Uneinige Jahreszeiten

MARKTGEFLÜSTER: Ach Sorbst, was bist Du schön!

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Mi, 12. September 2018

Lörrach

Der Herbst drängelt sich in den Sommer. Er ist früher dran, weil der Sommer in seinem Überschwang hat reifen lassen, was nur reifen kann. Gleichzeitig weigert sich der Sommer, dem Herbst Platz zu machen, lässt sich nicht von geschlossenen Freibädern und dem Ende der Ferien beeindrucken und strahlt bockig-sonnig weiter. Was also ist zu tun, wenn sich die Jahreszeiten nicht einig werden? Ganz einfach: auf den Tüllinger gehen. Nirgendwo lässt sich der Sorbst (oder heißt es Hemmer?) feiner genießen. Die Straußen haben geöffnet und der erste neue Wein schmeckt gekühlt auch bei fast 30 Grad. Weil es noch so schön warm ist, kann man ihn draußen sürpfeln, mit Blick über die sonnenbestrahlten Reben, die zwar noch sommerlich grün sind, in ihrem Duft nach reifen Trauben aber einen minimalen ersten Hauch von Vergängnis tragen. Abends ist es schon frisch genug für Zwiebelwaie und Schäufele mit Kartoffelsalat. So wird der eine zwangsläufig früher oder später in den anderen übergehen, ohne dass wir es merken oder gar in Wehmut verfallen. Ach Sorbst, was bist Du schön! Hoffentlich lässt sich der Wirbst davon Ende November inspirieren …