Jahren. Von fünf gelegten Eiern hat ein geschlüpftes Junges überlebt, sagt Kanzinger, die Entwicklung könne per Webcam über die Gemeindehomepage beobachtet werden. Kameras gibt es auch auf vielen anderen Nestern, unter anderem in Merdingen auf der Zehntscheuer, wo zwei Jungtiere beringt werden konnten. In Eichstetten seien es drei Jungtiere gewesen, berichtet Bickel, ebenso in Gottenheim auf dem 28 Meter hohen Kirchturm und in Umkirch. In der March gebe es ein Junges in Buchheim auf dem Rathaus, drei in Holzhausen und noch eines in Neuershausen auf einem Tabakschopf.

Insgesamt seien von den 14 ausgebrüteten Jungen in der March noch neun am Leben, informiert Hans Müller. Die Entwicklung der fünf Jungen im Hugstetter Nest könne in der Grundschule auf einem Monitor beobachtet werden, die Kamera in Holzhausen sei hingegen defekt. Hier sei man ebenso wie für die Nestpflege und die gelegentlich notwendige Zufütterung auf Spendengelder angewiesen.

Informationen und Spendenkonten finden sich auf der Homepage des Vereins. http://sos-weissstorch-breisgau.de

Autor: Mario Schöneberg