Wesel und sein Wilhelm I.-Denkmal

ANGERISSEN: Der Kaiser in der Horizontalen

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 16. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Die Meldung ließe sich flapsig in eine Kurzformel gießen: Kaiser Wilhelm flachgelegt. Aber da es an dieser Stelle um den politisch korrekten Umgang mit einem Kapitel deutscher Geschichte geht, dem ambivalente Gefühle entgegengebracht werden, hier das Ganze ohne irgendwelche Untertöne: Die Stadt Wesel zeigt ein nach dem Zweiten Weltkrieg demoliertes Denkmal Kaiser Wilhelm I. (1797–1888) wieder in der Öffentlichkeit: liegend (in einer Glasvitrine zwischen Preußen-Museum und Zitadelle) und unrestauriert (mit lädierter Nase, ohne Pickel auf der Haube).

Seit den 50er-Jahren wurde in der ehedem preußischen Garnisonsstadt am Niederrhein erbittert darüber gestritten, ob das, Agenturmeldungen zufolge, 2,65 Meter hohe, drei Tonnen schwere majestätische Monstrum aus weißem Marmor wiederaufgestellt werden solle. Mit dem nun erzielten Kompromiss sind offenbar alle Seiten einverstanden: Befürworter wie der Bauunternehmer Ernst Joachim Trapp, der den alten Kaiser Wilhelm gleichwohl lieber in der Vertikale gesehen hätte, und die SPD-Oberbürgermeisterin Ulrike Westkamp: Damit "kann ich leben". Nun ist nicht bekannt, ob die Stadtoberhäuptin darob gleich für den Bundesvorsitz ihrer Partei kandidieren will. Und auch nicht, ob das Beispiel Schule machen sollte. Anstatt das umstrittene Siegesdenkmal in Freiburg mit Info-Tafeln auszustatten, hätte man es ja einfach hinlegen können. Überhaupt: Sollte man, um seiner politischen Korrektheit Ausdruck zu verleihen, nicht sämtliche Feldherren und Monarchen aus Marmor und Bronze der Horizontale anvertrauen? Die Diskussion ist eröffnet.