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29. Juni 2012 16:37 Uhr

Die Europameisterschaft hautnah miterlebt

Marcus Schmitt aus Oberrimsingen erlebte Fußballspiele im ukrainischen Lemberg mit

"Es war über den Fußball hinaus ein ganz tolles Erlebnis", schwärmt der Oberrimsinger Marcus Schmitt. Allein und auf eigene Faust war der 21-jährige Torwart der 2. Mannschaft des FC Rimsingen Anfang Juni in die westukrainische Stadt Lemberg gereist, um die dort stattfindenden Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft bei der Fußballeuropameisterschaft als Zuschauer mit zu verfolgen.

  1. Marcus Schmitt (21) erlebte die Fußball-EM hautnah in Lemberg mit. Der Oberrimsinger fuhr allein in die Ukraine, um bei zwei Vorrundenspielen das DFB-Teams im Stadion dabei zu sein. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH-OBERRIMSINGEN. In der 4. Reihe, auf Höhe der Mittellinie, war er ganz nah dabei, als das Team von Trainer Joachim Löw Portugal und Dänemark besiegte.

Auch die Partie zwischen Portugal und Dänemark sah der junge Breisacher im Stadion. Die Tickets für die Spiele hatte er schon im Dezember vergangenen Jahres über das Internet gekauft.

Nach 33-stündiger Bahnfahrt über Berlin, Warschau und Krakau kam Schmitt am ersten Spieltag morgens um 6 Uhr in Lemberg an und mietete sich in einem Hostel in der Innenstadt ein. Junge Fußballfans aus aller Welt waren dort in 10-Bett-Zimmern einquartiert. Mit vielen von ihnen kam Marcus schnell in Kontakt. Sprachprobleme gab es kaum. "Auf Englisch konnte ich mich gut verständigen, viele junge Ukrainer sprechen auch deutsch", so die Erfahrung des jungen Torhüters, der es nicht bereut hat, allein zum Spielort gereist zu sein. "Man lernt andere Leute viel leichter kennen, wenn man nicht in der Gruppe ist", lautet seine Erfahrung.

Für die EM war Lembergs historische Altstadt festlich geschmückt, auf der Fanmeile im Zentrum trafen sich tausende von Fußballanhängern. Hier begegnete der junge Breisacher auch einer Gruppe von jungen Amerikanern, die aus Kalifornien angereist waren, um die EM live mitzuerleben. "Die Ukrainer selbst waren natürlich für ihre eigene Mannschaft, drückten aber nach deren frühem Ausscheiden vor allem auch dem deutschen Team die Daumen", so Schmitt. Begeistert berichtet er von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Ukrainer und vom Gemeinschaftserlebnis Fußball. "Nationalität und sozialer Status spielten keine Rolle. Was alle Fans emotional verband, war die gemeinsame Freude am Fußball", sagt der gelernte Erzieher, der nach der Sommerpause in Freiburg mit dem Sozialpädagogikstudium beginnen wird.

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Seinen schwarz-rot-goldenen Fanschal hat er mit einem jungen Ukrainer gegen einen Schal des Lemberger Proficlubs FC Karpaty Lviv getauscht und ihn als Souvenir mitgebracht. "Nach dem 2:1-Sieg der Ukraine gegen Schweden wurde in der Stadt ein Freudenfest gefeiert. Nach den beiden darauffolgenden Niederlagen des Heimteams gegen Frankreich und England war die Stimmung etwas gedrückt, aber immer freundlich und aufgeschlossen", schildert er die einheimischen Fans. Aggressivität habe es weder im Stadion noch in der Stadt gegeben. Uniformierte Sicherheitskräfte waren überall präsent, aber Marcus Schmitt hatte nicht das Gefühl, von ihnen bedrängt zu werden. "Sie vermittelten mehr ein Gefühl der Sicherheit", sagt er.

Keinen Kontakt zur deutschen Nationalmannschaft

An den spielfreien Tagen hat er sich Lemberg angeschaut, ist durch die Altstadtgassen geschlendert, besichtigte Museen und Kirchen und stieg auf den historischen Schlossberg. Direkten Kontakt zum DFB-Team gab es für ihn nicht: "Die sind ja für die beiden Spiele von Danzig eingeflogen und am Tag darauf aus Lemberg wieder abgereist, es gab keine Chance, ihnen nahe zu kommen", erzählt der junge Mann aus Oberrimsingen.

Seine Enttäuschung über die Niederlage der deutschen Mannschaft im Viertelfinalspiel gegen Italien am Donnerstagabend hielt sich am gestrigen Freitagmorgen in Grenzen. "Die bessere Mannschaft hat gewonnen", lautet sein faires Urteil. Für das Finale am Sonntag drückt er den Spaniern die Daumen, tippt jedoch eher auf einen Sieg der Italiener. Am Fernsehgerät wird er das Endspiel allerdings nicht verfolgen. "Ich begleite meine Freundin zu ihrem Abiball, denn manchmal gibt es noch Wichtigeres als Fußball", sagt der sympathische Rimsinger Torhüter. Ob er 2014 zur Fußballweltmeisterschaft nach Brasilien reisen wird? "Eine Überlegung wäre es schon wert", lacht Schmitt.

Autor: Kai Kricheldorff


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