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18. August 2012
"Mein Ziel: Rückzug des Sendeturms"
BZ-INTERVIEW mit Schliengens Bürgermeister Werner Bundschuh über dessen skeptische Haltung zur Windkraft auf dem Blauen.
SCHLIENGEN. Das Thema Windkraft auf dem Blauen sorgt im Markgräflerland für Diskussionsstoff. Schliengens Bürgermeister Werner Bundschuh ist der erste Rathauschef des Markgräflerlandes, der sich gegenüber der Badischen Zeitung ausführlich zur Windkraft in der Region äußert. Mit ihm sprach unser Redakteur Michael Behrendt.
BZ: Herr Bundschuh, Sie als Schliengener Bürgermeister stehen den Windradplänen auf dem zum Teil zum Gemeindegebiet gehörenden Blauen bekanntlich skeptisch gegenüber, unabhängig davon, wer die Pläne vorantreibt. Warum können Sie sich nur schwer mit dieser Form der umweltfreundlichen Stromgewinnung auf dem Gipfel anfreunden?Werner Bundschuh: Der Blauen ist unser Hausberg, der Hausberg des Markgräflerlands. Er hat einen nicht zu unterschätzenden Symbolcharakter. Dichter und Maler hatten ihn zum Thema. Außerdem ist er als touristisches Ziel überaus beliebt. Dort oben große Windräder zu bauen, halte ich nicht für klug.
BZ: Der Verein Bürgerwindrad Blauen, der ja eigene Pläne zum Betrieb von Windrädern auf dem Gipfel verfolgt, argumentiert aber, dass der Blauengipfel ohnehin bereits mit einem Sendeturm und einem Hotel bebaut ist. Es sei besser, dort die Windkraft zu nutzen, als auf einem windhöffigen Gipfel, der noch weitgehend unberührt ist.
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Bundschuh: Der Sendeturm kann meiner Ansicht nach nicht als Argument für weitere großtechnische Bebauung herhalten. Die Frage muss vielmehr sein: Kann man den Sendeturm womöglich abbauen und durch noch modernere Technik ersetzen. Der Rückzug der Bebauung vom Blauengipfel ist mit Blick auf den auch touristisch wichtigen Landschafts- und Naturschutz meine Zielsetzung.
BZ: Und das Hotel dort oben?
Bundschuh: Hotel und Gastronomie bleiben außen vor. Die sind wichtig für den Tourismus.
BZ: Bürgerwindrad Blauen wird Ihre Argumente sicher zur Kenntnis nehmen, sich aber wahrscheinlich wenig beeindruckt zeigen. Georg Hoffmann, einer der Sprecher von Verein und Genossenschaft, sagte jüngst in einem BZ-Gespräch, dass am Ende Fakten zählen. Und Wind weht auf dem Blauen doch.
Bundschuh: Das Thema Windkraft auf dem Blauen wird diskutiert. Aber wir wissen derzeit nur von einer Windhöffigkeit auf dem Gipfel. Weitere Informationen haben wir nicht. Alles Weitere wird die vorgeschriebene Flächennutzungsplanung aufgrund des neuen Landesplanungsgesetzes, das den betroffenen Gemeinden eine mitentscheidende Rolle einräumt, ergeben. Und erst dann wird abgewogen: Gibt es geeignete Windkraftstandorte oder keine?
BZ: Sie legen besonderen Wert auf Natur- und Landschaftsschutz. Aber die ebenfalls umweltfreundliche Energiegewinnung durch Wind muss irgendwo hin.
Bundschuh: Wer sagt das? Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einen anderen Aspekt lenken. Nicht Energiegewinnung, sondern Energieeinsparung ist für mich das große Thema. Und: Das Ziel muss sein, dort Energie zu erzeugen, wo sie auch gebraucht wird...
BZ: Das wird sie auch um den Blauen herum.
Bundschuh: Ja, aber wir wissen auch, dass wir nicht alle Energie nutzen können, die angeboten wird. An Wochenenden beispielsweise herrscht Energieüberschuss. Deshalb ist auch das Thema Energiespeicherung wichtig.
BZ: Mit anderen Worten: Windenergie, zumal auf dem Blauen, ist für Sie verzichtbar.
Bundschuh: Die Landesregierung hat vor, in den nächsten zehn Jahren zehn Prozent des Strombedarfs aus Windenergie zu decken. Ich sage: Die zehn Prozent kann man auch einsparen. Wir kommen hier ohne Windkraft aus. Fotovoltaik, Geothermie und Wasserkraft sind Alternativen. Wir müssen Energie gewinnen, ohne dass man in der Natur so weitreichende Eingriffe vornimmt, wie sie uns die Windkraft bringt.
BZ: In Ihrer Position wissen Sie die Mehrheit des Gemeinderates hinter sich.
Bundschuh: Am 2. September 2011 hat sich der Schliengener Gemeinderat mit großer Mehrheit gegen die Windkraftnutzung auf dem Blauen ausgesprochen. Dieser Beschluss ist derzeit bindend. Wohl wissend, dass das Land durch Gesetzgebung ...
BZ: ... das neue Landesplanungsgesetz ...
Bundschuh: ... durch Gesetzgebung Gemeinden verpflichtet, Standorte für Windkraftanlagen auf ihren Gemarkungen zu suchen. Sollten wir tatsächlich während der Flächennutzungsplanung auf mögliche Standorte kommen, dann muss neu entschieden werden.
BZ: Das heißt, an der Zielsetzung des Landes kommt die Gemeinde Schliengen gegebenenfalls nicht vorbei.
Bundschuh: So ist es.
BZ: Wie beurteilen Sie denn die Vorgehensweise von Bürgerwindrad Blauen?
Bundschuh: Es ist legitim, für die Ideen von Bürgerwindrad zu werben. Mir ist es recht, wenn sich Bürger, Bürgergenossenschaften und andere Formen der Bürgerbeteiligung des Themas annehmen. Ich weise aber darauf hin, dass es derzeit noch gar keine Windkraftstandorte gibt und wir nur pauschal über Baukosten reden. Um seriös vorzugehen, müssen wir zunächst am diskutierten Standort ein Messwindrad aufbauen und in einer realitätsnahen Höhe – 100 Meter oder mehr – ein Jahr lang die Windhöffigkeit messen. So schaffen wir eine Datengrundlage. Außerdem ist mir noch ein anderer Punkt wichtig: Sollten nach einem korrekten planerischen Vorgehen Windkraftanlagen im Markgräflerland möglich sein, dann muss mit einem entsprechenden Beschluss auch die Frage der Entsorgung beantwortet werden. Kein Windrad steht ewig. Da müssen – auch wegen der Kosten – klare vertragliche Regelungen vorgelegt werden. Die Entsorgung darf nicht beim Grundstückseigentümer hängen bleiben.
BZ: Ist von Windkraft im Markgräflerland die Rede, wird weitgehend nur vom Blauen gesprochen. Wo gäbe es denn noch Möglichkeiten?
Bundschuh: Da wären sicher Standorte denkbar. Etwa der Bereich Ameisenbuck auf Obereggener Gebiet oder Rüttenen auf der Gemarkung Niedereggenen.
WERNER BUNDSCHUH
Werner Bundschuh ist 60 Jahre alt und seit nunmehr 23 Jahren Bürgermeister von Schliengen. Zuvor war er Büroleiter des ehemaligen CDU-Landsvorsitzenden Lothar Späth. Der im nordbadischen Hardheim geborene Bundschuh ist verheiratet und hat drei inzwischen erwachsene Kinder.
Autor: mib
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