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17. August 2012

"Meine Musik ist wie Malen"

BZ-INTERVIEW: Howe Gelb kommt mit seiner Band Giant Giant Sand ins Freiburger Jazzhaus.

  1. Ziemlich große Gruppe: Giant Giant Sand mit Howe Gelb in der Mitte Foto: Pro

Gegründet hat er seine Band vor 32 Jahren: Mit Giant Sand und ihrer gerne als Wüstenrock bezeichneten Musik setzte Howe Gelb die US-Stadt Tucson auf die kulturelle Landkarte. Jetzt hat er die Gruppe um Streicher und Bläser erweitert und nennt sie Giant Giant Sand. Mit dem neuen Album "Tucson – A Country Rock Opera" kommt sie am nächsten Montag ins Jazzhaus Freiburg. Zuvor sprach Alfred Rogoll mit Howe Gelb.

BZ: Mister Gelb, warum bezeichnen Sie Ihre neue CD im Untertitel als eine "Country Rock Opera"?
Howe Gelb: Ich mag die Idee eines Albums, das sich selbst erklärt. Durch eine Story, die alle Songs verbindet. Statt allerdings zuerst die Geschichte zu schreiben, nahmen wir probeweise einige Songs auf, dann wollte ich sehen, ob es möglich ist, sie zu verbinden. Erst kam also die Band zusammen und danach schrieb ich die Story.
BZ: Skizzieren Sie uns die Tucson-Story?
Gelb: Jemand sucht die Freiheit und verlässt dafür seine Welt. Er kommt nicht sehr weit, muss gar ins Gefängnis. Weniger frei als je zuvor, lernt er im Gefängnis innerlich frei zu sein. Da beginnt das Ende der Welt, die Gefängnismauern fallen, während die Erde ihre Rotation wechselt, und er kann hinaus. Und das spielt in Tucson, weil ich hier seit 40 Jahren lebe.

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BZ: Für die Opera ist die Band mächtig angewachsen.
Gelb: Wir sind jetzt zwölf Musiker, sechs aus Arizona und sechs aus Dänemark. Fünf der Dänen haben schon in den letzten zehn Jahren mit Giant Sand gespielt. Die Neuen in der Band kommen aus Tucson, alle sehr jung, alle sehr gut, alle Songwriter.
BZ: Wie kamen denn Dänen in Ihre Band?
Gelb: 1991 traf ich auf Tour eine Dänin – die meine Frau wurde. Später war ich deshalb oft in Dänemark, spielte da mit Leuten – und so kamen wir zusammen.
BZ: Wie kommt der spanisch gesungene Song "Caranito" aufs Album?
Gelb: Einige der Bandmitglieder wie Brian Lopez, Gab’ Sullivan und Jon Villa sind Mex-Americans, sie kommen aus mexikanischen Familienlinien. Sie sind 25 oder 30 Jahre jünger als ich und entdeckten diese Cumbia-Musik aus den 60er Jahren in Peru. "Carinito" spielten wir mit unseren Dänen zusammen, und es hat sofort geklappt. Das Stück war der Ritterschlag für die neue Band.
BZ: Wie kamen Sie eigentlich zur Musik, wie war das in Ihrer Familie?
Gelb: Ich weiß nicht, warum ich anfing. Keiner in meiner Familie machte Musik. Doch als ich jung war, entspannte mich Musik. Mit 12 oder 13 versuchte ich Klavier zu spielen, konnte es aber nicht. Es hörte sich ganz anders an, als die Musik die ich liebte. Einmal hörte ich ein elektrisches Klavier, von den Doors, ging ins Geschäft und wollte die Platte kaufen. Ich kann mich aber nur noch an den Titel des Songs erinnern: "Light My Fire". Sie verkauften mir Jose Felicianos Version. Ich zahlte soviel Geld für die Scheibe – ohne dieses elektrische Klavier.
BZ: Was haben Sie noch so gehört?
Gelb: Während meine Eltern früher viel Frank Sinatra und Dean Martin hörten, hatte ich mit 12 oder 13 einen Radiowecker, mit 14 dann eine Stereoanlage. Da lief Led Zeppelins "IV", von den Rolling Stones "Sticky Fingers" und Crosby, Stills, Nash & Youngs "Four Way Street". Auch Neil Youngs "Everybody Knows This Is Nowhere" oder Bob Dylans "Greatest Hits Volume II". Dauernd spielte ich davon "Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again". Und dann lief vor allem David Bowies "Ziggy Stardust".
BZ: Was mögen Sie an ihm?
Gelb: Er ist unheimlich clever. Alle seine Alben sind großartig, auch die Art, wie er sich so total in andere Gestalten transformierte. Und ich denke, seine "Ziggy Stardust"-Platte ist ganz oben auf der Liste. Da hörst Du eine Rock Opera, obwohl das nie so deklariert wurde.
BZ: Wie ist es mit schwarzer Musik?
Gelb: Ich kaufte aus der Wühlkiste für 1,99 Dollar Blues von Champion Jack Durpree, Memphis Slim und Otis Spann. Auch Jazz von Tommy Flanagan, Ahmad Jamal und McCoy Tyner. Dann endlich stolperte ich über Thelonious Monk – und hatte gefunden, was ich suchte.
BZ: Wie fanden Sie bei alldem später zu Ihrem eigenen Stil?
Gelb: Eigentlich versuchte ich immer zu malen, aber ein Problem mit einem Auge hinderte mich daran. Und Musik machen ist irgendwie wie Malen. Meine Alben sind schon immer Kombinationen von verschiedener Musik, sie klingen wie Filmmusik. Ich liebe alte Country-Musik, Punk-Rock und echten, alten Jazz der Bebop-Ära.

CD: Giant Giant Sand, Tucson – A Country Rock Opera (Fire Records/Cargo). Konzert: Freiburg, Jazzhaus, Mo, 20. August, 20 Uhr, BZ-Kartenservice 0761/496 8888.

Autor: rog