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07. März 2009

Wie man eine Nachricht platziert

ANGERISSEN: Richtiges Medium, passende Zeit

Wollen Sie auch mal groß rauskommen in der Politik? In allen Zeitungen stehen und allen Radio- und TV-Nachrichten laufen? Dann müssen Sie es machen wie Thomas Volk. Schon mal gehört? Nein? Macht nichts. Wir hätten ihn auch gerne vergessen, wenn er uns nicht ein zweites Mal genarrt hätte.

Thomas Volk, Nachwuchsnobody der CDU, schaffte zweimal mit Nonsens den Sprung in die Schlagzeilen. So tat er sich unlängst mit der Idee hervor, Lehrer sollen einen Abi-Schnitt von 2,0 haben. Gut zwei Monate zuvor forderte er, den Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes nur denen zu gestatten, die Kirchensteuer zahlen. Bei der intellektuellen Qualität der Äußerungen brauchen wir uns nicht lange aufzuhalten. Darauf kommt es auch nicht an. Entscheidend ist: Alle reden darüber. Um das zu erreichen, braucht man nur die richtigen Kontakte, das richtige Medium – und, noch wichtiger, den richtigen Zeitpunkt. Da war Volk mit der Bild bestens beraten. Denn die platzierte den Weihnachts-Unfug professionell und punktgenau an den Tag vor Heiligabend. Schwupps, die Nachricht war geboren. Manche Politiker bringen es darin zu wahrer Kunst. Sie liegen am Wochenende oder vor Feiertagen wie Jäger auf der Lauer. Und wenn es ganz ruhig ist, kein Flugzeug abstürzt, kein G-8-Gipfel stattfindet, kein Orkan die Bäume knickt, dann holen sie ihre Sau raus und jagen sie durch die Republik.

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Weil nun gar niemand Thomas Volk kennt, ist seine absurde Weihnachtsidee von den Nachrichtenmachern noch "veredelt" worden. Und das geht so: Da Volk als baden-württembergischer Vorsitzender der CDU-nahen Studentenorganisation RCDS automatisch Mitglied des CDU-Landesvorstands ist, wird er in seiner zweiten Funktion beschrieben. Man hebt ihn dadurch auf eine höhere politische Ebene. Nach diesem ersten Veredelungsschritt kommt der zweite, wichtigere: Man befragt Prominente dazu. In diesem Fall waren es vor allem Kirchenleute. Die sagen natürlich alle das Gleiche: Blödsinn, Quatsch, … doch es sind O-Töne, Originalzitate. Und so schwillt das Thema im Laufe des Tages an. Mittags sind es noch die Bischöfe der Landeskirchen, abends sieht sich der EKD-Vorsitzende höchstselbst genötigt, sein "abwegig!" ins Mikro zu schmettern. Es entsteht ein Sog, dem sich kaum ein Medium entgegenstemmen kann.

Den zweiten Mediencoup, der – wie der erste – schon am Erscheinungstag seine politische Halbwertszeit überschritten hatte, landete Volk am Rosenmontag, also auch an so einem nachrichtenarmem Tag. Wir sind also gewarnt, denn Ostern kommt so sicher wie eine neue Idee des – wie hieß er doch gleich? Ist ja egal. Wir wollten ihn sowieso vergessen.

Autor: Karl-Heinz Fesenmeier