"Ich bin angekommen und fühle mich wohl"

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Fr, 29. Juni 2018

Maulburg

BZ-INTERVIEW mit Tobias Hohenstatter, dem neuen Leiter des Dorfstübli, über das erste Vierteljahr in Maulburgs Guter Stube / Veränderungen mit Respekt.

MAULBURG. Seit April ist Tobias Hohenstatter Nachfolger von Annemarie Weber im Dorfstübli Maulburg. BZ-Redakteur Robert Bergmann hat sich mit dem Erzieher darüber unterhalten, wie er die Anfänge als Leiter nach der langen Ära Weber erlebt und ob er bereits eigene Akzente hat setzen können. Auch das neue Ferienprogramm war Thema des Gesprächs.

BZ: Knapp 100 Tage sind Sie jetzt im Amt, die Schonfrist ist rum, heißt es da gerne. Wie lief es denn bislang?
Hohenstatter: Ich hatte wirklich eine ganz tolle Anfangszeit. Noch nie habe ich so viele Menschen in so kurzer Zeit kennengelernt. Das ist der Hammer! Hier verdanke ich natürlich auch meiner Vorgängerin eine ganze Menge, die mich in den ersten vier Wochen mit allen möglichen ihrer zahlreichen Kontakte zusammengebracht hat. Und dann war ich ja auch sehr schnell bei den Veranstaltungen präsent und habe sie angekündigt. Nach diesem tollen Einstieg kann ich nur sagen: Ich bin angekommen und fühle mich richtig wohl.
BZ: Gab es etwas, das Sie überrascht hat an Ihrem neuen Job?
Hohenstatter: Nein, nicht wirklich. So wie ich mir das Dorfstübli vorgestellt habe, so ist es auch. Es ist eine ganz vielfältige Plattform für alle möglichen Arten von Begegnungen, die es wert ist, geschätzt, erhalten und weiterentwickelt zu werden. Etwas überrascht hat mich höchstens das große Interesse und die Aufgeschlossenheit aller Beteiligten an meiner Arbeit. Das ist schon ein sehr schönes Gefühl, das mich richtig aufbaut.

BZ: Und wie waren die ersten Tage als neuer Leiter, als es galt, erstmals eigene Entscheidungen ohne Annemarie Weber zu treffen?
Hohenstatter: Das mit den eigenen Entscheidungen ist natürlich ein kontinuierlicher Prozess. Meine Vorgängerin hat gewirkt und wirkt auch immer noch. Das neue Ferienprogramm für die Sommerferien etwa trägt noch sehr ihre Handschrift, da zahlreiche Vereinbarungen mit den Vereinen schon vor April getroffen wurden. Und auch die Konzerte sind bereits bis 2019 hinein festgezurrt, weil sich solche Dinge nun einmal nur langfristig organisieren lassen. Aber da und dort habe ich natürlich schon die ein oder andere Überlegung angestellt, was man ändern könnte oder auch sollte.

BZ: Und zu was haben diese Überlegungen geführt?
Hohenstatter: Ganz praktisch haben wir das Haus einfach mal entrümpelt und ziemlich viel von dem, was da so im Keller rumstand, gemeinsam mit den Bauhofmitarbeitern abtransportiert. Da haben wir richtig Inventur gemacht. Gemeinsam sind Annemarie Weber und ich außerdem die bestehenden Angebote im Dorfstübli durchgegangen, haben analysiert, was geht und was nicht so geht – die richtigen Konsequenzen aus dieser Bestandsaufnahme zu ziehen, braucht aber noch etwas Zeit. Es gibt bereits neue Angebote: Ein Technik-Angebot für Kinder zum Bau von einfachen Robotern und technischen Geräten sowie einem neuen Schlagzeug- und Rhythmuskurs für die Kids.

BZ: Ihre Vorgängerin hatte es in den drei Jahrzehnten ihres Schaffens nicht immer ganz leicht mit der Gemeinde. Haben Sie da schon Erfahrungen sammeln können?
Hohenstatter: Bis jetzt wird mir aus dem Rathaus volle Rückendeckung signalisiert. Die Verwaltung lässt mir freie Hand und ich kann mich immer melden, wenn ich etwas brauche. Mittelfristig wäre ich natürlich froh, wenn die umfangreiche Arbeit im Dorfstübli auf eine 100-Prozent-Stelle erweitert werden würde. Ich habe jetzt ja als Mitarbeiter der Kaltenbach-Stiftung eine 80-Prozentstelle, was bereits eine Verbesserung gegenüber der Situation meiner Vorgängerin darstellt.

BZ: Und wie geht es jetzt weiter in diesem Jahr?
Hohenstatter: Wir konzentrieren uns jetzt voll auf das anstehende Ferienprogramm. Hier freue ich mich auf viele tolle Angebote und Begegnungen. Gerne würde ich im Laufe des Jahres intensivere Kontakte zum Jugendtreff aufbauen, weil ich denke, dass die Jugendlichen wie auch das Dorfstübli voneinander profitieren könnten. Generell ist es mir wichtig, die anstehenden Veränderungen mit Respekt vor den hier in über 30 Jahren gewachsenen Strukturen anzugehen. Das Dorfstübli lebt aus der Mitarbeit von so vielen engagierten Menschen und von Ideen, die in Jahrzehnten gewachsen sind. Das alles gilt es zu bewahren und behutsam anzupassen. So werden die Angebote in der Mädchenarbeit und die Kreativkurse ebenso selbstverständlich weitergehen wie das Ferienprogramm...

BZ: … das gerade vor uns bunt wie immer in Papierform auf dem Tisch liegt. Erzählen Sie uns einige Highlights aus dem bunten Veranstaltungsreigen?
Hohenstatter: Ein echter Höhepunkt des diesjährigen Kinderferienprogramms ist der Siebdruck-Workshop mit der Künstlerin Gaby Roter. Dafür haben wir eine original Siebdruckmaschine, auf der die Kinder zum Beispiel ihre T-Shirts bedrucken können. Ansonsten gibt es viel Bewährtes in Zusammenarbeit mit den Vereinen und örtlichen Organisationen. Im Dorfstübli selbst wird es eine Trommelsession, einen Filzkurs und eine Fahrradwerkstatt geben.

Zur Person: Tobias Hohenstatter ist 40 Jahre alt und stammt ursprünglich aus Augsburg. Der ausgebildete Erzieher lebt in Zell, ist verheiratet und hat drei Kinder. Als Mitarbeiter der Dieter-Kaltenbach-Stiftung in Lörrach hat er zuletzt sieben Jahre den Hort der Stiftung geleitet. Außerdem war er mehrere Jahre Betreuer der Jugendtreffs in Brombach und Hauingen und zwei Jahre lang für die Schulsozialarbeit am Steinener Schulzentrum verantwortlich. Tobias Hohenstatter ist Nachfolger von Annemarie Weber im Dorfstübli.