Sonderbotschafter

Boris Becker, der Diplomat

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Mo, 18. Juni 2018 um 11:20 Uhr

Panorama

Der von Finanzsorgen geplagte frühere Tennisprofi Boris Becker versucht mit unkonventionellen Mitteln, sich seinen Gläubigern zu entziehen. Selbst sein Anwalt nennt das Vorgehen ungewöhnlich.

Boris Becker, der einst als Tennisprofi Millionen verdient hat und nun in London in der Insolvenz steckt, beruft sich als eine Art Sonderbotschafter in Diensten der Zentralafrikanischen Republik auf diplomatische Immunität. Die Justiz Ihrer Majestät, glaubt Becker, könne ihm nichts anhaben.

Der 50-jährige Deutsche gibt an, er habe vor sieben Wochen das Amt eines Attachés für Sport, Kultur und humanitäre Fragen bei der Europäischen Union angetreten. Ob sich die an Diamanten, Gold und Uran reiche Nation in der Mitte Afrikas, deren Bevölkerung gleichwohl zu den ärmsten der Welt zählt, mit Becker mehr Aufmerksamkeit bei der EU verspricht? In der Brüsseler Botschaft habe man für den neuen Attaché bereits ein Büro reserviert, berichtet der Guardian. Allerdings weiß nicht einmal der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik von einer Berufung des Ex-Tennisstars.

Normalerweise wohnt Becker in Wimbledon, nahe der Stätte seiner größten Triumphe. Eine seiner verbliebenen Einnahmequellen ist sein Job als BBC-Sprecher während der 14 Turniertage. Die Briten hat er mit seinen oft witzigen Kommentaren durchaus gewonnen, zugleich verfolgen sie erstaunt, wie sich Becker zuletzt in einem Chaos aus Schulden, Steueraffären und Skandalen verloren hat. Und dass er vor einem Jahr auf Betreiben der Privatbank Arbuthnot für zahlungsunfähig erklärt worden ist.

Neuerdings ist der Rotschopf jedoch überzeugt, weitere Pfändungen unterbinden und von seinen Kontrahenten sogar Schadenersatz fordern zu können. Denn laut der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen genießt Becker Immunität, die nur – auf Antrag eines anderen Boris ausgesetzt werden könnte: durch Außenminister Johnson.

Becker nennt das gegen ihn "von einem Haufen anonymer Banker und Bürokraten" angestrengte Verfahren "ungerecht und unfair". Auf sein Amt im Dienste Afrikas sei er aber "mächtig stolz".