Zu wissbegierig

Darum müssen sich die Zeugen Jehovas dem Datenschutz beugen

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Mo, 16. Juli 2018 um 09:33 Uhr

Panorama

Datenschützer verbieten der Endzeitsekte, die gerne an Haustüren missionieren geht, sich nach ihren Besuchen Notizen zu machen.

Als vor einigen Wochen die neue Europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft trat, da wunderte sich so mancher. Auf einmal bekam man E-Mails von Leuten, von denen man vorher noch nie gehört hatte – die aber die elektronische Postadresse irgendwoher hatten und nun fragten, ob sie die weiter nutzen dürften, um dem Adressaten einen Newsletter zu spirituellen Dingen oder Hinweise auf Hinterhofflohmärkte zukommen zu lassen. Nein danke!

Natürlich kam auch Post von Leuten, die man kannte, vom Sportverein vielleicht, der einem weiterhin Platzöffnungszeiten mitteilen, oder vom Weinhändler, der einem auch künftig neu eingetroffene Flaschen anpreisen will. Erstaunlich aber war allemal, bei wem man so auf der Liste steht. Und wer weiß, wer noch persönliche Daten gesammelt hat?

Die Zeugen Jehovas zum Beispiel. Zumindest die finnischen. Sie haben gerade einen Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof verloren. Geklagt hatte der oberste Datenschützer Finnlands. 2013, also noch zu Zeiten der alten Datenschutzrichtlinie, hatte er der Endzeitsekte, die an Haustüren missionieren geht, verboten, sich nach ihren Besuchen Notizen zu machen.

Die Zeugen hatten sich nicht nur die Namen und die Adresse der Angetroffenen aufgeschrieben, sondern auch Vermerke zu deren religiösen Überzeugungen und deren Familienverhältnissen gemacht.

Datenschutzmäßig ist das unerlaubt, sagte nun der Europäische Gerichtshof, die Betroffenen hätten ihre Einwilligung dazu geben müssen. Gut, dass das nun geklärt ist. Aber ein merkwürdiges Gefühl bleibt. Was, wenn die Zeugen Jehovas in höherem Auftrag gehandelt haben? Bekanntlich glauben sie, dass nur eine ganz bestimmte Anzahl von Gläubigen nach einer endzeitlichen Entscheidungsschlacht im Himmel zu unsterblichem Leben wiedererweckt wird. Was, wenn nun der eigene Name auf der entsprechenden Liste gestanden hätte – und aus Datenschutzgründen gelöscht worden wäre?