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14. November 2008
Meine Wunschschule
Ob Gesamtschule, Ganztagsunterricht oder Zentralabitur – ein Systemwechsel ist überfällig / Von Max Gallien
Nun machen einen neun Jahre am Gymnasium nicht zum Bildungsexperten. Aber wenn man mit ansieht, was für Kunststücke Lehrer und Direktor an der eigenen Schule vollbringen, um aus dem Vorhandenen das Beste zu machen, wird doch eines klar: Wir brauchen eine Systemdebatte. Wir brauchen eine andere Schule – eine Schule, die den neuen, an sie gestellten Herausforderungen gewachsen ist.
Meine Wunschschule sähe folgendermaßen aus: Erstens wäre sie eine Gesamtschule. Es ist ein Irrtum, dass das dreigliedrige Schulsystem der Individualität der Schüler entspricht – es presst sie nur durch drei verschiedene Schablonen und untergräbt zudem die soziale Mobilität und damit eine der Grundsäulen unserer Gesellschaft.
Nach englischem und amerikanischem Vorbild muss Individualität nicht durch eine Schulform, sondern innerhalb des Schulhauses praktiziert werden, am besten durch ein breites und altersübergreifendes Angebot aus Kursen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.
Zweitens wäre meine Wunschschule eine Ganztagsschule – aber eine echte! Keine Schule, die deshalb eine Ganztagsschule ist, weil schon Fünftklässler bis zu zehn Schulstunden Unterricht haben, sondern eine Ganztagsschule, die durch ihre vielfältigen akademischen, sportlichen und sozialen Freizeitangebote die zusätzliche Erziehungsverantwortung, die immer mehr auf sie übertragen wird, auch übernehmen kann, und zudem auch Kindern aus bildungsferneren oder ärmeren Elternhäusern die Chance gibt, sich voll zu entfalten. Auch wenn einige Schulen, oft durch ehrenamtliche Arbeit, hier schon Beachtliches tun, müsste dies dennoch ausgebaut werden.
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Drittens wäre meine Wunschschule in der Hand des Bundes, um so bessere Vergleichsmöglichkeiten und Standards zu schaffen. Dass wir in Deutschland immer noch nicht in der Lage sind, ein bundesweites Zentralabitur zu organisieren, ist ein Witz, über den irgendwie niemand lachen will.
Viertens wäre der Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterricht ein zentraler Punkt an meiner Wunschschule. Eine Demokratie lebt nun einmal von der politischen Bildung und Urteilsfähigkeit ihrer Bürger. Der Geschichtsunterricht müsste deshalb auch stärker auf internationale Themen eingehen und sich zudem mehr mit der Zeit nach 1945 auseinandersetzen. Es darf nicht sein, dass wir das Thema Zweiter Weltkrieg mit der Moral "Nie wieder" abschließen und alle darauf folgenden Völkermorde einfach weglassen. Oder dass Schüler zwar Robespierre kennen, aber die Namen Gorbatschow und Ho Chi Minh noch nie gehört haben.
Fünftens müsste an meiner Wunschschule eine effiziente und konsequente Lehrerevaluation möglich sein. Nichts liegt mir ferner, als auf meinen Lehrern herumzuhacken. Die allermeisten von ihnen leisten unter nicht immer einfachen Umständen großartige und vor allem unglaublich wichtige Arbeit. Aber gerade weil diese Arbeit so wichtig ist, können wir uns keine schwarzen Schafe mit Beamtenstatus leisten.
All diese Vorschläge für eine "Wunschschule" mögen sehr vage und unvollständig erscheinen. Und das sind sie auch. Eines kann man jedoch mit absoluter Sicherheit über meine Wunschschule und einen Systemwechsel insgesamt sagen: das wird Geld kosten.
Doch wir können nicht nur über Systeme reden, wir müssen auch darüber reden, wie gut wir diese Systeme finanzieren, und darüber, dass wir im Moment im europäischen Vergleich eher wenig für Bildung ausgeben. Und nicht zuletzt darüber, dass uns das früher oder später teuer zu stehen kommen kann.
Unser Autor Max Gallien, 18,
besucht die 13. Klasse am Faust-Gymnasium in Staufen
Autor: Max Gallien
