Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Juni 2012

Martin Halters Sprachkritik

DAS LETZTE WORT: Brangelina der Politik

  1. Foto: bz

Liegt es am Zusammenwachsen der Welt? An der unausrottbaren Lust der Journalisten, Werbetexter und Schriftsteller am geistreichen Sprachspiel? Oder steckt etwa doch ein objektiver Befund dahinter? Jedenfalls nimmt die Zahl der so genannten Kofferwörter oder Kontaminationen dramatisch zu. Das Englische (beziehungsweise Denglisch, auch so ein hässlicher Bastard) geht wie immer voran; schließlich hat Lewis Carroll das Portmanteau in "Alice im Wunderland" erfunden: Brunch vereint Breakfast und Lunch, Motel Motor und Hotel, und so ähnlich verhält es sich mit neueren Hybridbildungen wie Bollywood, Bloccupy, Arabellion, Infotainment oder auch Rehakles. Vor allem in der Mode und in der Tierwelt hat sich das Koffern epidemisch ausgebreitet. Der Labradoodle ist eine Kreuzung aus Labrador und Pudel, der Pizzly beziehungsweise Grolar halb Eisbär (Polar Bear), halb Grizzly; das Shacket kombiniert Jacket und Shirt, Jeggings sind ein Zwischending zwischen Jeans und Leggings. Wo immer zwei prominente Menschen sich verbinden, werden heute auch ihre Namen verkuppelt. Brangelina machte den Anfang; inzwischen sind auch Willkat (Prinz William und Kate) und Billary (Bill und Hillary Clinton) verbandelt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache setzte Merkozy auf Platz vier der Wörter des Jahres 2011. (In Frankreich, so viel Nationalstolz muss sein, sprach man lieber von Sarkel oder Sarkokel). Nicht einmal die Sprachhüter wussten so recht, ob sie nun von dem oder der "Brangelina der Politik" sprechen sollten. Und trifft sich Merkozy eigentlich zum Gipfel oder retten sie den Euro im Plural? Das Problem hat sich bekanntlich erledigt. Monsieur Hollande und Frau Merkel liegen politisch so weit auseinander, dass man sie sich kaum kontaminiert vorstellen kann. Andererseits müssen sich Deutschland und Frankreich zusammenraufen, und so brüten die Portmanteau-Spezialisten in Paris und Berlin schon über völkerverbindenden Kontaminationen. Die deutsche Presse scheint Merkollande zu favorisieren (Merkholla klingt unseriös, Merkande erinnert an einen Fisch), die französische wird wohl den – in unseren Ohren reichlich altdeutsch anmutenden – Hollkerl oder Horkel erfinden. Schöner ist freilich Homer. Noch kürzer, aber politisch "wenig hilfreich" (Merkel) wäre jedoch Merde.

Werbung

Autor: hal