Medienbranche

"taz" pixelt Werbung auf Sportfotos – gute Idee oder weltfremd?

Christina Hofmann

Von Christina Hofmann

Mi, 24. August 2011 um 18:41 Uhr

Debatte

Die Berliner "taz" hat entschieden: Sie macht Sponsorenlogos auf Sportfotos unkenntlich. Unternehmen sollen keinen Raum für kostenlose Anzeigen haben, die Leser nicht weiter davon behelligt werden. Ist der Fall wirklich so einfach?

In ihrem "Hausblog" schreibt die "taz":"Auf einem ganz normalen Sportfoto sind im Schnitt zwei bis drei Logos zu sehen, manchmal auch sieben oder acht. Die werden einfach so abgedruckt. Das geschieht unentgeltlich." Das stört die Redaktion. Aber auch aus ästhetischen Gründen lehnt sie Fotos ab, die mit Logos zugepflasterten Sportler vor blinkenden Werbebanden im Stadion zeigen. Deshalb wird nun verfremdet, was die Bildbearbeitungssoftware hergibt. Das Ergebnis: Die Brust des Bayern-Stürmers Mario Gomez schmückt ein dicker schwarzer Balken. Das Trikot eines Eishockeyspielers ist bis zur Unkenntlichkeit verpixelt. Sponsorenlogos sind nicht mehr zu erkennen.

Gute Idee oder weltfremd?

Die Reaktionen in der Branche sind unterschiedlich. "Gut gebrüllt kleiner Löwe", kommentiert der ehemalige "Bild-am-Sonntag"-Chefredakteur Michael Spreng die Aktion gegen "parasitäre Werbung": "Die Werbelogos auf Vereinstrikots und Sportlerkleidung, die häufig die Bildinformation erschlagen, sind wirklich ein Ärgernis."

"Der Leser steht im Mittelpunkt und der will ein authentisches Sportbild haben", sagt dagegen Thomas Fricker, stellvertretender Chefredakteur der Badischen Zeitung. Sponsorenlogos ausblenden zu wollen sei weltfremd, sie spiegelten die Realität wieder, auch wenn sie manchmal nervig seien.

"Nur wer dem Sirenengesang der Werbung widersteht, ist ein mündiger Bürger", begründet die "taz" ihren Vorstoß. Wie passt dazu, dass die "taz" Werbung in ihrer Onlineausgabe in der gedruckten Ausgabe inklusive des Sportteils erlaubt? Ist das Konzept wirklich durchdacht? Darf eine Zeitung ihrem Publikum vorschreiben, welche Werbung er sehen darf und welche nicht – das Markenzeichen des Sportausrüsters Adidas, die drei Streifen auf Trikots und Schuhen, werden zum Beispiel nicht verfremdet. Oder ist es gut, dass ein Medium anfängt, sich der kommerziellen Logo-Flut in den Weg zu stellen?