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23. September 2011
Nachts auf Lörrachs Gleisen
MARKTGEFLÜSTER: Ein ICE als Geisterzug
Nein, es war kein Traum: Mitten in der der Nacht rauscht ein schnittiger ICE durch Lörrach, hell erleuchtet aber ohne Passagiere. Ein Geisterzug. Doch die Bahn hat eine einfache Erklärung. Manchmal, so erklärt Bahnsprecher Martin Schmolke, müssten außerplanmäßig ICE-Zuggarnituren für die Oberrheinstrecke eingesetzt werden. Dies geschieht immer dann, wenn der ausgeklügelte Wagenlauf der Fernzüge etwa durch einen technischen Ausfall durcheinander gebracht wird. Kommt nun so ein Ersatzzug im ICE-Betriebswerk Basel an, kann es sein, dass das Restaurant und die erste Klasse anders positioniert sind, als in den Fahrplänen ausgedruckt und auf den Bahnsteigen angezeigt. Um Völkerwanderungen auf den Bahnsteigen zu vermeiden, dreht die Bahn diese Züge – zumindest dann, wenn in der Nacht genügend Zeit ist und Streckenkapazitäten frei sind. Im Raum Basel werde dafür das Dreieck Gartenbahn/Wiesentalbahn genutzt, so Bahnsprecher Schmolke.
Für den eigentlichen Fahrgastbetrieb kommen ICE oder Intercity-Züge auf der Wiesentalbahn nicht in Frage. Theoretisch wäre es zwar denkbar, in Lörrach Intercity-Linien mittlerer Länge beginnen zu lassen – vergleichbar etwa der Strecke Konstanz-Karlsruhe, die vollständig abseits der Metropolen verläuft. Aber das macht keinen Sinn, weil die Wiesentalbahn als Zulauf für die ICE-Strecke auf der Magistrale Basel-Frankfurt gut vertaktet ist. Deshalb bleibt ein ICE in Lörrach ein Traum. Da ändert auch der neue Titel "Lörrach Hbf" nichts.
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Autor: Willi Adam
