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11. Oktober 2011
Ticketautomaten
MARKTGEFLÜSTER: Fahrgeld ins Becherle
Ich gestehe: Ich bin ohne Fahrschein in der S-Bahn gefahren, einmal Brombach-Lörrach Hbf. Es geschah nicht versehentlich, sondern bewusst. Und ohne schlechtes Gewissen. Denn da war jener berühmte Tropfen gefallen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte. Diese Schwarzfahrt war sozusagen fällig. Vor einer Woche hatten wir beide, der Automat in Brombach und ich, bereits gewisse Kommunikationsprobleme. Ich konnte einfach nicht lesen, was er von mir wissen wollte, weil die Herbstsonne sein Display faktisch blind machte. Erst als – und so lange – sich ein anderer Fahrgast bereitwillig so postierte, dass sein Körper ein wenig Schatten spendete, konnte man die Schrift auf dem Bildschirm in gebückter Haltung von schräg rechts unten lesen und die Anweisungen eingeben. Tage später sperrte der Automat – bedeutet das Wort nicht, dass eine Maschine von alleine läuft? – sich gegen korrektes und vollständiges Lesen der Bahncard. Also wurden die Bonuspunkte nicht gutgeschrieben. Und zuletzt dann das: Gut leserlich – die Sonne verbarg sich hinter dicken Wolken – war auf dem Bildschirm deutlich sichtbar zu lesen: Bitte Warten. Unter den Buchstaben drehte und drehte und drehte und drehte sich ein Punkt im Kreis. Spontan stellte ich mir die Frage Erstens: Weiß das auch der Lokführer des Zuges, der gerade einfährt? Und zweitens: Hält er sich dran? Ich war skeptisch und entschied mich gegen die Fahrkarte, zu recht, wie sich gleich zeigte. Den Fahrpreis habe ich übrigens später in der Fußgängerzone in drei Becher verteilt, die bedürftige Menschen vor sich stehen hatten.
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Autor: Franz Schmider
