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18. Dezember 2009
Meilenstein hier, Stillstand da
RVF-Fahrgastbeirat Süd lobt die Bemühungen von Neuenburg um den öffentlichen Personennahverkehr, Kritik gibt’s an Müllheim
MÜLLHEIM / NEUENBURG AM RHEIN. Nach dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember zieht der RVF-Fahrgastbeirat Süd eine gemischte Bilanz. Die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke zwischen Müllheim und Neuenburg feiert er als "Meilenstein", das Neuenburger Buskonzept wird gelobt, während die Stadt Müllheim harsche Kritik einstecken muss: Hier herrsche in Sachen öffentlicher Personennahverkehr "Stillstand seit einem halben Jahrzehnt".
Die am vergangenen Sonntag wieder aufgenommene Zugverbindung von Neuenburg nach Müllheim wird von den Sprechern des RVF-Fahrgastbeirates Süd in ihrer Pressemitteilung sehr gelobt. Ebenso das damit einhergehende neue Buskonzept Neuenburgs, das nun stark auf den Bahnhof Neuenburg ausgerichtet ist. Die Beteiligten, das Land, die RVF, DB-Regio, die SWEG sowie die Stadt Neuenburg hätten "ein vorbildliches und zukunftsfähiges Konzept gemeinsam umgesetzt", schreibt der Fahrgastbeirat Süd. Auch die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes hebt der Fahrgastbeirat hervor.Die Neuenburger scheinen das neue Zugangebot auch anzunehmen: Laut Christoph Bechtold von der DB Regio AG sei der Fahrgastverkehr auf der Strecke sehr erfreulich angelaufen: "Die Fahrgastzahlen übertreffen schon die Erwartungen." Es habe morgens bereits Züge mit dreistelligen Fahrgastzahlen gegeben.
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Eine derart starke Veränderung in der Konzeption des öffentlichen Nahverkehrs erntet natürlich auch Kritik. Insbesondere die schlechtere Anbindung Steinenstadts an den Bahnhof Müllheim wird kritisiert, wie Harald Lang aus Neuenburg, einer der drei Sprecher des Fahrgastbeirates Süd, bestätigt. Die Direktverbindungen von Steinenstadt, Grißheim, Zienken zum Müllheimer Bahnhof sind mit dem neuen Fahrplan gestrichen worden, nun muss am Bahnhof Neuenburg umgestiegen werden. "Die Anbindung nach Müllheim ist viel umständlicher geworden", sagt Lang. Martin Behringer von der SWEG verteidigt das neue Konzept: Es habe für viele Verbesserungen mit sich gebracht – für einzelne Kunden werde es immer schlechter. Die Veränderung sei auf Wunsch Neuenburgs erfolgt, das die betreffende Linie 110 im wesentlichen finanziere, die SWEG führe die Leistung nur aus. Neuenburg habe Parallelverkehr zwischen Bus und Bahn vermeiden, den Bahnhof bedienen und das Industriegebiet stärker anbinden wollen. "Neuenburg investiert sehr viel Geld, um den ÖPNV positiv zu gestalten", so Behringer. Müllheim dagegen investiere kaum.
Auch der RVF-Fahrgastbeirat Süd findet zur Müllheimer Verkehrspolitik deutliche Worte: Man stelle fest, "dass sich die Stadt Müllheim – im Gegensatz zu Neuenburg – nach wie vor der Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs entzieht." Der Fahrgastbeirat nennt insbesondere die "notwendigen Verbesserungen der Ringlinien Süd und Nord", die nicht realisierbar seien. 2004 seien der Müllheimer Citybus, das Anrufsammeltaxi und die Kostenbeteiligung an der Ringlinie Süd ersatzlos eingestellt worden.
Der Gemeinderat habe laut Fahrgastbeirat damals beschlossen, 5000 Euro für die Erstellung eines neuen Buskonzeptes bereitzustellen und eine Arbeitsgruppe zu bilden. "Der RVF-Fahrgastbeirat Süd würde sehr begrüßen, wenn solche Beschlüsse auch zeitnah umgesetzt würden", heißt es weiter. Es sei zu wünschen, dass endlich ein optimiertes Buskonzept für Müllheim und seine Ortsteile entwickelt werde. Die Stadt sollte das im September unterbreitete Gesprächsangebot des RVF annehmen, fordern die Sprecher des Fahrgastbeirates. Ihr Fazit: In Müllheim herrsche in Sachen ÖPNV "Stillstand seit einem halben Jahrzehnt."
Schnupperfahrten: Am 23. und 24. Dezember bietet die DB den Neuenburger Bürgern ganztägig kostenlose Fahrten auf der Strecke Neuenburg-Müllheim an.
Autor: Katharina Meyer
