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24. August 2011 18:41 Uhr

Medienbranche

"taz" pixelt Werbung auf Sportfotos – gute Idee oder weltfremd?

Die Berliner "taz" hat entschieden: Sie macht Sponsorenlogos auf Sportfotos unkenntlich. Unternehmen sollen keinen Raum für kostenlose Anzeigen haben, die Leser nicht weiter davon behelligt werden. Ist der Fall wirklich so einfach?

  1. Die „Tageszeitung“ aus Berlin macht Ernst: Sie macht Sponsorenlogos auf Sportlertrikots und Badenwerbung unkenntlich. Foto: Dominic Rock

In ihrem "Hausblog" schreibt die "taz":"Auf einem ganz normalen Sportfoto sind im Schnitt zwei bis drei Logos zu sehen, manchmal auch sieben oder acht. Die werden einfach so abgedruckt. Das geschieht unentgeltlich." Das stört die Redaktion. Aber auch aus ästhetischen Gründen lehnt sie Fotos ab, die mit Logos zugepflasterten Sportler vor blinkenden Werbebanden im Stadion zeigen. Deshalb wird nun verfremdet, was die Bildbearbeitungssoftware hergibt. Das Ergebnis: Die Brust des Bayern-Stürmers Mario Gomez schmückt ein dicker schwarzer Balken. Das Trikot eines Eishockeyspielers ist bis zur Unkenntlichkeit verpixelt. Sponsorenlogos sind nicht mehr zu erkennen.

Gute Idee oder weltfremd?

Die Reaktionen in der Branche sind unterschiedlich. "Gut gebrüllt kleiner Löwe", kommentiert der ehemalige "Bild-am-Sonntag"-Chefredakteur Michael Spreng die Aktion gegen "parasitäre Werbung": "Die Werbelogos auf Vereinstrikots und Sportlerkleidung, die häufig die Bildinformation erschlagen, sind wirklich ein Ärgernis."

Werbung


"Der Leser steht im Mittelpunkt und der will ein authentisches Sportbild haben", sagt dagegen Thomas Fricker, stellvertretender Chefredakteur der Badischen Zeitung. Sponsorenlogos ausblenden zu wollen sei weltfremd, sie spiegelten die Realität wieder, auch wenn sie manchmal nervig seien.

"Nur wer dem Sirenengesang der Werbung widersteht, ist ein mündiger Bürger", begründet die "taz" ihren Vorstoß. Wie passt dazu, dass die "taz" Werbung in ihrer Onlineausgabe in der gedruckten Ausgabe inklusive des Sportteils erlaubt? Ist das Konzept wirklich durchdacht? Darf eine Zeitung ihrem Publikum vorschreiben, welche Werbung er sehen darf und welche nicht – das Markenzeichen des Sportausrüsters Adidas, die drei Streifen auf Trikots und Schuhen, werden zum Beispiel nicht verfremdet. Oder ist es gut, dass ein Medium anfängt, sich der kommerziellen Logo-Flut in den Weg zu stellen?

Autor: Christina Hofmann


15 Kommentare

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Ammar Ulabi™  

Ammar Ulabi™

Registriert seit: 08.05.2009

Kommentare: 3993

24. August 2011 - 19:03 Uhr

Eine gute, aber sehr denkwürdige Idee. Ich unterstelle ein dahinter ins Leben zu rufende neue Geschäftsmodell. Man muss nur ein bis zwei Fotografen mehr losschicken und dann aus noch mehr Bildmaterial aussuchen lassen, welcher der mit abgelichteten "Co-Sponsoren" gegen Entgelt mit dabei sein darf. Der Meistbietende kommt dann mit ins Boot.

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Veronika Wieler

Registriert seit: 10.06.2011

Kommentare: 263

24. August 2011 - 19:22 Uhr

Na da will die "taz" wohl von den Sponsoren der Sportler auch noch Geld sehen...
Ich find es albern diese Werbelogos zu entfernen. Ein schwarzer Balken sieht übrigens auch nicht besser aus als ein Logo und ob ich mich von solchen Werbelogos beeinflussen lasse oder nicht, kann ich immer noch selbst entscheiden, dafür brauche ich keine Zeitung, die mir vorschreibt, welche Werbung ich sehen darf und welche nicht.

