Container auf Zeit

RHEINGEFLÜSTER: Noble Geste an die Nachbarn

Agnes Pohrt

Von Agnes Pohrt

Sa, 26. Mai 2018

Breisach

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Schutz suchen vor Krieg und Vertreibung, ist seit 2015 deutlich zurückgegangen. Für Kreise und Gemeinde bedeutet dies eine große Erleichterung. Die Zeiten, in denen Flüchtlingsheime aus dem Boden gestampft und Menschen sogar in Behelfsunterkünften in Containern untergebracht werden mussten, sind glücklicherweise vorbei. Aber immer noch gibt es Engpässe. Betroffen sind vor allem die kleineren Kommunen, die nach einem vorgegebenen Schlüssel für eine mehr oder minder große Anzahl von Menschen im Rahmen der sogenannten Anschlussunterbringung Wohnungen anbieten müssen. Denn auch in den Dörfern ist mittlerweile Wohnraum knapp geworden. Die Stadt Breisach hat jetzt entschieden, dass sie dem Landkreis die Container aus der Behelfsunterkunft in der Murhau für einen symbolischen Preis abkauft. Die Stadt braucht die Fläche für die Ansiedlung von Gewerbe. Breisach muss dringend mehr Platz für Gewerbebetriebe vorhalten. Schließlich sollen die Menschen, die in die Neubaugebiete ziehen, möglichst auch in der Münsterstadt Arbeit finden. Umso bemerkenswerter ist es, dass Breisach den Nachbargemeinden Ihringen, Vogtsburg und Merdingen anbietet, dass sie bis August 2019 ihnen zugewiesene Flüchtlinge in den Containern in der Murhau unterbringen dürfen. Die noble Geste ist ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit. Breisach verschafft den Nachbarn mehr Zeit, nach Wohnraum für die Geflüchteten zu suchen. Auch als vor Jahren der Kreis in Not war, hat sich Breisach aufgeschlossen für die Aufnahme von Flüchtlingen gezeigt. Mittlerweile haben 180 Geflüchtete in der Münsterstadt eine Wohnung gefunden – das ist relativ viel. Größere Probleme mit den neuen Einwohnern gibt es in Breisach übrigens nicht, das zeigt auch die jüngst veröffentlichte Kriminalstatistik.