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02. März 2010 17:32 Uhr

Skandal

Mehr Missbrauchsfälle? Freiburger soll Jesuiten leiten

Wie viele Kinder sind Opfer sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen geworden? Ein Opferverein rechnet mit einer hohen Dunkelziffer. Derweil soll ein Freiburger künftig die Jesuiten leiten und das Vertrauen wieder herstellen.

  1. Wie viele Opfer gab es im Missbrauchsskandal wirklich? Foto: dpa

  2. Stefan Kiechle, neuer Provinzial der Deutschen Provinz. Foto: jesuiten

Rund 70 Prozent der 450 Mitglieder wurden nach Einschätzung von Monika Tschapek-Güntner, Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder , in der Jugend in Heimen missbraucht. Tschapek-Güntner bestätigte damit am Dienstag einen Bericht der Berliner Zeitung. Der Missbrauch reiche bis zur Vergewaltigung. Rund 80 Prozent ihrer Vereinsmitglieder sei in katholischen Heimen aufgewachsen.

Unterdessen teilte das Bistum Dresden-Meißen mit, dass drei Mönche des Klosters Wechselburg in Sachsen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs suspendiert worden seien. Die Vorwürfe stammten aus ihrer Zeit am Benediktinerkloster Ettal in Bayern. Bischof Joachim Reinelt sei erst vergangene Woche, also später als vorgeschrieben informiert worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Opfer mit Geld zum Schweigen gebracht?

In Niedersachsen teilte die Kommission des katholischen Bistums Osnabrück zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen am Dienstag mit, dass sie sich in den vergangenen acht Jahren mit fünf Fällen beschäftigt habe. Dreimal seien Ermittlungen gegen Priester von der Staatsanwaltschaft aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Zwei Fälle seien wegen Geringfügigkeit von Richter und Staatsanwalt gegen eine Geldauflage eingestellt worden. Dabei sei es einmal nicht um sexuellen Missbrauch, sondern um eine Beleidigung gegangen, sagte Kommissionsmitglied Heribert Günther.

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Tschapek-Güntner warf der Katholischen Kirche "Falschheit" vor. Zwar wolle die Kirche den Eindruck erwecken, die Missbrauchsfälle aufklären zu wollen, jahrelang habe sie Opfer aber unter Druck gesetzt oder mit Geld zum Schweigen gebracht. Der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) mit Sitz im hessischen Rodgau kümmert sich vor allem um Menschen, die als Kinder in Heimen Opfer von Gewalt oder sexuellem Missbrauch geworden sind. Für diese fordert der VEH seit Jahren eine Entschädigung.

Freiburger soll Jesuiten leiten

Der Generalobere der Jesuiten in Rom, Adolfo Nicolás, hat Stefan Kiechle zum neuen Provinzial der Deutschen Provinz ernannt. Er wird turnusgemäß am 1. September die Nachfolge Stefan Dartmanns antreten, der seit 2004 die vereinte Deutsche Provinz mit Sitz in München leitet.

Der 49-jährige gebürtige Freiburger Stefan Kiechle trat nach Studien der Theologie in Freiburg und Jerusalem 1982 in die Gesellschaft Jesu ein. Seit 2007 leitet er die Beratungsstelle "Offene Tür" in Mannheim, parallel dazu ist er Oberer der dortigen Jesuitenkommunität, hat mehrere Lehraufträge und gibt Exerzitienkurse. Mit Blick auf die kommenden Aufgaben sagte Kiechle: "Wir Jesuiten werden nach den schweren Erschütterungen der letzten Wochen hart arbeiten müssen, um das Vertrauen, das wir auch in der Krise gespürt haben, neu zu rechtfertigen. "

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Autor: dpa/BZ