Strafe für Thomas Strobl

RHEINGEFLÜSTER: Schwierige Terminsuche

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

Sa, 09. Dezember 2017

Breisach

Es steht fest. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl wird seiner gerechten Strafe nicht entgehen können. Auch wenn ihn die inzwischen ja gescheiterten Berliner Sondierungsgespräche unlängst noch davon abgehalten hatten, nach Breisach zu kommen, um die von Kaiser Rudolf von Habsburg verhängte Strafe anzutreten – die Mühlen der Justiz mahlen zwar mitunter langsam, aber sorgfältig. Schließlich hat es noch für keinen der beim Breisacher Gauklerpranger Verurteilten ein Entrinnen gegeben. Nach Aussage des Zunftmeisters der Narrenzunft soll Strobl seine Strafe sogar gerne antreten, was eigentlich keine Überraschung ist. Er wird sich sicher an diesem unglückseligen Donnerstag, als das Jamaika-Projekt scheiterte, des Öfteren von der Spree an den Rhein gewünscht haben. Denn schlimmer als dem Scheitern dieser Verhandlungen beizuwohnen, hätte die Strafe in Breisach sicher nicht ausfallen können. Selbst die Vorstellung, sich am Schauplatz der Bestrafung, dem Badischen Winzerkeller, trotz seiner Liebe zum Trollinger am badischen Spätburgunder laben zu müssen, dürfte für Strobl deutlich attraktiver gewesen sein, als bei Mineralwasser und Kaffee in Berlin dem Ende eines politischen Projekts beizuwohnen. Aber auch wenn Delinquent Strobl zur Buße bereit ist, die Terminfindung wird nicht einfach werden. Sicherlich ist davon auszugehen, dass er auch bei den möglichen Gesprächen zur Bildung einer großen Koalition am Verhandlungstisch sitzen wird. Und ob diese Gespräche schnell zu einem Ende geführt werden können, darf durchaus bezweifelt werden. Nicht zuletzt muss auch eine neue Strafe gefunden werden. Festreden zum 90. Geburtstag der Narrenzunft, zu der Strobl ja bekanntermaßen verurteilt wurde, sind inzwischen zur Genüge gehalten. Aber die kreativen Köpfe der Breisacher Narren werden sich zu beiden Problemen etwas einfallen lassen. Und zur Sicherheit könnten sie Strobl auch einfach schon einmal auf den 11. 11. 2027 einbestellen. An diesem Tag feiert die Breisacher Narrenzunft nämlich ihren 100. Geburtstag. Wer weiß, in welcher politischen Position Thomas Strobl dann in Breisach vorbeischauen würde ...