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27. Februar 2010
Viele scheuen ein Amt auf fünf Jahre
In zwei Wochen sind Pfarrgemeinderatswahlen / Die katholische Gemeinden taten sich nicht leicht, Kandidaten zu finden.
BREISGAU. Am Sonntag, den 14. März, sind die Katholiken in der Erzdiözese Freiburg zur Wahl der Pfarrgemeinderäte aufgerufen. In einigen Pfarreien haben die Gemeindemitglieder die Wahl zwischen mehr Bewerbern als Plätze zu wählen sind, in anderen sind die Kandidatenlisten dagegen nicht voll geworden. Mit Spannung wird vor allem die Wahlbeteiligung erwartet, gilt sie doch als Spiegelbild der Bindung der in einer Pfarrei wohnenden Katholiken an das kirchliche Leben.
20 Prozent, das gilt als die Marke, an der sich passable von schlechten Resultaten scheiden. Je ländlicher eine Gemeinde strukturiert ist, desto größer ist die Aussicht, mehr als jeden fünften Wahlberechtigten an die Urnen zu locken. Je stadtähnlicher die Milieus in einer Gemeinde sind, desto schwieriger wird dies. In Umkirch mit seinem Hochhausviertel und seinem hohen Anteil zugezogener Einwohner wird der Anteil der Wähler am geringsten sein. Im ländlichen Merdingen dagegen, aber auch in Bötzingen, wo es eine fest am Ort verankerte katholische Minderheit gibt, dürfte die 20er Marke kein Problem sein.Werbung
Durchweg schwierig gestaltete sich aber die Suche nach Kandidaten, das erklären sowohl die Pfarrer als auch die Vorsitzenden der bisherigen Gremien. "Die Bewerber laufen einem nicht die Türen ein, wir mussten schon viel werben", erklärt der Marcher Pfarrer Thomas Schwarz. In seiner Seelsorgeeinheit sind in den vier Ortsteilen noch jeweils eigene Pfarrgemeinderäte zu wählen. Also mussten entsprechend viele Kandidaten gefunden werden. In Buchheim hat man die Zahl der Plätze um 2 auf 6 verringert. Bis auf Neuershausen ist es auch gelungen, überall mehr Bewerber als zu besetzende Plätze (insgesamt 32) aufzubieten.
Einen anderen Weg hat die benachbarte Seelsorgeeinheit Gottenheim beschritten, die schon zur letzten Wahl einen gemeinsamen, alle drei Pfarreien umfassenden Pfarrgemeinderat gebildet hatte. Damit sind hier nur 14 Ratssitze zu besetzen, und dennoch bereitete dies Probleme. So hat man in Gottenheim nur so viele Bewerber wie Sitze, nämlich vier, und in Umkirch bleibt der vierte Kandidatenplatz sogar verwaist. Das Wahlrecht bietet hier ein Schlupfloch, um dennoch die Gremien vollzählig zu besetzen: Die Wähler können zusätzlich auf dem Wahlschein eine wählbare Person – alle am Ort wohnenden oder in der Pfarrgemeinde aktiven Katholiken ab 18 Jahren – namentlich eintragen; diese Möglichkeit besteht auch dort, wo die Listen nur so viele Kandidaten wie zu besetzende Ratsposten ausweist. "Damit soll eine Wahlalternative geboten werden, wenn es nicht so viele Bewerber gibt, dass man unter diesen eine echte Auswahl hat" erklärt Pfarrer Schwarz das Verfahren.
Die Wähler können überdies wie bei Kommunalwahlen Stimmen kumulieren, indem sie einem Kandidaten bis zu drei Stimmen geben, wobei sie die vorgegebene Gesamtstimmenzahl nicht überschreiten dürfen. Auf diese Weise kann zum Ausdruck kommen, welche Bewerber besonders das Vertrauen der Wähler genießen; wahlberechtigt sind alle am Ort angemeldeten Katholiken schon von 16 Jahren an. Die Pfarrgemeinderäte können auch später noch Personen in ihre Reihen berufen. Das wird praktiziert, wenn etwa bestimmte Gruppen wie die Jugend oder der Kirchenchor durch die Wahl nicht im Ratsgremium vertreten sind.
Auch in der Seelsorgeeinheit Merdingen werden noch eigene Ratsgremien in den vier Pfarrgemeinden gewählt. Nur Merdingen selbst hat mit neun Bewerbern einen mehr als Plätze zu besetzen sind, in Niederrimsingen dagegen fehlen gleich drei Kandidaten. "Manche Leute sagen, sie machen es nur für eine Wahlperiode" schildert Pfarrer Josef Moosmann die Schwierigkeit, bei Abgängen bisheriger Räte wieder Nachfolger zu finden.
