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04. Januar 2012
Austausch auf dem Markt
MARKTGEFLÜSTER: Kunst gegen Köstlichkeiten
An Lörrachs Markttagen wird der Brunnen in der Mitte des Platzes regelmäßig zum Objektträger für farbenfrohe Werke, die aus allerlei nachwachsenden Rohstoffen und teils bizarren Garnituren entstehen. Der wohnsitzlose Künstler, der diese fröhlich ausufernden Kompositionen schafft, steht in einem gewissen Austausch mit anderen Marktbeschickern, wie wir inzwischen herausgefunden haben. Vor wenigen Tagen beobachteten wir folgende Szene: Der türkische Händler, der seit einiger Zeit seine Spezialitäten auf dem Wochenmarkt feilbietet, hatte vor dem Wagen für die Kundschaft Häppchen als Versucherle drapiert. Dieser Verlockung nun erlag der Künstler. Als er sich nach dem Mahl entfernen wollte, sprach der Händler ihn an: Warte mal, Kumpel! Wir erwarteten mit Gewissheit, dass der Mann nun zurechtgewiesen würde, zumal er mangels Masse als Kunde nicht in Frage kommt. Stattdessen rief der Händler ihm zu: Ich mach’ Dir einen Tee! So drehte der Künstler sich um und kam zum Wagen zurück. Über die Theke reichte er zum Dank für das wärmende Getränk ein Bündel selbstgefertigter Weihnachtskarten. Offensichtlich, dämmerte uns da, handelt es sich um einen eingespielten Austausch. Wir haben das auch bei anderen Marktbeschickern schon erlebt: Kleine Werke, vielleicht Teile des großen auf dem Brunnenrand, werden eingetauscht gegen eine Kleinigkeit für den Magen. In diesem Fall ist Kunst einmal auf schönste Weise gar nicht brotlos. Der Lörracher Wochenmarkt wärmt die Seele sowieso bei jedem Besuch. Szenen wie diese vertiefen dies Gefühl.
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Autor: Sabine Ehrentreich