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Ulrich Schulze

Registriert seit: 03.05.2011

Kommentare: 273

24. August 2011 - 19:29 Uhr

Man stelle sich vor: SZ, Stern, FAZ, Spiegel, ach: alle, auch die BZ und die öffentlich-rechtlichen Sender kämen auf die Idee, des Likörfabrikanten Mast aus Wolfenbüttel im Jahre 1968 inszenierte Trikotwerbung samt den später entwickelten Bannern und Lichtkreisen auf dem Rasen zu verbannen - ach wie schön wäre es, und wie utopisch ist der Gedanke. Gleichwohl: die taz hat (mal) recht, folgen wir doch einfach mal nicht jeder Shizophrenie. Und an die, die jetzt sagen, der Sport lebe sonst nicht, er brauche Sponsoren: er lebte früher auch.

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Philipp Weingardt

Registriert seit: 16.07.2010

Kommentare: 131

24. August 2011 - 20:52 Uhr

bullshit ... kleine vereine haben doch eh das problem, dass sie viel zu wenig sponsoren haben. durch weniger medienpräsenz, werden die auch noch abspringen. ich denke mal, jeder verein wäre froh, hätte er nur ein ein bis zwei werber auf seinem trikot, welche die gleiche summe an sponsorengeld bringen, wie z.b. sechs oder sieben. gerade die randsportarten haben dann keine chance mehr gelder zu akquirieren.

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Ulrich Schulze

Registriert seit: 03.05.2011

Kommentare: 273

24. August 2011 - 21:23 Uhr

@ Phillip Weingart u.a. : ja, da haben Sie schon recht - mit den Randsportarten. So lange aber Timo Boll als Weltklasse-Tischtennis-Spieler wenige tausend Euro als Siegerprämie erhält - ein Betrag, für den Basti beim FCB nicht mal zum Training führe - solange ist das alles graue Theorie. Gebt diesen großen Sportlern der "Randsportarten" - Thema: Grundversorgung- im Fernsehen und sonst eine Bühne, dann können wir neu diskutieren über die Banden- und Trikotwerbung. Was aber derzeit geschieht ist nichts anderes als Lobby-Sponsoring durch das TV und die entsprechenden Firmen für Schuhe, Leibchen, Höschen.

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Ulrich Schulze

Registriert seit: 03.05.2011

Kommentare: 273

24. August 2011 - 22:12 Uhr

@ amar ullabi: hatte amar ulabi bedacht, wieviele dies hier lesen? ist jedes outing gerechtfertigt?

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Peter Masterson

Registriert seit: 20.07.2010

Kommentare: 139

25. August 2011 - 08:01 Uhr

"Der Leser steht im Mittelpunkt und der will ein authentisches Sportbild haben", sagt dagegen Thomas Fricker"

Das sehe ich genauso.

"Nur wer dem Sirenengesang der Werbung widersteht, ist ein mündiger Bürger", begründet die "taz" ihren Vorstoß"

Wie kann ich dem "Sirenengesang der Werbung" widerstehen, also zum mündigen Bürger werden, wenn ich die Werbung nicht einmal zu Gesicht bekomme? Oder anders gefragt: macht es mich zum mündigen Bürger, wenn ich noch stärker gefilterte, vorgekaute und in diesem Fall sogar zensierte Informationen erhalte, als dies ohnehin bisher schon der Fall war?

Wohl kaum. Mündig bin ich, wenn ich die Freiheit habe, selbst zu entscheiden (im legalen Rahmen), was ich lesen, sehen oder geistig ausblenden möchte und mit dieser Freiheit umzugehen weiss. Ich finde, trifft das Gegenteil zu: Durch diese sinnlose Aktion werde ich ENTmündigt!

Ich sehe eine ähnliche Entwicklung wie Herr Ulabi bevorstehen: Gegen eine "geringe Gebühr" werden die Sponsoren wohl in der Taz ihre Werbelogos wieder freischalten lassen können.

