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03. November 2011

Rechts vor links

MARKTGEFLÜSTER: Der Knoten an der Kreuzung

Kommunikation ist ein komplexer Vorgang, der nur zu einem Teil über die Sprache abgewickelt wird. Für alle Lebenslagen verfügen wir über differenzierte nonverbale Zeichensysteme – nur im Straßenverkehr klemmt’s. So fehlt zum Beispiel eine verbindliche Geste für "Entschuldigung" – an Gelegenheiten, sie zur Anwendung zu bringen, fehlt es ja nun wirklich nicht. Nun gibt es eine spezielle Situation im Straßenverkehr, die wirklich anspruchsvoll ist, was die Verständigung angeht: die nämlich, wo sich vier Fahrer an einer rechts-vor-links-Kreuzung treffen. In der Schlichtversion wollen alle geradeaus, in der anspruchsvolleren sind Abbieger dabei. In Lörrach gibt es unterdessen reichlich Gelegenheit, zu studieren, wie Fahrzeuglenker auf zwei und vier Rädern einen solchen Knoten lösen – an der Ecke Tumringer-/Ötlinger-/Humboldtstraße etwa, an der Luisen-/Haagener Straße, an der Ötlinger-/Spitalstraße und an anderen Orten mehr, an denen eine Straße eine andere trifft. Normalerweise schiebt sich eines der Fahrzeuge mit der gebotenen Vorsicht nach vorn und die anderen lassen das zu, wohl wissend, dass es eine formale Gerechtigkeit in dieser Lebenslage sowieso nicht gibt. Manchmal stehen aber auch alle vier wie der Ochs vorm Tor und fuchteln irgendwie rum. Dabei ist es besonders tückisch, eine Teilverständigung zu suchen. Wenn etwa Fahrer A an Fahrer B das Signal sendet, dass er ihm den Vortritt lässt, und die Fahrerinnen C und D (um auch diesen Beitrag zu gendern) kommen in gleicher Weise überein, dann kracht’s. Eine gültige Lösung können wir an dieser Stelle nicht anbieten, weil es die schlicht nicht gibt. Es geht, wie so oft im Leben, darum, sich immer wieder neu zu verständigen – möglichst so, dass niemand einen Schaden davon trägt.

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Autor: Sabine Ehrentreich