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26. Januar 2010 17:52 Uhr

March

Solarkraftwerk auf Industriebrache

Einst wurde hier Asbest zu Platten und Rohren verarbeitet, dann war es jahrzehntelang eine verseuchte Industriebrache. Jetzt soll das Gelände des früheren Eternitwerks bei Neuershausen für einen Solarpark genutzt werden.

  1. Abgeräumt: das ehemalige Fabrikgelände der Eternit AG in der March. Hier haben drei Hektar Solarmodule Platz. Foto: Mario Schöneberg

  2. Bauschutt, Aushub und Asbestrückstände: das Eternitgelände beim Abbruch der Gebäude Anfang 2007 Foto: Manfred Frietsch

  3. Stand jahrzehntelang leer: Das alte Eternitwerk bei Neuershausen im Herbst 2006 Foto: Manfred Frietsch

Für die Gewerbebrache bei Neuershausen sollen sonnige Zeiten anbrechen. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Eternit AG soll ein fast drei Hektar großer Solar Park March entstehen. Photovoltaikzellen sollen dort Strom erzeugen, der dem Verbrauch mehrerer Hundert Haushalte entspricht. Der Marcher Gemeinderat gab jetzt für die Überlegungen des Energiekonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) grünes Licht.

Es soll alles ganz schnell gehen: Bis Mai sollen der Flächennutzungsplan angepasst, der Bebauungsplan erstellt, das Baugesuch genehmigt werden, damit im Juni gebaut und spätestens am 30. Juni, die Anlage in Betrieb genommen werden kann. Denn tags darauf, am 1. Juli, werden die Einspeisevergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz so weit heruntergefahren, dass es dann für neue Anlagen unrentabel wird. "Wenn Sie sich dafür aussprechen, müssen wir als Gemeinde in den kommenden Verfahren auch bei der Stange bleiben, sonst ist dieser Zeitplan nicht zu halten" appellierte denn auch Wirtschaftsförderer Bernhard Götzmann an die Gemeinderäte. Diese votierten einstimmig für die kleinste der vorgestellten Varianten für einen Solarpark. Nur ein Teil des ehemals bebauten Fabrikgeländes soll mit Reihen aufgeständerter Solarmodulen bestückt werden, insgesamt knapp drei Hektar. Daraus könnten knapp 1000 Megawattstunden Strom jährlich aus Sonnenenergie gewonnen werden.

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Die EnBW als Investor und Betreiber sowie die belgische Etex-Gruppe – zu ihr gehört heute die Eternit AG – hatten zunächst für das gesamte, der Eternit gehörende Gelände und angrenzende Landwirtschaftsflächen einen Solarpark von sieben Hektar Ausdehnung ins Auge gefasst, der über 2200 Megawatt Strom für rund 1000 Haushalte liefern könnte. Doch die westlich des Mühlbachs gelegenen Feldflächen sollte man aussparen, da landwirtschaftliche Nutzflächen immer knapper werden, meinten mehrere Gemeinderäte. Nur eine zum Eternitareal zählende Feuchtwiese, die an das benachbarte ehemalige Werk der Firma Schwenk angrenzt und derzeit mit einer Pferdekoppel genutzt wird, blieb in der Debatte. Tanna Franz sprach sich für die SPD-Fraktion dafür aus, diese gut einen Hektar große Fläche in den Solarpark einzubeziehen. Grundsätzlich befürwortete dies auch Adalbert Faller (Grüne) , warnte aber, dass die fälligen landwirtschaftlichen und naturschutzrechtlichen Prüfungen das ganze Verfahren zeitlich bremsen könnten. Darum entschied sich eine Mehrheit von neun gegen sechs Räten dafür, die Feuchtwiese außen vor zu lassen.

Auf der Feuchtwiese – die vielleicht für eine spätere Erweiterung der Anlage in Frage kommt – würde die EnbW die Solarmodule auf im Boden eingesenkten Pfahlgerüsten montieren, so dass nahezu die ganze Bodenfläche als Mähwiese oder Schafweide nutzbar bliebe. Auf der ehemaligen Werksfläche hingegen wird die EnBW flächige Betonplatten aufbringen, auf denen die Gerüste für die Solarmodule aufmontiert werden. "Wir greifen nicht in den Untergrund ein" erklärte Thorsten Jörß. Damit gebe es keine Gefahr, dass dort vielleicht noch lagernde Asbestbrocken oder andere Altlasten angerührt würden. Die Fläche zwischen den Modulreihen sollen mit Humus aufgefüllt und ebenfalls als Mähwiese oder Schafweide begrünt werden. Claudia Eckert von Etex meinte dazu, es gebe bis auf eine eingegrenzte Stelle keine Altlasten. Man habe das Gelände beim Abbruch des alten Eternitwerkes im Winter 2006/2007 saniert.

Das verwunderte dann doch die Gemeinderäte, wurde das Werksgelände doch erst im vergangenen Herbst als belastete, nicht sanierbare ehemalige Gewerbefläche eingestuft. Gerade aus diesem Grund sah der Gemeinderat in der auf zunächst 20 Jahre angelegten Nutzung als Solarpark eine Chance, das brach liegende Gelände sinnvoll zu nutzen. Für die EnBW erklärte Jörß, dass die Nähe zu einer 20-Kilovolt-Leitung die Nutzung der Anlage erleichtere. Norbert Isele erläuterte dann das Konzept der EnBW, eine Energiegenossenschaft zu gründen. Bürger könnten in ihr Anteile an der Investition für den Solarpark übernehmen und wären an seinen Erträgen beteiligt. Zugleich solle die Genossenschaft dann weitere Projekte für dezentrale Energieerzeugung aber auch für Energieeinsparung entwickeln. Dazu soll im Frühjahr eine Informationsveranstaltung stattfinden.

Autor: Manfred Frietsch