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Gelöschter Nutzer #825948

Registriert seit: 08.09.2010

Kommentare: 185

25. August 2011 - 09:50 Uhr

Meine Meinung: ich habe nichts gegen dieses Aktion - halte sie aber gleichfalls für auch für unnötig. Mich nerven die Logos nicht...mich überzeugen sie aber auch nicht. Will heißen: es ist mir schnuppe.
Was mich viel mehr nervt, sind "Zwangs-Pop-up-Fenster" im Online-Bereich: derzeit hier bei der BZ ganz aktuell: Peugeot knallt seine Werbefenster direkt vor den Beitrag...das nervt entsetzlich. Meine Reaktion darauf: ich suche gerade in anderen Online-Portalen nach Alternativen zu BZ-online...und entwickle parallel dazu langsam aber stetig eine Abneigung gegen Peugeot.

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Markus Hofmann (BZ)  

Markus Hofmann (BZ)

Registriert seit: 07.05.2009

Kommentare: 247

25. August 2011 - 12:29 Uhr

Lieber Michael Jung,

ich fürchte, die von Ihnen angesprochenen Zwangs-Pop-up-Fenster zu verpixeln, dürfte für Sie keine zufriedenstellende Lösung sein...

Aber Spaß beiseite: Ich kann Ihre Kritik vollauf nachvollziehen und habe sie an unsere Kollegen aus der Vermarktung weitergeleitet. Diese Banner sind wirklich sehr störend bei der Nutzung der Website.

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Peter Masterson

Registriert seit: 20.07.2010

Kommentare: 139

25. August 2011 - 12:44 Uhr

"Diese Banner sind wirklich sehr störend bei der Nutzung der Website."

Das unterschreibe ich sofort!

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Mirko Jäger

Registriert seit: 24.01.2011

Kommentare: 869

25. August 2011 - 12:51 Uhr

Von welchen Bannern ist hier denn die Rede?

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Markus Hofmann (BZ)  

Markus Hofmann (BZ)

Registriert seit: 07.05.2009

Kommentare: 247

25. August 2011 - 12:54 Uhr

Ich denke, Herr Jung meint die sogenannte "Banderole", die sich streifenartig quer über die gesamte Website legt.

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Dieter Leeb

Registriert seit: 05.03.2010

Kommentare: 535

25. August 2011 - 12:55 Uhr

Werbebanner auf den BZ-Online-Seiten? Ich sehe (fast) keine. Wirklich nicht. Muss am Browser liegen ;-)

Abgesehen davon stehe ich der Zwangsbewerbung ohnehin sehr kritisch gegenüber. Wieviel unseres Einkommens wenden wir unfreiwillig indirekt für die Finanzierung der Werbung auf? Das tun übrigens z.B. auch diejenigen Hartz4-Empfänger, die ihr Telefon beim magentafarbenen Anbieter haben und damit u.a. den FC Bayern München sponsern. Zwangsweise und letztlich von unseren Steuergeldern.

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Werner Müller

Registriert seit: 09.08.2011

Kommentare: 22

25. August 2011 - 16:26 Uhr

An und für sich begrüße ich das, denn die beworbenen Unternehmen zahlen keinen Pfennig, während die Zeitungen ums Überleben kämpfen müssen.

Der Satz mit dem "Sirenengesang" ist allerdings heuchlerisch hoch sieben, wie die taz und das gesamte linke Pressespektrum ebenso ist. Wenn sie offen zugeben würden, dass sie die Werbungen sofort wieder mit abdrucken würden, wenn Sie von jedem dieser Unternehmen eine Prämie bekämen, oder dies sogar offensiv einfordern würden - dann hätten sie Respekt verdient.

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Colin Kastrup

Registriert seit: 19.08.2011

Kommentare: 17

25. August 2011 - 18:22 Uhr

Man muss nicht nur die nervige Peugeot-Werbung sehen, sondern auch, das die BZ ihre Neuigkeiten hier umsonst anbietet auch für solche Leute, die sich die Tageszeitung nicht kaufen. Es wäre doch besser wenn man ein Abonnement hat und sich hier einloggt, dass die Werbung dann verschwinden würde. Aber naja, zurück zu der eigentlichen Debatte. Ich finde es mal ganz lustig, die Werbung zu verbannen, dennoch sieht das verpixelte Bild nicht so schön aus. Aber so viel Werbung wie im Fußball ist, sitzen die bestimmt eine halbe Stunde mit Photoshop daran. Sonderlich stören tut es mich nicht, aber die Sinnvolligkeit dieser Aktion steht doch eher in Frage.

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