Kino-Interview

Margarethe von Trotta über „Forget About Nick“, Komödien und die Männer

Markus Tschiedert

Von Markus Tschiedert

Fr, 08. Dezember 2017

Kino (TICKET)

TICKET-INTERVIEW: Die Regisseurin Margarethe von Trotta über "Forget About Nick", Komödien und die Männer.

Bisher kannte man Margarethe von Trotta (75) als Regisseurin von Dramen. Schon in den 70er Jahren sorgte die Berlinerin mit Filmen wie "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Das zweite Erwachen der Christa Klages" für Aufsehen. Nun folgt mit "Forget About Nick" die erste Komödie der Filmemacherin, die sich in den 60er Jahren als Schauspielerin einen Namen machte und neben Fassbinder ("Baal") und Iris Berben ("Brandstifter") agierte. Markus Tschiedert sprach mit ihr.

Ticket: Wie ist es zu dem Projekt "Forget About Nick" gekommen?
Trotta: Das Drehbuch hat Pamela Katz geschrieben, mit der ich das erste Mal für "Rosenstraße" zusammengearbeitet habe. Unser letztes Projekt war dann "Hannah Arendt". Sie ist jemand, der sehr viel Witz hat – nicht im Sinne von "Fack ju Göhte", sondern eher dieser "Sophisticated Comedy"-Witz. Wir haben uns immer überlegt, wir müssten zusammen mal eine Komödie machen. Das heißt eigentlich, ich wollte mal etwas anderes machen.
Ticket: Wieso?
Trotta: Weil ich immer identifiziert werde mit den schweren Dramen über imposante Frauen aus der Historie wie eben Hannah Arendt, Rosa Luxemburg oder Hildegard von Bingen. Jetzt bin ich einfach in dem Alter, dass ich mir auch eine Komödie leisten kann. Damit bin ich mal etwas ganz anderes angegangen.
Ticket: Viele Regisseure meinen, Komödie wäre sogar das schwierigste Genre. Wie leicht oder gar schwer ist es Ihnen gefallen?
Trotta: Das ist es vielleicht auch, und wenn eine Amerikanerin diesen Film gemacht hätte, wäre er wahrscheinlich ganz anders geworden. Ich habe mich dem Ganzen natürlich aus meinem Lebensweg heraus genähert. Insofern denke ich, ist der Film auch ein bisschen schwerer geworden, als man es vielleicht von einer herkömmlichen Komödie erwartet. Ein bisschen Tiefgang ist in "Forget About Nick" auch drin, was ja auch gut ist für eine Komödie. Aber das sieht gewiss nicht jeder so, der davon ausgeht, dass man in einer Komödie von Anfang bis Ende lachen muss. Das ist hier nicht der Fall.
Ticket: Sie haben "Forget About Nick" in englischer Sprache gedreht. Welchen Anspruch haben Sie damit verfolgt?
Trotta: Das hat Pamela Katz auf Englisch geschrieben, und es ist eine Geschichte, die in New York spielt. Ich bin einmal im Jahr in New York und kenne mich da gut aus. Deshalb war es für mich auch nicht etwas ganz Fremdes gewesen. Als Nicht-Amerikanerin war es für mich manchmal schon schwer, den Wortwitz total zu verstehen.
Ticket: Wieder ist Katja Riemann dabei...
Trotta: Was nach vier gemeinsamen Filmen einfach folgerichtig war, zumal sie in Deutschland das Komödien-As ist. Unser erster Film war "Rosenstraße", wofür sie auf dem Filmfestival Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Wir haben uns gleich gemocht und geliebt und sind dadurch Freundinnen geworden. Dann kam der Film "Ich bin die andere", der auch nicht ganz einfach war für sie, weil sie in einer Person vier verschiedene Persönlichkeiten spielen musste. Auch das war ihr sehr gut gelungen.
Ticket: Nick ist im Film ein gut situierter Mann, der seinen beiden Ex-Frauen ein Luxus-Loft in Manhattan überschreibt. Ist das ein typisches Männerbild für Sie?
Trotta: Ich war zweimal verheiratet, einmal fast verheiratet und könnte behaupten, ich kenne dadurch die Männer. Trotzdem würde ich sagen, ich kenne sie nicht. Genauso wie Männer sagen, sie verstehen die Frauen nicht. Darin liegt ja auch ein gewisser Reiz, dass man nicht völlig weiß, wie das andere Geschlecht funktioniert oder reagiert. Ich kenne vielleicht nicht einen Mann wie Nick in meinem eigenen Leben, aber ich kenne ihn in der Anschauung bei anderen Menschen. Und Männer, die immer die nächst Jüngere heiraten, bis irgendwann die Jüngere sagt, nein, jetzt bist du mir doch zu alt, ist zwar ein Klischee, aber auch die Wahrheit.