Wohnlichkeit ist der Pflegetrumpf

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Do, 19. Februar 2009

March

Gewaltiges Besucherinteresse im neuen Marcher DRK-Pflegeheim / Die ersten Bewohner ziehen schon ein.

MARCH-HUGSTETTEN. Das Interesse war riesig. Pausenlos strömten am Sonntag Besucher in das neue Pflegeheim im DRK-Seniorenzentrum in Hugstetten. Die ersten standen schon im Foyer, noch ehe der Tag der offenen Tür überhaupt begonnen hatte. "Wir haben mit viel Andrang gerechnet, aber das ist wirklich unvorstellbar", sagte Heimleiter Theo Lucaßen.

Bis in den Abend hinein dauerte der Trubel. Am frühen Montagmorgen rückte dann der Putzdienst an, denn ab zehn Uhr sollten die ersten 17 Senioren einziehen. "Das ist eine wahnsinnige Herausforderung" für die Mitarbeiter, sagte Lucaßen. Die ersten Bewohner beziehen die beiden Wohnbereiche "Kaiserstuhl" im ersten Obergeschoss. Das Stockwerk mit seinen insgesamt 27 Betten werde bis Anfang März voll belegt sein, schätzte Lucaßen. Danach wird der Demenzbereich "Tuniberg" im Erdgeschoss eröffnet. Zum Schluss soll das zweite Obergeschoss "Schauinsland" folgen.

Das neue Pflegeheim vervollständigt das Marcher Seniorenzentrum, zu dem eine betreute Wohnanlage und das Café "Vis à Vis" gehören. Der Bauverein Breisgau hat es gebaut, der DRK-Kreisverband Freiburg betreibt es, mit insgesamt 67 Pflegeplätzen in fünf Wohngruppen. Jeder Wohnbereich überraschte die Besucher mit anderen Farben. Dazu kamen gemusterte Tapeten, Möbel im Biedermeier-Stil und viel helles Holz. "Ich bin begeistert, hier hat’s überall Sonne und Balkone", sagte eine Besucherin aus Freiburg. "Jetzt will ich nur noch wissen, wer diese Vorhänge liefert", fügte die bald 80-Jährige hinzu und deutete auf die blumendurchwirkten Gardinen.

Sitzecken und Aufenthaltsräume luden auf allen drei Etagen zum Verweilen ein. "Das ist die Ecke für die Sportbegeisterten", vermutete ein Besucher, als er eine Sitzgruppe mit Blick auf den Sportplatz entdeckte. Ortsvorsteher Lothar Fleck, zugleich DRK-Kreisvize, schwärmte, wer im Pflegebad in der Wanne liege, könne den Schwarzwald sehen. Einen Rundblick gar auf Schwarzwald, Kaiserstuhl und Vogesen bietet der Personalraum auf dem Dach des 6,5-Millionen-Baus. Land, Landkreis und Gemeinde sind an den Baukosten beteiligt.

Erinnerungsecken anstatt Steriliät

"Man hat in diesem Haus versucht, die Sterilität zu verbannen", informierte Daniela Jost eine Besuchergruppe. Die gelernte Arzthelferin aus Buchheim sitzt im Pflegeheim am Empfang. Sie bat: Wer alte Bilder oder andere Überbleibsel aus vergangenen Zeiten im Keller habe, möge sie dem Heim überlassen. Sie könnten in der Erinnerungsecke im Demenzbereich einen neuen Platz finden, wo schon eine Musikanlage mit einem Plattenspieler aus Großmutters Zeiten steht.

Neugierig schauten die Besucher in den Snoezelen-Raum, in dem ein Wasserbett stand. Sie hörten leise Musik und sahen gedämpftes Licht. Der holländische Begriff "Snoezelen" setzt sich aus den Wörtern für "Schnuppern" und "Dösen, Ausruhen, Entspannen" zusammen. Eine Etage höher zeigte DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schäfer-Mai den Balkon: Er sei so angelegt, "dass man auch mal ein Bett hinausschieben kann", einen verschiebbaren Windschutz inbegriffen. 

Die Besucher kamen aus der March, aber auch aus umliegenden Gemeinden. Mindestens 1500 seien es gewesen, schätzte Lucaßen. Der Heimleiter bekam fast nur Lob zu hören. Den wenigen Skeptikern beschied er, sie sollten ihm ein Jahr Zeit geben, um seine Ziele zu erreichen. Altenpflegerin Angela Kornmeier und andere Mitarbeiter nutzten den Tag, um das Haus kurz vor Dienstbeginn noch besser kennen zu lernen. Auch Pflegedienstleiter Joachim Pack aus Kirchzarten war da.

"Wir haben in anderthalb Stunden 35 Kilo Kartoffelsalat unter die Leute gebracht", staunte Küchenchef Dietmar Hau, der viele Jahre die Küche in der Helios-Klinik in Breisach leitete. Seit Montag kocht Hau für die Marcher Senioren. Sie zahlen  je nach Pflegestufe monatlich zwischen 2463 und 3534 Euro (wovon die Pflegekassen rund 40 Prozent erstatten).