Manchen sind selbst fünf Jahre zu viel: "So lange wollen sich Viele nicht auf eine Verpflichtung einlassen, vor allem jüngere Leute und solche mittleren Alters, die Beruf und Familie haben" ist die Erfahrung von Markus Geppert, Vorsitzender des schon seit 1973 zu einem Gremium vereinigten, aber getrennt gewählten Pfarrgemeinderats von Buchheim und Hugstetten. Die Kirche habe hier das gleiche Problem wie die Vereine, nämlich eigentlich interessierte und zu Aktivitäten bereite Personen auch für die Übernahme eines Amtes zu gewinnen. "Viele sind nicht bereit dazu, vor allem bei den Jüngeren, oder die Leute haben schon andere Ehrenämter, es sind ja oft die gleichen Personen, die sich in Vereinen oder dem Gemeindeleben engagieren" bestätigt Martina Grün, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Gottenheim. Vor allem für die Vorstandsämter, die einiges an Arbeit und Zeit abverlangen, sei schwer jemand zu motivieren. So sucht die Bötzingerin, die seit zehn Jahren das Ratsgremium leitet, selbst bisher ohne Erfolg einen Nachfolger.
Gerade in der Seelsorgeeinheit Gottenheim hat man die Erfahrung gemacht, dass vor Ort, in den sogenannten Ortsausschüssen, außer den gewählten Pfarrgemeinderäten viele Kirchenmitglieder aktiv mithelfen. Es sind auch, wie in den Räten selbst, nicht einmal unbedingt die typische sonntäglichen Kirchgänger, die sich hier hervortun. Aber – und darauf deutet des Gottenheimer Beispiel hin – die Scheu ist beträchtlich, in einem großen und für mehrere Pfarreien zuständigen Ratsgremium mitzuarbeiten. Dabei kommt genau das auf alle Pfarreien und Seelsorgeeinheiten zu: Ab 2015, so will es das Konzept der Diözese, soll es nur noch Kirchengemeinderäte auf Ebene der Seelsorgeeinheiten geben. Mehr noch: Diese erst Anfang des Jahrzehnts gebildeten Einheiten werden dann vergrößert. So werden March und Gottenheim zusammen gelegt und Merdingen mit Breisach vereinigt. Für die Wahl 2010 gelten zwar noch die jetzigen Strukturen, also in March etwa die drei Pfarrgemeinderäte, deren Vertreter dann einen gemeinsamen Ausschuss bilden. Der Versuch, wie in Gottenheim jetzt ein Ratsgremium für die ganze Einheit zu bilden, ist gescheitert. "Buchheim und Hugstetten waren dafür, Neuershausen und Holzhausen aber leider dagegen" bedauert Markus Geppert. So oder so werden die jetzt zu wählenden Gremien sich aber mit Vorbereitungen auf die 2015 dann anstehende große Reform zu beschäftigen haben und Kontakt zu ihren künftigen Partnern aufbauen müssen. "Da habe ich schon Bedenken, dass March noch drei einzelne Räte hat und wir schon ein gemeinsames Gremium", erklärt Martina Grün dazu.
Die Aussicht auf viele Sitzungen mit Beratungen über Satzungen und Ähnliches waren der Bereitschaft, sich jetzt für Pfarrgemeinderatsarbeit zu engagieren, sicher nicht förderlich. "Wir können dies aber nicht verschweigen, wir sagten allen Bewerbern, dass sie an der Vorbereitung der neuen großen Seelsorgeeinheit mitwirken werden" betont Pfarrer Schwarz. Und Markus Geppert räumt unumwunden ein, es bereite natürlich schon Verdruss, dass nun neue Gremien gebildet werden sollen und die noch frische Seelsorgeeinheit March schon wieder Makulatur werde. Das bedeute nun aber auch, dass man sich überlegen müsse, was auf der großen Ebene der künftigen Seelsorgeeinheiten zu tun sei und was in den angedachten örtlichen Teams. "Man muss sich in seiner Pfarrgemeinde heimisch fühlen können" sagt Geppert. In jedem Fall werden hier weiter die ehrenamtlich aktiven Helfer gebraucht, betont Merdingens Pfarrer Josef Moosmann, und das nicht nur in den Ortsausschüssen als Unterbau künftiger Ratsgremien in den großen Seelsorgeeinheiten. Auch die seelsorgerische Arbeit in den Pfarrgemeinden vor Ort komme ohne das Mittun der kirchlichen Laien nicht aus.
Pfarrgemeinderäte
Die Seelsorgeeinheit Gottenheim zählt 5159 wahlberechtigte Katholiken. Sie wählen einen Pfarrgemeinderat mit 14 Sitzen, aufgeteilt nach den Pfarreien: Bötzingen 4 Sitze mit 6 Kandidaten (davon drei jetzige Räte), Eichstetten 2 Sitze/3 Kandidaten (2 jetzige Räte), Gottenheim 4/4(2), Umkirch 4/3 (2). Die Seelsorgeeinheit March mit 4010 Wahlberechtigten hat noch drei getrennte Pfarrgemeinderäte: Holzhausen 10 Sitze/11 Kandiaten (7 jetzige Räte); Neuershausen 8/8(4), sowie die zusammen einen Pfarrgemeinderat bildenden Pfarreien Buchheim 6/9(4) und Hugstetten 8/11(7). Die Seelsorgeeinheit Merdingen zählt 4471 wahlberechtigte Katholiken in vier getrennten Pfarrgemeinden. Merdingen mit 8 Sitzen/9 Kandidaten (davon 5 jetzige Räte), Wasenweiler mit Ihringen 8/8(6), Oberrimsingen 8/8(5) und Niederrimsingen mit 8 Sitzen aber nur 5 Kandidaten.
Autor: fri
Autor: Manfred Frietsch


