Ulrich Khuons Medienoffensive

ANGERISSEN: Theater heute? Jetzt erst recht

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 23. Februar 2018

Theater

Wenn der Präsident des Deutschen Bühnenvereins zur Medienoffensive ansetzt, brennt es entweder lichterloh. Oder die Zeit ist reif für Botschaften. Ulrich Khuon (67), seit einem Jahr Präsident der Dachorganisation der deutschen Theater, selbst Intendant des Deutschen Theaters Berlin und vor Jahrzehnten Mitarbeiter des BZ-Kulturressorts, wird gerade nicht müde, die Bedeutung der Institution Bühne in der aktuellen Krisenlandschaft hervorzukehren: als "radikal sozialer Ort", wie er im Interview mit dem Zeit-online-Portal bedeutet. Und als Institution, die immer wichtiger werde "in der schlingernden Fahrt, die wir gerade erleben". Khuons Conclusio: "Ich glaube auf keinen Fall an einen Bedeutungsverlust des Theaters", so geäußert im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Nun kann man sagen, da spricht der Zweckoptimist. Dem die eigene Zuversicht postwendend um die Ohren fliegt, wie durch den Online-Kommentator, der als Reaktion auf das Zeit-Interview schrieb: "Zur Erinnerung: In Deutschland haben Kino 122 Mill. und Theater 21 Mill. Zuschauer." Doch die Reaktion auf das Totschlagargument im selben Blog zeigt, dass Hoffnung angebracht ist: "Tut nur nichts zur Sache." Und: "Wer meint, dass Theater synonym mit dem ‚Herausschmeissen von Geld anderer Leute‘ sei, der disqualifiziert sich selbst." In der Tat: Kulturelle Institutionen gegeneinander auszuspielen, ist ebenso wenig hilfreich, wie die Kulturfördermittel der Öffentlichen Hand pauschal in Frage zu stellen. Was mit Gesellschaften passiert, die Zensur, ideologischer Willkür und kulturellem Kahlschlag ausgeliefert sind, lässt sich derzeit weltweit beobachten. Weil ein Raum fehlt, in dem Urteile, Vorurteile und Werte kritisch erörtert werden können. Das Theater kann ein solcher sein.

Khuon hat recht. Der Parlamentarismus allein scheint derzeit keine Garantie mehr für den Schutz der Demokratie zu sein. Der Stellenwert des Theaters könnte somit deutlich wachsen: als politische und als moralische Anstalt. Vorausgesetzt, es schließt nicht zu viele vom Mitdenken aus. Und, vorausgesetzt: Es lässt sich nicht reduzieren auf ein Diskussionsforum. Denn, und das ist die große Stärke von Theater, neben seiner Unmittelbarkeit: Es wirkt auch über Emotion. Ein Blick auf die Großen, der die deutsche Bühne ihren Siegeszug zu verdanken hat, lohnt: "Die Schaubühne allein kann unsre Schwächen belachen." Sagt Schiller. Ulrich Khuon sollte darin mit ihm einig sein.