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23. Dezember 2008 12:29 Uhr
Martin Beck wird Direktor des Evangelischen Stifts
Kurz vor Weihnachten hat das in finanzielle Schieflage geratene Evangelische Stift einen neuen Vorstand: Der Unternehmensberater Martin Beck ist Nachfolger des gekündigten Direktors Klaus Eschenburg. Der Interimsmanager soll das Stift so schnell wie möglich sanieren.
Doch vermutlich wird es nicht nur im Vorstand – Klaus Eschenburg hatte das Evangelische Stift seit Herbst 2002 geleitet –, sondern schon bald auch im Stiftungsrat Veränderungen geben. Kritik war zuletzt nicht nur an Eschenburg, sondern auch am Stiftungsratsvorsitzenden Elmar Bingel laut geworden.
Eschenburgs Nachfolger, der 58 Jahre alte selbständige Unternehmensberater und Hochschulprofessor Martin Beck aus der Nähe von Tübingen, wird das Stift als Interimsmanager führen, sein Vertrag ist bis Ende Mai 2009 befristet. Der auf die Sanierung von sozialen Einrichtungen spezialisierte Betriebswirt hatte bereits im Sommer im Auftrag der Hausbank des Stifts, der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, das Stift durchleuchtet und strukturelle Defizite ausgemacht. "Beck hat im Auftrag der Sparkasse eine Fortführungsprognose erstellt und ist deshalb mit der Sachlage bestens vertraut", nennt das Diakonische Werk Baden in einer Pressemitteilung einen Grund für die Wahl Becks, den der Stiftungsrat am Samstag ernannt hat. Die Diakonie hilft dem Stift mit einer 800 000-Euro-Bürgschaft aus, nur so konnte die Auszahlung der Gehälter gesichert werden. Eine so genannte Begleitkommission mit Vertretern des Stiftungsrates, des Diakonischen Werks Baden und der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau wird Stiftungsrat und Stift-Vorstand begleiten.
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Ziel der Fortführungsprognose sei gewesen, zu prüfen, was getan werden müsse, damit sich der finanzielle Einsatz der Sparkasse lohne, erklärt Beck. Seine Haupterkenntnis: Auch ohne das Problem St. Urban – die Seniorenwohnanlage in Herdern ist nicht einmal zu einem Viertel ausgelastet und hoch defizitär – stünde das Stift enorm unter Druck: "Es gab und gibt wirtschaftliche Probleme", sagt Beck, ohne seinem Vorgänger Eschenburg ein schlechtes Zeugnis ausstellen zu wollen: "Ich will mich nicht auf Kosten von Herrn Eschenburg oder anderer profilieren."
Zu hoch sind laut Beck die Personalkosten, die bei kirchlichen Einrichtungen mehr als 70 Prozent der gesamten Kosten ausmachen: "Außerdem waren nicht alle Positionen im Stift optimal besetzt." Die Belegung der Häuser bezeichnet Beck insgesamt als "relativ gut", wobei man bei den einzelnen Häusern unterscheiden müsse. Fest stehe: "Von einer dramatischen Unterbelegung kann nicht die Rede sein." Die 95-prozentige Belegung, mit der die Pflegekassen kalkulierten, sei "an der Grenze des Humanen." Beck hat unter anderem vorgeschlagen, außer im Personal- auch im Servicebereich zu sparen. Er fragt: "Kann man Führungspositionen auch einfach besetzen? Und braucht man unbedingt eine Cafeteria?" Einige Sanierungsmaßnahmen hätte der alte Vorstand bereits auf den Weg gebracht, sagt Beck: "Mein Job ist es nun, Gas zu geben."
Bislang steht fest, dass 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stifts ihren Arbeitsplatz verlieren, fünf davon zum Jahresende. Einen Sozialplan hat die Mitarbeitervertretung ausgearbeitet. Von weiteren Kündigungen ist derzeit nichts bekannt, Beck will sich dazu derzeit nicht konkret äußern, sagt aber: "Es wird sicherlich ein paar Einschnitte geben. Wir werden den Mitarbeitern die eine oder andere Zumutung präsentieren." Der Handlungsspielraum sei gering. Mitglieder des Gesamtausschusses der Mitarbeiter des kirchlichen und diakonischen Dienstes hatten in einem BZ-Interview in der vergangenen Woche allerdings ihrer Befürchtung Ausdruck verliehen, dass weitere Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.
"Die Mitarbeitenden hoffen, dass die anstehenden Veränderungen human abgehen", sagt Eric Spittler, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Stifts. Weiter will er sich zur Lage des Stifts derzeit nicht äußern. Der Rest der noch ausstehenden Jahressonderzahlung, die für gewöhnlich komplett mit dem Novembergehalt ausgezahlt wird, wurde mittlerweile überwiesen, auch die Auszahlung der Dezembergehälter ist gesichert.
Verhandlungen über einen Verkauf der stark defizitären Seniorenwohnanlage St. Urban laufen. Nach Informationen der BZ gibt es mehrere Interessenten, offenbar haben auch der Freiburger Hotelier Roland Burtsche und Projektentwickler Peter Unmüssig Interesse an der Immobilie. Die sechs in St. Urban lebenden Senioren weigern sich allerdings, aus ihren Wohnungen auszuziehen. Man werde anständig und behutsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern umgehen, versichert Sanierer Beck, "aber wir können nicht für so wenige Personen die ganze Anlage betreiben".
Autor: Frank Zimmermann
