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23. Juni 2012

Martin Halters Sprachkritik

DAS LETZTE WORT: Löwisch für Anfänger

  1. Foto: bz

Selbst die taz lobt: Joachim Löw kann alles außer Hochdeutsch. Mit seinem unverfälschten Badisch (Emotional Leader, Willing von Champions, Group of Death) hat er zwar noch keine Titel, aber viel Sympathie gewonnen. Löwisch ist Kult, aaabsolut, um eines seiner Lieblingswörter zu verwenden. (Das andere ist bekanntlich "höchste Konzentration").

Allerdings, warnt der Erfolgsrhetoriker Lothar Haase, wirkt Löws Dialekt nur gewinnend, solange er gewinnt. Im Falle einer Niederlage wird das authentisch Bodenständige sofort als provinziell und unprofessionell empfunden. Trainer ist dann kein Idiot, aber Dubel, wie man in Schönau "schonn au" sagt. Leider ist der kleine Unterschied zwischen Badenern und Schwaben der internationalen Sportpresse unbekannt. Selbst Philipp Lahm rühmt in "Der feine Unterschied" den "schwäbischen Singsang" des Trainers. In Youtube-Videos wird Löws "Schwäbisch für Anfänger" begackert; im Internetforum "Wieso spricht der Yogi Löw so komisch"? erörtern Amateurlinguisten die "gute Frage", ob Löw einen österreichischen oder "fast sächsischen" Akzent habe. Ein gewisser "Donkie" beendete die Debatte: "Er ist Schwabe (baden-würthemberg), das ist sein Akzent, in seiner region völlig normal".

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Das ist natürlich Schwachsinn. Löw kann zwar schon au Badisch, "sag ich jetzt mal" (noch ein Lieblingswort), aber vor allem ist er hoch fokussiert. Deshalb klingt eine sanfte Rüge ("80 Prozent reichen nicht") bei ihm wie ein Tobsuchtsanfall und eine Motivationsrede wie Klinsmanns Power-Schwäbisch. Nicht dass er die Griechen je "durch die Wand hauen" wollte; Hansi bekam für sein Stahlhelm-Wort sogar einen Rüffel. Löw redet halt nur ein bisschen komisch, wie alle normalen Trainer (außer vielleicht Christian Streich): "Wir haben es absolut klasse verstanden, defensiv gut zu arbeiten". Wenn er über Querläufer, Zwischenspieler, Vertikalpässe oder die "zerrüttete Vorbereitung" philosophiert, entfährt erfahrenen Übersetzern ein "Oh shit", aber in der "Seriensprintsportart" Fußball kann man sich eben leicht verrennen: "Da sehe ich schon, emotional gesehen, ein positives Laufen nach vorn, ein positives Sprintverhalten nach vorn, und vielleicht ein negatives, wenn man weite Wege zurück muss". Das ist weder Badisch noch Schwäbisch, aber auch absolut klasse.

Autor: hal